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Striezelmarkt doch vor Totensonntag?

Die Verlängerung der Dresdner Weihnachtsmärkte wird zum handfesten Streit. Die FDP verbündet sich mit anderen gegen Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Ob der Striezelmarkt verlängert wird, ist zum Politikum geworden.
Ob der Striezelmarkt verlängert wird, ist zum Politikum geworden. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Der Striezelmarkt und Dresden als Weihnachtshauptstadt werden durch Corona zur Grundsatz-Entscheidung. Stattfinden lassen wollen die Weihnachtsmärkte zwar alle. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hatte aber klargestellt, dass ein früherer Start - vor dem Totensonntag - mit ihm nicht zu machen sei. Jetzt fordern ausgerechnet seine eigenen Parteifreunde genau das und haben bei den Betroffenen breite Unterstützung. 

Der ursprünglich, vor Corona, geplante Zeitraum für den Striezelmarkt 2020 war vom 26. November bis Heiligabend. Wegen der Schließungen von Hotels, Restaurants und Geschäften während des Lockdowns, fordern einige eine Verlängerung - auch für andere Weihnachtsmärkte.

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OB Hilbert zeigt sich offen für eine Verlängerung, als Verschiebung nach hinten und maximal wenige Tage vorher. Würde der Striezelmarkt allerdings vor dem Totensonntag, also dem 22. November, starten, "würden wir unsere wesentlichen Grundsätze aufgeben", so Hilbert. Genau das fordert die FDP nun aber erneut. 

Die Verlängerung hatte zunächst die CDU ins Spiel gebracht, nachdem Händler, Gastronomen, Hoteliers, Industrie- und Handelskammer (IHK), Tourismusverband und Citymanagement das Anliegen an CDU und FDP herangetragen haben.

Bei der CDU tut man sich noch schwer, eben weil über den Totensonntag als einen der höchsten Gedenktage debattiert wird. Die FDP hat die Forderungen allerdings umgehend in Anträge gegossen und legt nun nach - auch weil OB Hilbert sich positioniert hat.

FDP-Vize-Fraktionschef Robert Malorny sagt, er will die Beschlüsse dazu schnell nach der Sommerpause vom Stadtrat entschieden haben. "Wir fordern, dass der Striezelmarkt am Donnerstag nach Buß- und Bettag beginnt", so Malorny. Das ist der 19. November, wenige Tage vor dem Totensonntag.

Zudem sollen die großen thematischen Weihnachtsmärkte an der Prager Straße, der Hauptstraße und auf dem Neumarkt ebenfalls am 19. November öffnen und bis zum 3. Januar geöffnet bleiben dürfen. Am Totensonntag und den beiden Weihnachtsfeiertagen sollen sie allerdings dicht bleiben. 

"Beim Striezelmarkt zählt jeder Tag"

Der Vorsitzende des Tourismusverbandes, Johannes Lohmeyer, sagt, die Verluste in jedem Dresdner Hotel gehen in den Bereich von Millionen Euro. "Die Verlängerung der Weihnachtsmärkte wäre eine Chance, das wenigstens zum Teil auszugleichen. Ich verstehe gar nicht, dass sich da einige querstellen."

Was bisher verloren ist, sei nicht mehr aufzuholen, so Marc Arendt, Hotelier und Vorsitzender des Tourismusausschusses der IHK. "Das einzige, was  hilft, ist, dass die Weihnachtsmärkte früher losgehen. Beim Striezelmarkt zählt jeder Tag, um uns ein wenig zu sanieren." Alles, was Handel und Gastronomie unterstütze, helfe, sagt auch Citymanagerin Friederike Wachtel.

Auch weil die Weihnachtsmärkte wegen Corona sicher anders sein werden als in den Vorjahren, mit mehr Abstand und einem Hygiene-Konzept, sei eine Verlängerung wichtig. "Es ist sinnvoll, die Märkte zu entzerren", so der Chef des Dresdner Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Axel Klein. "Aber dann auch zeitlich."

Denn, so Klein, die Konjunkturprogramme von Bund und Land werden bei vielen aus diesen Branchen nicht ankommen. Laut Angaben der Stadtverwaltung hängen in Dresden rund 30.000 Arbeitsplätze daran. 

Dazu, dass die FDP hier eine andere Position als Oberbürgermeister Hilbert einnimmt, sagt Malorny: "Innerparteilich gibt es immer mal wieder andere Meinungen. Diejenigen, die in der Verwaltung gefangen sind, haben eine andere Sicht auf die Dinge als die, die tagtäglich mit den Leuten aus der Wirtschaft zu tun haben."

Striezelmarkt soll nicht mehr der erste sein

Dazu fordert Malorny von der Tradition abzuweichen, dass die anderen Weihnachtsmärkte in den vergangenen Jahren immer nach dem Striezelmarkt eröffnet haben. "In diesem Jahr ist eben alles anders. Wenn wir viele Märkte an einem Tag eröffnen, entzerrt es sich auch und der Striezelmarkt ist nicht ganz so voll." Zudem setze die FDP auf eine Gleichbehandlung, damit alle Händler die gleiche Chance haben, Geld zu verdienen.

Ob die FDP allerdings eine Mehrheit gegen ihren Parteifreund und Oberbürgermeister organisieren kann, ist unklar. SPD und Linke lehnen dies klar ab, machen sich eher über den FDP-Vorstoß lustig. Auch die Kirchen sehen einen Start vor dem Totensonntag eindeutig kritisch. Die CDU diskutiert dazu noch, aber es gibt einige, die damit ähnliche Probleme wie die Kirche haben.

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Mit den Grünen sei man in "konstruktiven Gesprächen", sagt Malorny. Allerdings haben die sich auch noch nicht endgültig festgelegt. Also müsste die FDP versuchen, AfD und Freie Wähler mit ins Boot zu holen. Aber auch dann bräuchte sie Stimmen von CDU oder Grünen dafür. Zudem wird OB Hilbert, der derzeit im Urlaub ist, es gar nicht gerne sehen, dass ihm ausgerechnet die FDP in den Rücken fällt. Die Debatte im September dürfte spannend werden. Die FDP will eine schnelle Entscheidung, weil Händler, Hoteliers und Gastronomen planen müssen - ebenso Reiseveranstalter, die die Touristen bringen sollen.

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