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Familienvater zündet sein Haus an

Drama in Glaubitz: Ein 51-Jähriger will sterben, weil ihn seine Frau verlassen hat. Er setztsein Heim in Brand und hindert die Feuerwehr mit einem Messer an den Löscharbeiten.

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Von Jens Ostrowski

Es ist 21.29 Uhr als die Feuerwehr am Samstagabend an die Riesaer Straße 16 in Glaubitz gerufen wird. Familienvater Bodo L. hat nach derzeitiger Erkenntnis sein Haus selbst angezündet. An mehreren Stellen dringt Qualm aus dem Gebäude. Als die Feuerwehr eintrifft, fehlt von dem 51-jährigen Hausherrn jede Spur.

Vier Retter betreten sofort die untere Etage. Dichter Rauch strömt ihnen entgegen. Es gibt gleich mehrere Brandherde. Im Wohnzimmer sehen sie Bodo L. auf dem Sofa liegen – mit starrem Blick an die Decke. Die Feuerwehrleute sind scheinbar zu spät gekommen. Ist der Familienvater tot? Sie wissen: Jetzt geht’s um Sekunden. Wenn überhaupt noch jemand helfen kann, dann der Notarzt.

Retter flüchten

Zu viert wollen sie Bodo L. nach draußen tragen. Doch dazu kommt es nicht. Als ihn die Retter berühren, springt er auf, rennt in die Küche und kommt mit einem großen Brotmesser zurück. Der 51-Jährige will die Feuerwehrleute aus seinem Haus treiben. Bodo L. will nicht gerettet werden. Er hat Probleme, die so groß sind, dass er seinen Lebensmut verloren hat. Der Familienvater will nur noch eines: sterben. Wenn den Feuerwehrleuten das Leben lieb ist, verlassen sie jetzt besser das Haus. Und wirklich: Sie treten den Rückzug an. Draußen auf dem Grundstück stehen die beiden erwachsenen Söhne. Der Schock ist ihnen mitten ins Gesicht geschrieben. Mit Rufen versuchen sie, ihren Vater aus dem Haus zu locken. Doch Bodo L. bleibt stumm. Sein Entschluss steht fest. Er hat mit seinem Leben abgeschlossen.

Von außen versucht die Feuerwehr zu retten, was zu retten ist. Wenn der Mann im Haus nicht am Rauch ersticken soll, braucht er frische Luft. Die Feuerwehr schlägt mehrere Fenster ein und versucht, mit Ventilatoren Durchzug herzustellen. Anschließend bleibt den Rettern keine andere Wahl, als Bodo L. zu überwältigen. Mehrere Polizeibeamte betreten das Haus. Was innen passiert, ist für die SZ nicht zu rekonstruieren. Doch Minuten später treten sie aus der Tür. Zusammen mit dem 51-Jährigen. Bodo L. lebt. Aber wird er die Rauchvergiftung auch überleben?

Gestern Mittag. Über dem Haus an der Riesaer Straße liegt eine gespenstische Stille. Lediglich schwarzer Ruß, einige Glasscherben und das Polizeisiegel an der Tür weisen darauf hin, dass sich hier am Vortag eine Tragödie abgespielt hat. „Meine Kameraden hatten großes Glück“, sagt der Glaubitzer Gemeindewehrleiter Ulf Kaule. Er weiß, dass die Messerattacke für seine Kameraden hätte böse enden können. „Der Mann war unberechenbar. Gott sei Dank ist nicht mehr passiert.“

Ulf Kaule kennt den Mann. Bereits im letzten Jahr hat ihn die Freiwillige Feuerwehr Glaubitz vor dem Tod bewahrt. Damals wollte sich Bodo L. in der Garage das Leben nehmen. Die Retter fanden ihn bei laufendem Motor sitzend in seinem Auto. Gerade noch rechtzeitig konnten sie ihn bergen.

Seit Samstag im Koma

Welche Probleme der 51-Jährige hat, ist nicht erwiesen. In der Nachbarschaft heißt es, seine Ehefrau habe sich schon vor Längerem von ihm getrennt. Das scheint er nicht verkraftet zu haben. Welche Details bei der Trennung noch eine Rolle spielen, ist unbekannt. Klar jedoch: Für Bodo L. waren die Lebensumstände bereits seit Langem nicht mehr zu ertragen.

Nach Informationen der Sächsischen Zeitung soll der Familienvater seit Samstagabend im künstlichen Koma liegen. Über die Verletzungen ist nichts bekannt.

Sollte er wieder gesund werden, wird ihm ein Gerichtsverfahren wohl nicht erspart bleiben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Für Brandstiftung können je nach Ausmaß bis zu zehn Jahren Haft verhängt werden.