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Görlitz

Aus Angst vor Corona zu Hause bleiben?

In Grundschulen ist der Mindestabstand nicht einzuhalten. Deshalb ist dieser Schulbesuch freiwillig. In Görlitz und Niesky spielt das aber kaum eine Rolle.

Schüler der Klasse 4a in der Grundschule Rothenburg. Sie haben schon einige Tage länger Unterricht als die Erst- bis Drittklässler. Aber auch für sie gilt das Prinzip der Freiwilligkeit zur Anwesenheit in der Schule.
Schüler der Klasse 4a in der Grundschule Rothenburg. Sie haben schon einige Tage länger Unterricht als die Erst- bis Drittklässler. Aber auch für sie gilt das Prinzip der Freiwilligkeit zur Anwesenheit in der Schule. © André Schulze

Die meisten Mädchen und Jungen der ersten bis vierten Klassen in den Grundschulen haben sich sehr gefreut, dass es nach zweimonatiger Corona-Zwangspause wieder los geht. Am Montag startete der Unterricht an den Schulen für alle Kinder. Die Viertklässler waren schon ein paar Tage früher da. Doch für Grundschüler ist der Schulbesuch freiwillig.

Viele Anrufe von besorgten Eltern

In der Grundschule Markersdorf waren mit dem Neustart alle Schüler da. In der Grundschule Rothenburg fehlte von 161 Schülern ein Mädchen. Und in der Grundschule Schöpstal in Ebersbach blieben nur vier Plätze von 160 frei, weil vier Schüler nicht zum Unterricht in die Schule kamen. In der Grundschule Reichenbach fehlten vier und in der  August-Moritz-Böttcher-Grundschule Görlitz fehlten drei Kinder.

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Sachsenweit sind es 91 Prozent der Grundschüler, die wieder am Unterricht teilnehmen. Zwischen Görlitz und Niesky sind es in den Grundschulen sogar 95 Prozent, berichtet Jens Drummer. Er ist der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung, Standort Bautzen (Lasub). 

Die hohe Zahl der anwesenden Schüler freut das Landesamt, habe aber dennoch überrascht, sagt der Sprecher. Denn im Vorfeld des Neustarts an den Grundschulen gab es viele Anrufe von besorgten Eltern. Sie hatten Bedenken vor allem wegen der Abstandsregelungen, die in den Klassenzimmern nicht eingehalten werden können.

Eltern geben Bescheid, wenn ihr Kind nicht kommt

"Im Prinzip haben wir jetzt Normalbetrieb an den Schulen was die Schülerzahl betrifft, denn immer wieder fehlen mal Kinder wegen Krankheit", erklärt Jens Drummer. Jetzt wisse man aber nicht, ob Grundschüler wegen Angst vor Corona oder wegen einer Erkrankung nicht zur Schule kommen. 

Hintergrund des freiwilligen Schulbesuchs ist ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Leipzig. Eltern eines siebenjährigen Schülers einer Leipziger Grundschule hatten sich im Eilverfahren bei Gericht gegen die Öffnung der Grundschulen ohne Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern gewandt, erklärt Sachsens Kultusministerium. 

Sonderregelung vorerst bis 5. Juni

Das Kultusministerium respektierte den Gerichtsbeschluss und setzte die Schulbesuchspflicht vorerst bis zum 5. Juni aus. Das heißt, der Schulbesuch der Grundschüler erfolgt freiwillig. Eltern können selbst darüber entscheiden, ob ihr Kind am Unterricht in der Schule teilnimmt oder nicht. Allerdings will das Kultusministerium den Beschluss beim Sächsischen Oberverwaltungsgericht anfechten. 

Mädchen und Jungen, die nicht wegen einer Erkrankung, sondern aus Angst vor Corona zu Hause bleiben, haben dennoch Schulpflicht. Das heißt, sie müssen zu Hause lernen. Sie bekommen dafür von den jeweiligen Lehrern Aufgaben gestellt. 

Infektionsschutz dem Alter angemessen umsetzen

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz sieht das sächsische Konzept der Wiedereröffnung von Kindertagesbetreuung, Grundschulen und der Primarstufe der Förderschulen als geeigneten Weg an, um den Infektionsschutz altersangemessen umzusetzen. "Wir kommen damit dem verbrieften Recht der Teilhabe und Bildung der Kinder nach", sagt er. 

Zentrales Element dieses Konzeptes ist es, dass Schüler der verschiedenen Klassen nicht miteinander in Kontakt kommen. Damit bleiben das Infektionsrisiko gering und im Falle des Falles die Infektionsketten nachvollziehbar. „Für uns steht fest, dass ein Festhalten an einem Mindestabstand zwischen Kindern in den Grundschulen nicht lebensnah ist und dadurch das Recht der Kinder auf Bildung und Teilhabe massiv eingeschränkt wird“, so Piwarz.

Praktikable Lösungen

Die ersten drei Tage Schule sind zwischen Görlitz und Niesky gut gelaufen, bestätigt Jens Drummer am Mittwochmittag. Damit war für die Schüler die erste Woche nach dem Neustart schon zu Ende, denn am Donnerstag war Feiertag, am Freitag schulfrei. Die in den Schulen aufgestellten Konzepte seien praktikabel. Das habe sich schnell gezeigt. Dennoch gab es hier und da aus den Erfahrungen der ersten Tage heraus die eine oder andere Anpassung, erklärt der Lasub-Sprecher. Was Schulen jedoch nicht selbst lösen können, ist der Lehrermangel. An einigen Grundschulen fehlten auch zum Neustart  Lehrer.

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