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Fasziniert von großen Krabblern

Eine einzigartige Ausstellung lockte gestern nach Radeberg. Im Fokus standen Spinnentiere.

Von Bernd Goldammer

In der Turnhalle auf der Pulsnitzer Straße war schon manche Exotenausstellung zu sehen. Spinnen, Insekten, Käfer und Würmer aber gab es hier noch nie. Gestern Vormittag – als Renaldo Neigert, der Herr der Spinnen die Tür zur Sporthalle öffnete – waren bereits die ersten Besucher da. Von Stunde zu Stunde wurden es mehr. Ganze Großfamilien mit Oma, Opa an der Spitze kamen, um Kindern und Enkeln die mythenbeladenen Tiere zu zeigen. Immerhin, auf den Plakaten waren die größten Vogelspinnen der Welt angekündigt. Die Besucher wurden nicht enttäuscht. Es waren gut gewachsene Exemplare zu sehen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Gefährliche Spinnen und Skorpione gibt es wirklich. „Aber diese Arten sind für eine ’Zurschaustellung‘ in Deutschland grundsätzlich verboten. Diese Tiere sind in einer Gefahrenliste zusammengefasst und Deutschland hat strenge Normen für ihre Aufbewahrung und Haltung zu wissenschaftlichen Zwecken erlassen“, war gestern früh vom Ausstellungsmacher zu erfahren. Seine Schau war eine besonders gute Gelegenheit, der weit verbreiteten Spinnenphobie mal ein Schnippchen zu schlagen. In regelmäßigen Abständen bekamen Vogelspinnen hier nämlich öffentliche Streicheleinheiten. Und wer glaubte, dazu würde sich niemand bereitfinden, war auf dem Holzweg. Die Damen machten den Anfang. Die zwölfjährige Ayleen Gude nahm eine große schwarze Vogelspinne mit beiden Händen auf und streichelte ihre Behaarung. „Sie fühlen sich leicht an“, stellte sie ermunternd lächelnd fest. Das Eis war gebrochen. Jetzt wollten auch es alle Umstehenden probieren. Einigen war anzusehen, dass es sie Überwindung gekostet hat. „Aber die Erfahrung ist toll“, lächelte Alfons Schütter. Andere schüttelten ungläubig den Kopf darüber. Renaldo Neigert hat das schon oft erlebt. Seit Kinderjahren ist er ein leidenschaftlicher Freund exotischer Spinnen, Käfer, Würmer und Insekten. „Schon mit elf Jahren habe ich mich für diese Tiere interessiert“, erzählt er. Sie haben ihn fasziniert. Deshalb hat er angefangen, ihre körperlichen Besonderheiten genau zu studieren. Und als er alles über sie wusste, machte er sein Hobby zum Beruf. Seit dem ist er als Ausstellungsmacher von Stadt zu Stadt unterwegs. Diesen Schritt habe er nie bereut. Denn das Interesse an diesen Tieren ist im deutschsprachigen Raum besonders groß.

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Zahlreiche Radeberger waren schon vormittags in der Ausstellung unterwegs, um dem nachmittäglichen Gedränge zu entgehen. Die Neugier auf die exotischen Spinnen, Skorpione, Schnecken und Würmer war groß.
Zahlreiche Radeberger waren schon vormittags in der Ausstellung unterwegs, um dem nachmittäglichen Gedränge zu entgehen. Die Neugier auf die exotischen Spinnen, Skorpione, Schnecken und Würmer war groß.

Wer sich mit Renaldo Neigert unterhält merkt schnell: Ihm geht es nicht allein ums Geldverdienen. Er hat auch eine aufklärerische Mission. Das lässt sich aus der Anlage seiner Ausstellung schließen. 120 Terrarien für 400 lebendige Spinnen, Skorpione und Riesenachtschnecken hat er aufgestellt. Für jede Art müssen klimatische Bedingungen geschaffen werden. Ihr Futter besteht aus Schaben und Wüstenheuschrecken. Dazu kommen weitere Vitrinen mit präparierten Objekten. Egal, ob lebend oder präpariert: Auf bereitgestellten Tafeln erfährt der Betrachter vieles über die Orte an denen sie vorkommen und über ihre Lebensweise. Diese Ausstellungsqualitäten haben sich offenbar schnell herumgesprochen. Immer mehr Gäste kamen gestern Abend, nach Ausstellungsschluss konnte Renaldo Neigert eine gute Bilanz ziehen. Um die 500 Besucher waren gekommen, Radeberg war eine gute Station.