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Familientreffen im Gersdorffschen Palais

Nachfahren der Oberlausitzer Adelsfamilie waren jetzt in Bautzen zu Gast – und nahmen positive Eindrücke mit.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Bautzen. Das Palais G. am Burgplatz hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Stammvater derer von Gersdorff richtete hier 1681 seine wertvolle Stiftungsbibliothek ein. Auch Tellurien, also Himmelsgloben waren damals hier zu sehen. 1925 kamen die wertvollen Stücke in das Bautzener Museum und ins Archiv. Im 20. Jahrhundert tagte hier ein Schiedsgericht, ein Jungfrauenverein hatte seinen Sitz, ein Landespolizeibüro und das Kreisarbeitsgericht. Ab 1970 bis zur Wende war hier die Bautzner Kreisfilmstelle angesiedelt. Nach der Wende versuchten hier verschiedene Gaststätten ihr ›Glück, allerdings hatte keine von ihnen den nötigen Erfolg. Erst als Frank und Martina Hentschel aus Görlitz das Gebäude 2015 übernahmen, kam es in ein ruhigeres Fahrwasser.

Als Zeichen der Anerkennung für die Bemühungen um den Erhalt des Gebäudes hatte Bernhard von Gersdorff am 13. September 2015 den Originalkatalog der Gersdorffschen Bibliothek an die Leiterin des Staatsfilialarchives Anja Moschke übergeben.

Großes Familientreffen

Jetzt war Bernhard von Gersdorff wieder zu Besuch in dem barocken Palais, das einst sein Vorfahr Hans von Gersdorff errichten ließ. Mit ihm kamen weitere 14 Familienmitglieder, die über ganz Deutschland verstreut leben. Anlass war das große Familientreffen, das alle zwei Jahre die Familienmitglieder zusammenführt. Dieses eigentliche Treffen, zu dem die 65 Mitglieder des Gersdorffschen Familienvereins erwartet wurden, fand in Herrnhut statt.

Die „Vorhut“, die in Bautzen Station machte, ließ sich von Frank Hentschel einen Überblick geben, wie es in den zurückliegenden zwei Jahren im Gersdorffschen Palais vorangegangen ist. Die gravierendste Veränderung besteht darin, dass in der großen Eingangshalle alle störenden Einbauten beseitigt wurden, sodass das Foyer wieder in seiner ganzen Pracht erlebbar ist. Und auch der Barocksaal im Obergeschoss wurde von den hässlichen dunklen Farbschichten befreit, die von den Gaststättenbetreibern aufgebracht wurden.

Das Familienoberhaupt Bernhard von Gersdorff zeigte sich sehr angetan darüber, wie in Bautzen mit dem geistigen Familienerbe umgegangen wird. Die Schätze aus der Stiftungsbibliothek seien hier in guten Händen. Von Gersdorff freute sich aber auch, dass das ehrwürdige Palais am Burgplatz jetzt für kulturelle Zwecke genutzt wird. Frank Hentschel berichtete über die vielfältigen Aktivitäten, die hier in den vergangenen zwei Jahren organisiert wurden. So steht das Gebäude für Familienfeiern zur Verfügung, aber es fanden unter anderem auch Benefizkonzerte des Bunte-Welt-Chores für El Salvador, Modenschauen und Konzerte statt. Auch die Jahresversammlungen der Stadtführer finden hier einen würdigen Rahmen.