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Frischekur für eine Verschmähte

Zurück nach Tharandt kann sie nicht. Nun erhält die Postdistanzsäule endlich einen neuen Platz – und Aufmerksamkeit.

Von Verena Weiß

Die dunklen Flecken tun nichts zur Sache. Sie sind sogar typisch, zumindest für den Postaer Elbsandstein. Eher zeugen sie von Reife als von Schmutz. Denn gereinigt wurde die raue Oberfläche doch erst kürzlich, genau genommen mit Heißdampf, um die empfindliche Patina nicht zu beschädigen – eben ganz im Sinn der Denkmalpflege.

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Jeder Pinselstrich muss sitzen: Maria Kaiser hat Freude daran, den Schriftblock der Postdistanzsäule aufzuhübschen. Ihr Vater André Kaiser hat dafür gesorgt, dass das Denkmal bald wieder einen Platz findet. Foto: Karl-Ludwig Oberthür
Jeder Pinselstrich muss sitzen: Maria Kaiser hat Freude daran, den Schriftblock der Postdistanzsäule aufzuhübschen. Ihr Vater André Kaiser hat dafür gesorgt, dass das Denkmal bald wieder einen Platz findet. Foto: Karl-Ludwig Oberthür

Ein Denkmal ist die Postdistanzsäule Tharandt allemal, wenn auch eigentlich nur zweite Wahl. An das Original erinnert lediglich die Jahreszahl, eingeprägt am unteren Teil der Säule: 1730 steht dort. Abgesehen vom Wappen, das Ende des 19. Jahrhunderts wieder gefunden wurde, fehlte von der echten Kursächsischen Postdistanzsäule damals jede Spur. Deshalb setzte sich der Wilsdruffer Steinmetz Wolf fünf Jahre daran, diese nachzubilden. Das Ergebnis wurde im Oktober 1964 im Tharandter Stadtpark eingeweiht. Dort stand sie bis zur Flut 2002. Um Schäden zu beseitigen, die das Hochwasser im Böschungsbereich verursachte, musste die Säule abgebaut werden. Ihren Platz hat sie seitdem aber nie wieder gefunden. Stattdessen wurde sie mit der Neugestaltung des Stadtparkes durch eine neue Säule ersetzt, aus Cottaer Elbsandstein – getreu dem Original.

Das Postaer Exemplar hatte damit ausgedient, lagerte erst auf einem Privatgrundstück in Fördergersdorf, dann im Bauhof Kurort Hartha und nun bei André Kaiser – zumindest teilweise. Während Spitze und Sockelteile bei der Firma Wachsmuth Naturstein in Fördergersdorf vorgerichtet und ergänzt werden, wird hier, auf dem Grundstück des Ortsvorstehers in Grillenburg, am Mittelstück gearbeitet. Tochter Maria zeichnet die verblassten Schriftzüge auf dem Elbsandstein nach. Eine Aufgabe, die viel Fingerfertigkeit verlangt und welche die 15-Jährige nicht zum ersten Mal macht. Auch an der Rabenauer Postdistanzsäule, die vorigen Sommer ihren Platz auf dem örtlichen Markt fand, hat die junge Frau während ihres Praktikums beim Steinmetz schon den Pinsel geschwungen. Nun erhält auch das Tharandter Denkmal seine Wegstunden zurück. Und genau vor diesem Hintergrund von Distanz und Zeit soll die verschmähte Säule in Zukunft wieder ihren Platz finden. „In Tharandt fand sich kein geeigneter Standort und Sponsor“, erklärt André Kaiser. Deshalb habe der Ortschaftsrat Kurort Hartha unter Zustimmung der Tharandter die Säule überreicht bekommen. Künftig, erklärt Kaiser, werde sie als Ausstellungsstück für den Verein Uhrentechnische Lehrschau Hennig ihren Dienst verrichten, hier an der Promenade, am Abzweig Klingenberg. Damit sei sie auch eine gute Ergänzung zum Sonnenkarussell, das im Hinblick auf den Sekundenweg in Kurort Hartha steht, findet André Kaiser. Am 3. Mai soll die fertig restaurierte Postdistanzsäule in Grillenburg eingeweiht werden – pünktlich zum Saisonstart der Postkutschen. Das wird diesmal ein Jubiläum: Seit zehn Jahren fahren die Postkutschen durch den Tharandter Wald.