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Bautzen

Kornmarkt-Center: Diese Läden haben noch offen

Seit Donnerstag gilt auch im Landkreis Bautzen der Handels-Stopp. Aber nicht für alle.

Gähnende Leere auf den Gängen in der ersten Etage im Bautzener Kornmarkt-Center.
Gähnende Leere auf den Gängen in der ersten Etage im Bautzener Kornmarkt-Center. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen/Bischofswerda/Kamenz. Die Schritte von Gianluca Esposito hallen durch den dunklen Gang in der ersten Etage des Bautzener Kornmarkt-Centers. Hektisch läuft er in seinem Eiscafé von rechts nach links, von links nach rechts – und redet eindringlich in sein Telefon. Worum es geht? Um ihn herum Hinweisschilder zum Coronavirus, ein leeres Einkaufszentrum, geschlossene Geschäfte – „worum wohl soll es gerade gehen?“, fragt er gestresst. Dann lächelt er, runzelt dabei die Stirn.

„Wir haben etwa 90 Prozent weniger Umsatz“, sagt der Geschäftsführer des Eiscafés Italia. Sein Lokal ist von der Anordnung nicht betroffen, aber seit Mitternacht haben bundesweit die meisten Geschäfte geschlossen. Das Ziel: das Coronavirus eindämmen. Öffnen dürfen zum Beispiel Supermärkte, Apotheken, Drogerien und Restaurants. Doch selbst Gastronomen haben im Kornmarkt-Center wegen der Pandemie teilweise freiwillig die Schotten dicht gemacht.

Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Die Lichter in vielen Geschäften bleiben aus

Nicht nur Esposito erzählt jetzt von Umsatzeinbußen, auch anderen Händlern fehlt die Kundschaft. So berichtet es zum Beispiel eine Mitarbeiterin im Center-Kiosk. Und auch Claudia Renger, Geschäftsführerin des Käse-Geschäftes, bekräftigt das. Sie steht zwischen den duftenden Laiben, seufzt kurz: „Ja, es ist schwer in den letzten Tagen“, sagt sie, „wir machen definitiv Einbußen.“

Allein auf weiter Flur: In allen Geschäften rund um das Eiscafé von Gianluca Esposito im Kornmarkt-Center in Bautzen ist das Licht ausgeschaltet. Er beklagt 90 Prozent weniger Kundschaft in den letzten Tagen.
Allein auf weiter Flur: In allen Geschäften rund um das Eiscafé von Gianluca Esposito im Kornmarkt-Center in Bautzen ist das Licht ausgeschaltet. Er beklagt 90 Prozent weniger Kundschaft in den letzten Tagen. © SZ/Uwe Soeder

Noch deutlicher aber wird Gianluca Esposito: „Wir haben die Arschkarte“, sagt er und wiederholt das Wort noch einmal zur Betonung. Was er meint: Die Mietkosten laufen weiter, die Mitarbeiterzahl bleibe auch dieselbe. An diesem Morgen sitzt aber nur eine Frau einsam auf einem der roten Sessel, verspeist gemütlich einen Eisbecher. Ansonsten aber gähnende Leere in dieser Etage. Das Licht im benachbarten Schuhgeschäft ist ausgeschaltet, beim Bekleidungsgeschäft daneben ist es ebenfalls dunkel. Laufkundschaft? Fehlanzeige. Während sonst manchmal an die tausend Gäste pro Tag kommen, seien es schon in den letzten Tagen nur noch an die hundert gewesen. „Meine Laune ist sehr schön“, sagt Esposito mit Ironie in der Stimme und verzieht das Gesicht zu einer Grimasse.

Händler will Ausgangssperre für alle

Dass es Maßnahmen gibt, findet er aber trotzdem gut – sogar radikaler müsste es eigentlich sein, wenn man ihn fragt. Fast hoffe er, eine offizielle Anordnung zu bekommen, das Café zu schließen. Es wäre besser gewesen, eine Ausgangssperre für alle zu verhängen – wie sie zum Beispiel in Italien und Spanien gilt, sagt er. „Unser Ziel muss sein, die Pandemie zu stoppen“, sagt er, „am Besten wäre es, wenn alle die Einkäufe vor die Tür gestellt bekommen.“

Die meisten Geschäfte weisen mit Schildern darauf hin, ob sie geöffnet haben beziehungsweise bis wann sie geschlossen sind.
Die meisten Geschäfte weisen mit Schildern darauf hin, ob sie geöffnet haben beziehungsweise bis wann sie geschlossen sind. © SZ/Uwe Soeder

