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Zittau

"Ich wurde gezielt abgeworben"

Bürgermeister Philipp Fay erklärt im SZ-Interview, warum er Zittau und seinem Posten bereits nach fünf Monaten wieder den Rücken kehrt.

Noch-Bürgermeister Philipp  Fay.
Noch-Bürgermeister Philipp Fay. © Matthias Weber (Archiv)

Es war nur ein kurzes Gastspiel: Völlig überraschend hat die Stadtverwaltung am Montag mitgeteilt, dass Bürgermeister Philipp Fay sein Amt nach nur fünf Monaten Ende Januar wieder aufgibt und zurück zur Verwaltung des Freistaats Bayern wechselt. Im SZ-Interview erklärt der in Zittau aufgewachsene Verwaltungswissenschaftler, warum.  

Herr Fay, war der Bürgermeister-Posten in Zittau für Sie nur ein Sprungbrett, um in Bayern auf der Karriereleiter voranzukommen?

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Nein, keinesfalls. Als ich angetreten bin, wollte ich langfristig bleiben. Wer meinen Lebenslauf kennt, weiß, dass das stimmt. 

Was hat Sie dann bewogen, schon nach fünf Monaten zu sagen: Das war's? 

Eine einzige Sache, die dazu geführt hat, gibt es nicht. Es sind mehrere. Ich war zehn Jahre in Bayern zu Hause. Jetzt haben sich die beruflichen und sozialen Netzwerke, die ich dort aufgebaut habe, als so stark erwiesen, dass der Spagat zu groß wurde. Auf der einen Seite ist die Tätigkeit in Zittau, die sehr vielfältig, sehr herausfordernd ist. Deshalb  braucht es auf der anderen Seite Rückhalt im persönlichen Bereich, um das auch abbilden zu können.

Heißt das übersetzt: Die Arbeitsbelastung war zu hoch? Haben Sie sich zu viel zugemutet?

Die Arbeitsbelastung ist hoch, ja, aber das gehört zur Stellenbeschreibung. Ich habe mich, aufgrund meiner vorherigen Tätigkeit, auch fachlich gut vorbereitet gesehen.

Und menschlich?

Habe ich eine große Belastungssituation empfunden. Ich bin oft zwischen Bayern, wo ich ein soziales Umfeld aufgebaut und Freunde, mit denen ich emotional eng verbunden bin, habe und Zittau als meinem Arbeitsort mit Familie und Bekannten gependelt. Das hat mir die Ruhephasen genommen, die ich dringend gebraucht hätte.

Ist der Posten des Bürgermeisters generell gesundheitlich gut durchzustehen?

Ja. Es braucht ein gutes Umfeld und eine gute Organisation, dann ist das auch leistbar.

Was meinen Sie mit "gutes Umfeld"?

Das soziale auf der einen Seite und auf der anderen die berufliche Vernetzung mit den handelnden Personen wie dem Oberbürgermeister, Verbänden, den Interessenvertretern und auch den Menschen im Umfeld, denen man vertrauen kann.

Ist Ihr Vertrauen missbraucht worden?

Nein, ich hatte nicht den Eindruck, dass mein Vertrauen missbraucht wurde. Die Zusammenarbeit war jederzeit ohne Beanstandungen meinerseits.

Auch die mit dem Stadtrat? Das klang in der Pressemitteilung zu Ihrem Abschied anders.

Der Stadtrat ist ein Thema für sich. Ich würde mir von allen Beteiligten mehr Gelassenheit wünschen. Oft schwingt zum Beispiel pauschal das Urteil mit, dass die Verwaltung immer Fehler macht. Natürlich macht die Verwaltung auch Fehler. Aber es ist eine Frage der Kultur, wie man damit umgeht. Im Stadtrat schwingen dabei Töne mit, die den Kollegen Unrecht tun, denn sie sind sehr engagiert.

Wie haben die Kollegen reagiert, als sie von Ihrem Abschied erfahren haben?

Unterschiedlich. Die überwiegende Gefühlsregung war meiner Wahrnehmung nach tatsächlich Überraschung, aber sicher auch Enttäuschung.

Warum ist die Arbeitsbelastung als Zittauer Bürgermeister eigentlich so groß?

Wegen der Mischung aus vielen öffentlichen Terminen und vielfältigen Fachthemen, in die man sich einarbeiten musste. Aber wie gesagt war auch das allein nicht der ausschlaggebende Punkt. Ein weiterer war, dass ich aufgrund der guten Kontakte nach Bayern gezielt abgeworben wurde. In einen Bereich, den ich genau kenne, in dem ich bisher sehr gern gearbeitet habe und von dem ich genau weiß, was ich bewirken kann.

Dann hätten Sie doch gleich in Bayern bleiben können.

Hinterher ist man immer schlauer. Im Vorfeld hat mich die Tätigkeit als Bürgermeister gereizt. Zudem habe ich eine enge Bindung an Zittau. Das wird auch so bleiben.

Wann ist das Bayrische Landesamt für Asyl und Rückführungen mit dem Jobangebot auf Sie zugekommen?

Seit Dezember stehe ich mit den Kollegen in Kontakt, zuerst im kollegialen Rahmen. Dann hat man mich sehr ermuntert, mich auf die ausgeschriebene Stelle zu bewerben. Versprochen hat man mir allerdings nichts. Auch ich musste mich dem Auswahlverfahren stellen.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie der neue Referatsleiter Personal in dem Bayrischen Landesamt werden?

Das ist mir über die Feiertage mitgeteilt worden. 

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Ich wünsche Zittau, dass die vielen Baustellen wie die neue Struktur der Feuerwehr, bei der wir jetzt in ganz gutem Kontakt mit der Wehrleitung stehen, beendet werden. Es wäre gut, wenn die Investitionsplanung, so wie sie jetzt aufgestellt ist, umgesetzt werden könnte, Zittau in ein politisch ruhigeres Fahrwasser kommen würde und es mehr positive Nachrichten zu verkünden gäbe. Generell wünsche ich mir für Zittau in der gesellschaftlichen wie politischen Diskussion – die sein muss – mehr Gelassenheit, aber vor allem auch weniger Schärfe im Ton. Die tut auf Dauer keinem gut. Dann wird Zittau auch vorankommen. Da bin ich mir sicher.

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