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Fehlschuss beim Osterschießen?

Die Fans der Tradition in Herrnhut sehen Fehler beim Handeln der Polizei in diesem Jahr. Doch die wehrt ab. Nun muss sich wohl der Stadtrat damit befassen.

Ostern mit Kawumm begrüßen: Das wollen die Fans der Tradition auch weiterhin.
Ostern mit Kawumm begrüßen: Das wollen die Fans der Tradition auch weiterhin. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Das Kritikfeuer der Osterschießen-Fans kommt aus vollen Rohren. Auch eine Woche nach den Feiertagen ist die Diskussion um die Polizeibesuche in der Osternacht noch explosiv. Die Beamten hatten einigen Familien mit Verweis auf die Nachtruhe verboten, der lauten Tradition weiter zu frönen. Vor allem die Berthelsdorfer wollen nicht hinnehmen, dass - mutmaßlich - eine Beschwerde sie alle zur Ruhe gezwungen habe. An die Corona-Regeln - also das Versammlungsverbot - habe man sich gehalten. Wo also ist das Problem?

Weil meckern allein nichts bringt, hat sich Jana Falland an die Polizei Sachsen gewandt. "Uns geht es darum, die Sache grundsätzlich zu klären", sagt sie. In einem SZ-Artikel vor zwei Jahren hatte die Polizei auf Nachfrage erklärt, dass das Osterschießen als Tradition bekannt sei und keinen Einsatzschwerpunkt bilde. Wieso das nun plötzlich so anders sei, wollte Frau Falland stellvertretend für die anderen wissen.

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Polizei sieht keine Fehler

Die Görlitzer Polizeidirektion machte in ihrem Antwortschreiben, das der SZ vorliegt,  zunächst klar, dass es sich nicht nur um eine Beschwerde gehandelt habe: "Unsere Recherchen haben ergeben, dass es am späten Ostersamstag sowie am frühen Ostersonntag bei der Polizei mehrere Anrufe von Anwohnern aus der Region mit Hinweisen auf solche Osterschießereien gab, darunter auch Berthelsdorf betreffend." Vermutlich, so heißt es weiter, hätten sich die Hinweisgeber an die Polizei gewandt, weil sie ihre Nachtruhe gestört sahen. Diese zu sichern - genauso wie Ordnung und Sicherheit - sei originäre Aufgabe der Polizei. Die Beamten seien "verpflichtet, diesen Hinweisen von Bürgern nachzugehen und gegebenenfalls für Abhilfe zu sorgen". Und das sei - friedlich und ohne Ärger auf beiden Seiten - geschehen.

Mit Blick auf eine generelle Klärung zum Brauch des Osterschießens sieht sich die Polizei - weder die Direktion in Görlitz noch auf Landesebene in Dresden - allerdings nicht in der Pflicht. Zumal diese Brauchtumspflege nicht unters Waffenrecht falle. Hier sei die Gemeinde der richtige Ansprechpartner, sie habe ja auch das polizeiliche Ortsrecht inne.

Herrnhuts Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) hat die Diskussionen um das Thema sehr wohl auf Facebook verfolgt und erklärt dazu auf Nachfrage: "So wie ich das sehe, werden wir uns nun im Stadtrat mit dem Thema befassen müssen." Einen Freibrief fürs Osterschießen wird es da aber nicht einfach so geben können, lässt er durchblicken. Generell sei das Thema Lärm vom Bund geregelt - und diese Gesetze ließen sich auch mit Verweis auf Traditionen nicht einfach aushebeln. "Wir können dazu etwas in unsere Satzung schreiben - aber ob das im Fall des Falles Bestand hätte, ist eine andere Frage", skizziert er.

Schieß-Zeiten definieren?

Eine Lösung sieht Riecke persönlich in einer konkrete Festlegung. Wenn ein Zeitfenster definiert wird, wann in der Osternacht geschossen werden darf, könnte das ein Kompromiss sein - für größeren Veranstaltungen mit Osterfeuer und Kawumm in den Ortsteilen ebenso wie für die privaten Schützen auf dem eigenen Grundstück.

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Möglicherweise ist dies aber für die Fans der Tradition letztendlich auch eine Einschränkung. Riecke will nichts vorweg nehmen: "Das muss der Rat ausdiskutieren und entscheiden", betont er. Dass die Wogen so hoch schlagen, bedauert er. Bislang hätten im Ort alle mit der Tradition gut umgehen können, dieses Jahr nun war die Lage eine besondere. "Alle mussten sich einschränken, ich hätte mir gewünscht, dass auch die Osterschießer kürzer treten", sagt er.

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