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FDP will Herkuleskeule-Abriss verhindern

Das ehemalige Kabarett soll Platz für neue Wohnhäuser machen. Dagegen protestieren Anwohner und Gewerbetreibende. Und nun auch Politiker.

Die ehemalige Herkuleskeule am Sternplatz steht seit 2017 leer. Auch der Supermarkt ist längst geschlossen. Nun soll das Gebäude Wohnhäusern weichen.
Die ehemalige Herkuleskeule am Sternplatz steht seit 2017 leer. Auch der Supermarkt ist längst geschlossen. Nun soll das Gebäude Wohnhäusern weichen. © René Meinig

Noch ist der Abriss der alten Herkuleskeule keine beschlossene Sache. Grund genug für die Dresdner FDP, einen letzten Rettungsversuch zu starten. Die beiden Stadträte Holger Zastrow und Robert Malorny wollen das Gebäudeensemble am Sternplatz nicht nur als Zeitzeugnis bedeutender DDR-Architektur der Ostmoderne erhalten. Vielmehr gehe es vor allem darum, der Wilsdruffer Vorstadt ein lebendiges Stadtteilzentrum zu erhalten. Oder besser: zurückzubringen. Denn das Kabarett "Herkuleskeule", das dem Gebäude seinen Namen gab, und auch der Supermarkt sind längst ausgezogen. 

Einige Gewerbetreibende haben durchgehalten, darunter der Betreiber eines Asia-Restaurants und Friseurmeisterin Arlett Ospel. Die Dresdnerin betreibt ihren Salon seit 25 Jahren am Sternplatz und kämpft seit zwei Jahren um ihren Standort. Er sei wichtig für die vielen Senioren im Stadtteil - die Wilsdruffer Vorstadt ist das Dresdner Viertel mit den meisten älteren Bewohnern.

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Nun schaltet sich also die FDP in eine Angelegenheit ein, bei der es - anders als erwartet - bislang recht ruhig geblieben ist.  Auch unter den Denkmalschützern. Immerhin soll am Sternplatz ein Gebäude verschwinden, das seit Mitte der 1960er-Jahre das Areal architektonisch geprägt hat. Der Komplex wurde von 1963 bis 1965 unter der städtebaulichen Leitung der Architekten Herbert Schneider und Kurt Röthig gebaut und war in den vergangenen Jahrzehnten wichtiger Anlaufpunkt im Stadtteil. Das würden auch ihre Kunden immer wieder berichten, sagt Arlett Ospel. "Die Anwohner wundern sich, warum etwas, das bis zuletzt funktioniert hat, verschwinden soll." 

Die Gründe sind eigentlich klar: Das gesamte Grundstück ist für den Wohnungsbau vorgesehen. Auf einem Teil soll die Wohnungsbaugesellschaft WiD neue Sozialwohnungen errichten, der andere Teil wird für Bauherrengemeinschaften zur Verfügung gestellt. Zastrow und Malorny sind sich sicher, dass weitere Wohnhäuser an diesem Standort der Entwicklung des Viertels schaden. "In anderen Stadtteilen geht man inzwischen weg von einer reinen Wohnbebauung, wie in der Johannstadt." 

Dort spielten lokale Akteure wie Nachbarschaftsvereine und die Kreativwirtschaft eine immer größere Rolle. Das wünscht sich Malorny auch für die Wilsdruffer Vorstadt und will die Rettung der Herkuleskeule nun zum politischen Thema machen. Zastrow ist sich sicher, dass dieses Thema auch in den anderen Fraktionen noch einmal heiß diskutiert wird und verweist auf die Debatte um die Erhaltung der Robotron-Kantine

Am 15. Januar befasst sich der Bauausschuss  zum ersten Mal mit der Verwaltungsvorlage, die den Abriss der Herkuleskeule und den Neubau von Wohnhäusern vorsieht. "Wir wollen einen Ersetzungsantrag einbringen, der empfiehlt, die Herkuleskeule nicht abzureißen, sondern  zu erhalten und stattdessen eine neue Entwicklung des Stadtteils  zu fördern", erklärt Zastrow. Alles andere wäre ein Vergehen an diesem Viertel und an den Menschen, die hier leben und arbeiten. 

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Das Gebäude solle mit Händlern und anderen Akteuren wieder belebt werden, denkbar sei auch eine erneute Nutzung als Theaterstätte. Dafür müsse das Haus allerdings saniert werden, so Zastrow. Dass das viel Geld kostet, räumt er ein. Ein Gutachten der Stadt hatte ergeben, dass eine Sanierung des Gebäudes und der Umbau in Wohnungen unwirtschaftlich wäre. "Aber auch der Abriss ist teuer", meint Zastrow. Ob der Ersetzungsantrag der FDP im Bauausschuss beziehungsweise im Stadtrat eine Mehrheit findet, bleibt abzuwarten.

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