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Fehlt das Wasser, fehlen auch die Karpfen

Die meisten Teiche sind noch immer nicht richtig voll. Darum wurden jetzt 20 Prozent weniger Karpfen eingesetzt. Und noch etwas wird für Verluste sorgen.

© Arvid Müller

Von Sven Görner

Nun steht also fest, was der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg schon vor vier Wochen befürchtet hatte: „Wir werden in diesem Jahr eine deutlich geringere Karpfen-Ernte haben als in einem durchschnittlichen Jahr“, sagt Henry Lindner. Normalerweise lassen sich halbwegs sichere Ertragsprognosen erst gegen Ende des Sommers stellen, wenn die Teichwirte schon mal da und dort zur Probe gefischt haben. Dann wissen sie, wie gut die Karpfen in den Teichen seit dem Einsetzen im Frühjahr gewachsen sind.

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Sommer, Sonne, Sonnenschutz
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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Doch diesmal ist das anders. Da es im Winter kaum Schnee und auch nicht viel Regen gab, fehlt in den meisten der 22 bewirtschafteten Teiche noch immer Wasser. Viel Wasser. Mitte März waren es beispielsweise am Niederen Großteich und im Schlossteich noch fast ein Meter. „Der seit dem gefallene Regen hat daran leider kaum etwas geändert“, sagt Henry Lindner. Denn die Sonne und der teilweise kräftige Wind haben einen Teil der Feuchtigkeit gleich wieder weggetrocknet. Und die von Tag zu Tag grüner werdenden Bäume brauchen auch immer mehr Wasser. Entsprechend weniger fließt daher in die sogenannten Himmelsteiche. „Mehr als fünf, sechs Zentimeter sind dort nicht mehr hinzugekommen“, bedauert der Teichwirt und hat notgedrungen darauf reagiert.

„Wir haben in den vergangenen Tagen rund 80 000 zweijährige Karpfen in die Teiche eingesetzt“, sagt Henry Lindner. „Das sind etwa Einfünftel weniger als sonst. Alles andere wäre Zockerei.“ Denn niemand weiß, wie das Wetter in den nächsten Monaten wird. Gut möglich, dass die Teiche bald randvoll sind. Dann hätten mehr Fische Platz. Bleibt der Wasserstand allerdings so niedrig oder sinkt sogar noch weiter wäre, bei einem vollen Fischbesatz die Gefahr groß, dass der Sauerstoff knapp wird. Schlimmstenfalls könnten dann Tausende Karpfen qualvoll verenden. „Dieses Risiko will ich nicht eingehen.“

Trotz dieser Vorsicht werden die Einbußen der Teichwirtschaft in diesem Jahr vermutlich dennoch größer sein, als die 20 Prozent weniger eingesetzten Karpfen vermuten lassen. Denn es gibt noch ein anderes Problem. Henry Lindner: „Normalerweise wiegen die zwei Jahre alten Karpfen, die wir aus Koselitz beziehen, zwischen 400 und 500 Gramm. Wir füttern sie dann bis zum Herbst auf ein Verkaufsgewicht von anderthalb bis zwei Kilo.“ Anders die jetzt in die Teiche entlassenen Tiere. „Die haben nur 200 bis 400 Gramm auf die Waage gebracht. Viele werden daher beim Abfischen weniger als 1,3 Kilo wiegen.“ Zu wenig, als dass sich ein Verkauf dieses Jahr schon lohnen würde. Die Karpfen müssten dann in ausgesuchten Teichen des Betriebes überwintern und im nächsten Jahr weiter aufgepäppelt werden. „Wie viel Fisch wir tatsächlich weniger verkaufen werden, lässt sich daher noch nicht genau einschätzen. Um die 40 Tonnen könnten es aber wohl sein“, schätzt der Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg.

Das geringe Gewicht der zweijährigen Karpfen ist übrigens eine Folge des 2013er-Wetters, erklärt der Fachmann. Durch den langen Winter, das trübe Wetter und das Hochwasser hätten sie weniger gefressen.