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Faule Eier im Briefkasten

Im Wahlkampf klopfen Sachsens Parteien fleißig Sprüche: Jetzt wurde ein ganz besonderer fertig.

Von Gunnar Saft

LIEBE Leser, bald ist Ostern und Sachsens Parteien legen uns wieder fleißig faule Eier in den Briefkasten. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Post Ihnen bald eine Broschüre überreicht, auf der wundersame Worte prangen: „Mit Mut. Mit Weitsicht. Miteinander.“ Es handelt sich nicht um die Werbung für einen Single-Treff und ebenso wenig um einen verzweifelten Aufruf der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Der Fall liegt schlimmer. Mit diesem Slogan will sich in den kommenden Monaten die Sachsen-CDU permanent in die Ohren und Herzen der Bürger bohren, damit man ihr zur Landtagswahl erneut seine Stimme schenkt. Nachdem die Partei vor fünf Jahren noch mit dem Spruch „Ein Sachse!“ warb (Wer war damals eigentlich gemeint?), ist man nun schonungslos ehrlich: Mut gehört tatsächlich dazu, wieder CDU zu wählen. Weitsicht ist genug vorhanden, da alle wissen, was dann folgt. Und bergab geht es wie immer gemeinsam.

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ABER natürlich sehe ich das alles viel zu schwarz. Dabei gibt es seitens der Christdemokraten auch sehr gute Nachrichten: So will sich ihr Spitzenkandidat Stanislaw Tillich (Deckname „Ein Sachse“) endlich für ein spannenderes Fernsehprogramm stark machen. Worten folgen in dem Fall sogar gleich Taten: Die CDU kündigte jetzt an, dass man auf ein Rede-Duell im Heimatfernsehen zwischen Herrn Tillich und den Herausforderern aus den anderen Parteien generös verzichtet. Damit bleibt vielen vieles erspart. Der Gewinner ist eindeutig der Zuschauer, der nicht zuschauen muss. Deshalb, danke CDU! Und bitte: Kurz vor dem Wahltag nicht doch noch schwach werden. Sondern mit Mut und Weitsicht miteinander auf ein solches Gähn-Event verzichten!

EIN Lob haben sich aber auch einmal Sachsens Liberale verdient. Diese sparten kürzlich weder Geld noch Mühe und beauftragten ein renommiertes Umfrage-Institut damit, die Stimmung der sächsischen Wähler zu testen – inklusive der Frage, wie viele von ihnen zur Landtagswahl eigentlich noch FDP wählen wollen? So viel zum Thema Mut, der die Gelb-Blauen offenbar noch nicht verlassen hat. Wie erwartet reagierten die befragten Bürger mit viel Weitsicht: Die FDP, so entschieden sie sich in der repräsentativen Erhebung, schafft den erneuten Sprung ins Dresdner Parlament nicht mehr. Das war nicht besonders charmant, aber wenigstens ehrlich. Und darum geht es doch in der Politik, oder? Nur leider gäbe es für die Liberalen in dem Fall kein Miteinander mehr. Was sagt ihnen dann dieser bedauernswerte Umstand? Trau niemals dem Wahlslogan des Koalitionspartners!