Ganz so wie er scheinen das aber viele Bautzener an diesem Donnerstagvormittag nicht zu sehen. Eine Familie kommt, kauft sich bei Esposito ein Eis: Oma und Opa, Mutter und zwei Kinder. „Der Kleine kennt das. Wenn Opa beim Arzt war, fragt er schon immer nach dem Eis“, erzählt Rosemarie Kluge und deutet auf ihren Enkel, der mit einem zufriedenen Lächeln an der weiß-gelben Kugel lutscht. „Na klar machen wir uns Gedanken, aber die Kinder müssen ja auch mal raus“, sagt Mutter Christiane Zielina. „Ich hab‘ keine Angst“, wirft Rosemarie Kluge ein und lacht, „wenn man dran ist, ist man dran.“

Es sind nur ein paar Schritte die Rolltreppe hinunter, dann bietet sich ein anderes Bild als in der leeren ersten Etage. Während oben jedes einzelne Wort gut zu verstehen ist, liegt im unteren Bereich des Kornmarkt-Centers das gewohnte Grund-Rauschen in der Luft: Münzen klimpern, Leute quatschen, irgendwo hustet jemand.

Auf dem Wochenmarkt halten die Leute Abstand

Vor allem ältere Menschen schieben sich an diesem Tag an Obst und Gemüse vorbei, zum Fleischer, zum Bäcker, zum Kiosk. „Für die alten Leute ist es schwer, wenn alles zu ist“, erzählt eine Frau, die es sich gemeinsam mit vier, fünf anderen auf einer der Bänke im Kornmarkt-Center gemütlich gemacht hat – einen Sicherheitsabstand halten sie nicht ein. Keine Angst bei der Risikogruppe? „Es wird zu viel Panik gemacht“, findet ein älterer Mann.

Auch auf dem Wochenmarkt ist es nicht leer, Kunden durchsuchen Boxen mit Gemüse, nehmen Nudelpackungen in die Hand, wägen ab. Nur die Schlange vor dem Fleischer hat sich mit verdächtig viel Freiraum zum Vordermann gebildet. „Ich höre öfter, wie die Kunden einander zum Abstandhalten auffordern“, verrät eine Verkäuferin.

Der Wochenmarkt in Bautzen ist am Donnerstag gut besucht - aber die Leute halten Abstand in der Schlange.
Der Wochenmarkt in Bautzen ist am Donnerstag gut besucht - aber die Leute halten Abstand in der Schlange. © SZ/Uwe Soeder

Auf dem Wochenmarkt in Kamenz ist von selbst verordneter Quarantäne und Rückzug ebenso wenig zu merken. Auch hier nutzt vor allem – und das sorgt für viel Gesprächsstoff am Rand – die sogenannte Risikogruppe von über 65-Jährigen das sonnige Wetter für einen Bummel mit Rollator und Stock. Abstand zueinander halten an den Marktständen? Kaum einer hält sich daran.

Gut gefüllt ist auch der Obi-Baumarkt an der Windmühle in Kamenz. Unzählige Hobby-Handwerker und Gartenfreunde tummeln sich dort. Viele Arbeitnehmer sind daheim, das Wetter passt. Man muss sich augenscheinlich beschäftigen. „Wir haben noch nie so viel Farbe wie in den letzten Tagen angerührt“, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Auch bei Fliesen, Holz und anderen Baumaterialien boomt der Verkauf.

Das Eis kommt vor die Haustür

In Bischofswerda sind seit Wochenbeginn weniger Leute unterwegs als üblich. Trotzdem war am Donnerstagvormittag noch etwa die Hälfte der gut 60 Läden geöffnet: Handwerksbetriebe, die von der Verkaufssperre bisher ausgenommen sind, Bäcker, Fleischer, Friseure, Uhrmacher. Auch die Schiebocker Buchhandlung und das Schreibwarengeschäft dürfen öffnen – beide bieten Postdienstleistungen an.

Für viele andere gilt jetzt: Kreativ werden, um sich über Wasser zu halten. So macht es zum Beispiel eine Schleiferei in Bischofswerda. Das Geschäft ist zu – geschliffene Messer und Scheren gibt es trotzdem. Kunden können ihr stumpfes Schneidewerk einfach beim benachbarten Bäcker abgeben, darauf weist ein Schild am Geschäft hin.

Und auch Gianluca Esposito vom Eiscafé in Bautzen hat sich etwas einfallen lassen. In der kommenden Woche, so plant er, will er sein Eis-Auto aus der Garage fahren. Mit dem Auto will er Waffeln und Becher dann zu den Leuten nach Hause, direkt an die Tür bringen.

Folgende Geschäfte sind im Kornmarkt-Center noch geöffnet:

  • Drogerie Rossmann
  • Pluspunkt Apotheke
  • Apollo Optik
  • K-Kiosk
  • Fleischerei Korch
  • Feinbäckerei Bresan
  • Süßes Rendezvous
  • De Goey
  • McDonalds
  • Asia Imbiss
  • Eiskiosk Italia
  • Tutti Frutti
  • Eiscafé Italia
  • Friseur Klier (der Friseur ist allerdings bis 21.3. geschlossen)


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