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Favoritenstürze in Paris

Serena Williams muss sich bei den French Open früh verabschieden. Aber sie droht der Konkurrenz.

© Reuters

Von Ulrike Weinrich

Nach dem Schock von Paris flüchtete sich Serena Williams in Ironie. „Ich bin wirklich glücklich und fühle mich großartig“, zischte die gestürzte Titelverteidigerin nach ihrem sensationellen Zweitrunden-Aus bei den French Open ins Mikrofon.

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In gewagten grauen Hotpants war die topgesetzte Williams nur Minuten nach dem 2:6, 2:6 gegen die Weltranglisten-35. Garbine Muguruza aus Spanien in die Pressekonferenz geeilt. Ihr lockiger Zopf wippte dabei bedrohlich und die Schritte wirkten noch etwas fester als sonst. In einer Mischung aus Sarkasmus und Ehrlichkeit bewertete Williams dann jene 64 Minuten, in denen sie eine ihrer bittersten Niederlagen überhaupt erlebt hatte.

„Es war einer dieser Tage, an dem nichts klappt. Ich bin sehr frustriert und hasse es, so einen Tag bei einem Grand Slam zu haben“, sagte die 17-malige Major-Siegerin und kniff die Augen zusammen. Was folgte, war eine ernste Warnung an die Konkurrenz: „Diese Niederlage ist ein Grund, fünfmal härter zu arbeiten, damit so etwas nicht mehr passiert. Ich will die Beste sein.“

Es war das früheste Ausscheiden von Serena Williams bei einem Grand-Slam-Turnier seit ihrem Erstrunden-Aus vor zwei Jahren – ebenfalls in Paris. Und es war die zweite dicke Überraschung im Frauen-Feld des Sandplatz-Events, nachdem bereits die an Position zwei gesetzte Australian-Open-Siegerin Li Na (China) in ihrem Auftaktmatch gescheitert war.

Gestern folgte ihnen auch die an Nummer drei gesetzte Agnieszka Radwanska. Die letztjährige Viertelfinalistin aus Polen verlor in der dritten Runde gegen die Weltranglisten-72. Ajla Tomljanovic (Kroatien) in 81 Minuten mit 4:6, 4:6. Noch niemals zuvor in der Open-Ära waren bei den Frauen die Nummer eins, zwei und drei schon vor der dritten Runde ausgeschieden.

Die zweimalige Roland-Garros-Siegerin Williams, die die fünfte Niederlage 2014 kassierte – bei insgesamt 24 Siegen –, war als hohe Favoritin nach Frankreich gereist. Sie hatte unter anderem vor gut anderthalb Wochen die Generalprobe in Rom gewonnen. Eigentlich ein gutes Omen, denn immer wenn Williams zuvor in der italienischen Hauptstadt triumphiert hatte, siegte sie kurz darauf auch in Paris – so wie 2002 und 2013.

Williams hatte mit ihrer 18. Grand-Slam-Trophäe eigentlich schon bei den French Open zu ihren berühmten Landsfrauen Martina Navratilova und Chris Evert aufschließen und weiter an Steffi Graf (22) heranrücken wollen. Die Pleite ist doppelt bitter, weil Williams die Metropole Paris außerordentlich mag. Mittlerweile besitzt sie zwei Apartments in der Stadt der Liebe. Zudem büffelt sie fleißig die Sprache. Nicht zuletzt, weil ihr Trainer und Lebensgefährte Patrick Mouratoglou ein Franzose ist.

Allerdings auch noch aus einem anderen Grund. „Als ich bei meinen Besuchen in Afrika die Kinder sah, habe ich meinen Eltern gesagt, eines Tages will ich hierher zurückkommen und in der Lage sein, mit ihnen zu sprechen“, erzählte Williams in diesen Tagen. Das Turnier im Stade Roland Garros geht allerdings ohne eines ihrer größten Zugpferde weiter. (sid)