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Familienstress bei Pandas

Nima und ihr Baby sind wohlauf. Sie werden in einem Film zu sehen sein, der zurzeit im Görlitzer Tierpark entsteht.

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© Axel Gebauer

Von Sabrina Winter

Görlitz. Es ist ein Mädchen. Einen Namen hat es noch nicht, aber seit vergangener Woche ist das Geschlecht des neugeborenen Pandababys im Görlitzer Tierpark klar. Das haben die Tierpfleger beim ersten Gesundheitscheck des Jungtieres festgestellt. Geboren am 5. Juni, ist das Kleine wohlauf. In zwei Wochen steht ein weiterer Gesundheitscheck an. „Dann setzen wir ihr einen Mikrochip ein“, sagt Catrin Hammer vom Görlitzer Naturschutz-Tierpark.

Das Pandamädchen ist eine internationale Mischung: Ihr Vater Kelsang kommt aus einem Zoo in Schweden, ihre Mutter Nima aus Warschau. Sie kümmert sich liebevoll um ihr Kind. Die Höhle hat sie mit Eibenzweigen ausgepolstert, damit es gemütlich ist. Inzwischen ist Nima wieder häufiger draußen. Dann streunt sie durch das Gehege, klettert über die Bäume und frisst. Mehrmals am Tag kehrt sie zum Nest zurück und schaut nach, ob alles in Ordnung ist. Manchmal säugt sie ihr Baby oder leckt es ab. Catrin Hammer weiß: „In ein paar Wochen spielen die beiden auch miteinander.“

Tierpark-Besucher können das kleine Pandamädchen über eine Webcam beobachten. Doch es ist gar nicht so einfach, sie zu finden. Die meiste Zeit schläft sie und ist zu einem braunen Fellknäuel zusammengerollt. Nur ein gelegentliches Zucken verrät, dass die Fellkugel ein Tier ist. Da Pandamama Nima so oft draußen ist, braucht man ein wenig Glück, um Mutter und Kind gemeinsam auf dem Bildschirm zu sehen.

Wer sich nicht auf sein Glück verlassen will, sollte Geduld mitbringen – wie Axel Gebauer, der ehemalige Tierpark-Chef. Er sitzt zurzeit an mehreren Tagen der Woche im Pavillon des Panda-Geheges – mit Laptop und großer Kamera. Denn Gebauer dreht gerade einen Film über die Roten Pandas. „Eigentlich geht es um Pandas in freier Wildbahn. Aber eine Mutter mit ihrem Kind kann ich dort nicht filmen. Sie würde sich gestört fühlen und vielleicht sogar ihr Junges töten“, sagt er. „Pandaweibchen Nima ist da entspannt. Sie kennt Menschen.“ Ein paar gute Aufnahmen habe er schon. Trotzdem wolle er noch weitere sammeln. Am Ende seien es mehrere Drehtage für eine einzige Minute im Film. Axel Gebauer nimmt das gelassen: „Tiere sind eben keine Schauspieler.“ 2017 soll der Film im MDR ausgestrahlt werden.

Für Pandafrau Nima ist es der vierte Nachwuchs. Sie geht entspannt mit der Situation um. Allerdings ändert sich das, wenn ihr Partner Kelsang im Gehege ist. Dann gibt es Stress. Schon seit Jahren vertreibt Nima ihn, wenn sie sich um ihre Babys kümmert. Catrin Hammer erklärt das so: „Rote Pandas sind Einzelgänger. Bei der Kinderaufzucht hat der Mann nichts zu suchen. Das ist bei den frei lebenden Tieren genauso.“ Darum ist Kelsang zurzeit allein im Tierpark unterwegs und kehrt nur zum Fressen zum Gehege zurück. In einigen Monaten wird das Pandababy abgestillt sein. Dann kommt es aus der Höhle heraus und beginnt Bambus und Obst zu essen – wie die großen Pandas. Bis zum Winter wird das junge Pandamädchen noch im Görlitzer Tierpark zu sehen sein. Im Dezember beginnt die Paarungszeit der Roten Pandas. Dann verschwindet der Nachwuchs hinter den Kulissen und Nima und Kelsang werden sich wieder vertragen.