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Fast-Food-Anbieter gewährt Einblicke

Der Rundgang beginnt: Eine Familie zwängt sich am Sonntagnachmittag in weiße Kittel und setzt sich Mützen auf. Der Hygiene wegen. Verwunderlich nur, dass die Straßenschuhe anbleiben dürfen. Zunächst fällt der Blick auf Hochregale mit Pappbechern, Burger-Schachteln oder Kaffeesahne.

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Von Matthias Nicko

Der Rundgang beginnt: Eine Familie zwängt sich am Sonntagnachmittag in weiße Kittel und setzt sich Mützen auf. Der Hygiene wegen. Verwunderlich nur, dass die Straßenschuhe anbleiben dürfen.

Zunächst fällt der Blick auf Hochregale mit Pappbechern, Burger-Schachteln oder Kaffeesahne. Dahinter schließen sich zwei Kühlräume an. Im kälteren von beiden herrschen minus 18 Grad – ideal für die Lagerung von Fleisch und Pommes Frites. Auf dem Gang nebenan hält eine Mitarbeiterin ihre Raucherpause ab.

Interessant wird es in der Küche: Eine Frau belegt eine Semmel mit Käse und Salat. Ihre Kollegin greift mit einem Einmal-Handschuh nach dem Rindfleisch in der Gefriertruhe und legt es auf den Grill. Anschließend befreit sie ein paar Geflügelstücken von ihrem Fett-Bad. Für das Funktionieren der Fritteuse interessiert sich auch der zwölfjährige Martin aus Zittau. Er hätte „nicht gedacht, dass das Fleisch beidseitig gegrillt wird“.

Bindeglied zwischen Kasse und Küche ist der Mann am so genannten Warmhaltekasten. Er bestellt beim Küchenpersonal in seinem Rücken vorausschauend das, was vor ihm am Verkaufstresen knapp zu werden droht.

Seitlich der Küche befinden sich die McDrive-Fenster, an denen 35 Prozent des Görlitzer Umsatzes gemacht werden. Eine junge Dame nimmt die Bestellungen der Autofahrer entgegen. Über Innenmikrofon und Kopfhörer spielt eine Mitarbeiterin weiter vorn Mäuschen. So kann sie die gewünschten Dinge zusammenpacken, noch ehe das Fahrzeug auch bei ihr vorbeirollt. Schnell zubereitetes Essen, Fast Food eben, beliebt vor allem bei Jugendlichen.

Die wenigsten von ihnen wissen, dass das Görlitzer Restaurant über einen eigenen Coca-Cola-Apparat verfügt, der die zuckerhaltigen Getränke mixt. Wohin man schaut: Schläuche über Schläuche. Natürlich weiß auch Rainer Schaffrath, Gebietsleiter beim McDonald‘s-Lizenznehmer Willy Dany, dass Cola eine Kalorienbombe ist. 1 100 bis 1 200 Gäste zählen die Königshufener trotzdem Tag für Tag.

45 Mitarbeiter sind in dem Restaurant beschäftigt, 32 davon in Voll- oder Teilzeit. Der Job sei kein Lehrberuf, sagt Schaffrath. Neue Mitarbeiter würden sich im Küchentrakt schon nach drei Wochen auskennen. Die Tätigkeit bei McDonald‘s Görlitz erfolgt nach dem Rotationsprinzip: Jeder macht alles.

Die Einrichtung gibt es seit 1995. Von Beginn an dabei ist Michaela Jentsch, eine der fünf Schichtleiterinnen. Die frühere Anwaltsgehilfin aus Ostritz liebt ihren Beruf für den Umgang mit den Kollegen. Die drei sich überlappenden Acht-Stunden-Schichten werden von jeweils zehn bis zwölf Leuten gestemmt. Für die Einhaltung der Arbeitszeiten sorgt bei McDonald’s der Tarifvertrag der Markengastronomie.

Stress kommt beim Personal am Tag der offenen Tür erst am späten Nachmittag auf, als sich an der Kasse eine Schlange bildet. Auch die angebotenen Rundgänge stoßen auf Interesse: Restaurantleiter Thomas Muschter begrüßt um 16 Uhr den 40. Teilnehmer. Er freut sich, bei ihnen mit Klischees aufgeräumt zu haben: „Es herrschte zum Beispiel die Meinung, dass wir ausschließlich mit Mikrowellen arbeiten.“

Übrigens stammen 90 Prozent der Produkte aus Deutschland, aber nur eines aus Görlitz: das Landskron-Bier. Immerhin schaut ein hiesiger Handwerker vorbei, wenn im Restaurant etwas kaputt geht.