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Familienhotel an der Elbe

Vom Bauernhof zum Gästebetrieb: Vor 20 Jahren wurde das Hotel Moritz eröffnet.

Von Antje Steglich

Ihre Berufe haben Karin Großmann und Carola Donner für diesen einen großen Traum an den Nagel gehängt: Den elterlichen Hof erhalten. „Es war ein schwerer, aber erfüllter Weg“, sagen die Schwestern heute – 20 Jahre nach der Eröffnung des Hotel Moritz. Ihr Haus mit zehn Mitarbeitern, Restaurant und 40 Zimmern hat sich zu einem festen Anlaufpunkt für Geschäftsreisende und immer mehr Touristen entwickelt. Dabei gab es anfangs schon Zweifel. Anfang der 1990er mussten die Betriebswirtin und die Pharmazieingenieurin eine grundlegende Entscheidung über ihr Zuhause treffen. Der Hof war runtergewirtschaftet und wurde für die Landwirtschaft nicht mehr gebraucht. Ihn ohne Konzept zu behalten, wäre ein Fass ohne Boden gewesen. Aufgeben kam aber nicht infrage. „Die Oma hat so dafür gekämpft“, sagen Karin Großmann und Carola Donner über ihre Mutter. Nach dem frühen Tod des Vaters musste sie allein für den Dreiseitenhof sorgen – und für ihre zwei kleinen Mädchen. Umso dankbarer war sie, dass der Hof erhalten und zu einem Hotel umgebaut werden sollte, erinnern sich die Schwestern. „Viele Touristen, vor allem aus dem westlichen Deutschland, haben damals gesagt, man könne hier nirgends schlafen“, erklärt Karin Großmann die Entscheidung. Und so krempelte die ganze Familie ihr Leben um.

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Am 1. April 1994 wurde Eröffnung gefeiert, später kamen das Restaurant dazu, der Biergarten Richtung Elbe, der Hof wurde zum zehnjährigen Jubiläum neu gestaltet, 2012 wurden Zimmer und Bäder erneuert. Und auch die Hochwasser mussten irgendwie überstanden werden. „Vor allem das erste 2002 hat uns ganz schön geschafft“, sagt Carola Donner. Ohne die Unterstützung der ganzen Familie hätte das Hotel wohl nicht überlebt. Noch heute springt immer mal jemand im Service und der Küche mit ein, die Oma war bis zuletzt für die Bepflanzung des Innenhofes zuständig. Und ihre hausgemachte Sülze bleibt unter den Gästen wohl immer legendär. „Sie fehlt uns sehr“, sagen Karin Großmann und Carola Donner mit Tränen in den Augen. Mit 93 Jahren ist ihre Mutter im Januar verstorben. Dabei hätten sie gern noch vieles gemeinsam erlebt. Die Eröffnung der Sommerscheune zum Beispiel.

Wenn die Bauaufsicht mitspielt, solle die Scheune ab diesem Jahr für Hochzeiten, Familienfeiern, Konferenzen und mehr genutzt werden, kündigen die Inhaberinnen an. 60 bis 70 Gäste hätten hier problemlos Platz. „Wir sind bisher immer begrenzt gewesen, mussten viele Feiern abgeben, weil im Restaurant nur 40 Plätze sind“, sagt Karin Großmann. Das soll sich nun ändern. Und vielleicht auch noch einiges mehr, Ideen hat die Familie viele. Alle drei bis vier Jahre gibt es ein größeres Projekt. In diesem soll nun auch die erste Qualitätsstufe der Hotelkooperation Landidyll geschafft werden – eine Zertifizierung, die alle Hotelbereiche umfasst und unter anderem mit zahlreichen Schulungen verbunden ist. Gut, dass Carola Donners Sohn Michael kürzlich mit ins Geschäft eingestiegen ist. Das hilft den Schwestern nicht nur im aktuellen Tagesgeschäft, zum Beispiel wenn es um Internet und Co. geht. „Es gibt uns vor allem Hoffnung, dass es hier weitergeht“, sagt Karin Großmann. Dass ihr Traum auch noch von den Kindern geträumt wird.

Das Jubiläum wird mit einem Kinder- und Familienfest gefeiert. Dazu lädt das Hotel Moritz am Sonntag, 1. Juni, ein. Die Gäste können sich unter anderem auf eine Hüpfburg und Angebote der Freizeitinsel Riesa freuen.