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Familiensache Feuerwehr

Weinböhlas Feuerwehr löscht seit 112 Jahren Brände. Seit vier Generationen helfen die Irmers beim Retten.

© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Ob es ein Feuerwehr-Gen gibt? Offenbar. Denn eine Weinböhlaer Familie namens Irmer hat dieses Gen ganz offensichtlich im Blut. Seit immerhin vier Generationen ist der Name untrennbar mit der Freiwilligen Feuerwehr Weinböhla verbunden. Bis heute. Der jüngste Spross der Feuerwehrfamilie – Melinda Irmer – geht seit drei Jahren zur Jugendfeuerwehr und will die Familientradition weiterführen.

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Begonnen hatte dabei alles in den 1930er-Jahren mit dem Urgroßvater. Erich Irmer trat 1937 in die Wehr ein. Anfangs rückten sie mit Pferdefuhrwerken, später mit Autos aus, um Brände zu löschen und Verunglückte zu retten. Über 60 Jahre gehörte er dazu – und gab das Feuerwehr-Gen an seinen Sohn Helmut weiter.

„Und der infizierte dann wiederum mich mit dem Feuerwehr-Virus“, sagt Heiko Irmer über seinen Vater. Schon als er ein kleiner Junge war. „Vati und Opa sind immer zusammen los, wenn die Sirene ging“, erinnert sich der 37-Jährige heute. Irgendwann zog er die Uniformjacke seines Vaters an. Ein prägendes Erlebnis.

„Und überhaupt durfte ich ab und an mit, wenn mein Vater Feuerwehrdienst hatte – etwa im Gerätehaus.“ Mit 16 Jahren trat Heiko Irmer dann selbst in die Wehr ein. „Endlich!“, sagt er noch heute. Das war 1993. Seitdem gehört er zum Inventar der Wache. Vor zwei Jahren stieg er in die Wehrleitung auf. Heute ist er mit einem Kameraden dafür verantwortlich, dass die Technik immer einsatzbereit ist.

Und auch Heiko Irmer hat das Feuerwehr-Gen vererbt. An seine Tochter Melinda. „Das Thema Feuerwehr war bei uns zu Hause einfach immer ein Thema“, sagt Heiko Irmer. Die zehnjährige Melinda wollte sich deshalb auch mit der Spritze ausprobieren. „Feuerwehr ist toll“, sagt sie.

Seit drei Jahren trägt Melinda die blaue Uniform und den orangefarbenen Helm. Als vor drei Jahren die Bambini-Wehr für die kleinsten Weinböhlaer gegründet wurde, machte sie sofort mit, sagt ihr Vater stolz. „Jetzt ist sie in der Jugendfeuerwehr und wird langsam ausgebildet.“ Ein Leben ohne Feuerwehr ist für das Mädchen jedenfalls unvorstellbar. Kein Wunder, auch sie hat schließlich das Feuerwehr-Gen im Blut. „Ich dränge sie aber nicht, dabei zu bleiben“, so Heiko Irmer. „Wenn sie nicht mehr will, muss sie nicht weitermachen.“

Fast jeder zweite Kamerad fehlt

Für die Irmers ist Feuerwehr Familiensache. Genau wie für Wehrleiter Eckhardt Häßler. Der 57-Jährige ist seit 22 Jahren Chef der Kameraden. „Wir sind alle eine große Familie“, sagt er. Die Irmers seien aber schon besonders. „Solche Familien brauchen wir in Weinböhla.“

Seit 112 Jahren gibt es die Wache in Weinböhla. Heute stehen im Gerätehaus an der Friedensstraße hochmoderne Einsatzfahrzeuge. Die müssen im Notfall aber auch ausrücken können. „Tagsüber an Wochentagen wird es eng“, sagt der Feuerwehrchef. Wenn er mit den Kameraden die Bereitschaftspläne aufstellt, wird das Problem ersichtlich. 45 aktive Einsatzkräfte zählt Weinböhlas Wehr zurzeit. Doch nur fünf bis sechs Leute stehen Montag bis Freitag bereit. Neun müssten es sein, damit wenigstens ein Löschfahrzeug voll besetzt ist.

„Unsere Aufgaben haben wir im letzten Jahr dennoch gemeistert“, sagt Häßler. Zu mehr als 75 Einsätzen wurden die Kameraden im letzten Jahr gerufen. Drei Viertel davon waren Notrufe, bei denen die Kameraden technische Hilfe leisteten – etwa bei Verkehrsunfällen oder der Flut. Nur jeder vierte Alarm hatte mit einem Brand zu tun. „Wir mussten auch Nachbarwehren zu Hilfe rufen, weil wir zu wenige waren.“

Für Häßler ist die Minimalbesetzung auf Dauer keine Lösung. Ein Ausweg aus dem Dilemma soll die Jugend sein. 28 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 16 Jahren zählt die Jugendfeuerwehr. Es könnten mehr sein, meint der Wehrleiter. Wenn es mehr Familien wie die Irmers in Weinböhla geben würde, würde sich das Problem von selbst erledigen, ist sich Häßler sicher.