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Feierabend in der Gebelziger Kaufhalle

Nach Umsatzeinbruch schließt Familie Märkisch ihren Markt zum Monatsende. Eine Wiedereröffnung ist fraglich.

Uwe und Rica Märkisch führten mit Sohn Dennis sechs Jahre den Gebelziger Einkaufsmarkt unter ihrem Namen. In den letzten Monaten ging der Umsatz derart zurück, dass Märkischs um eine Schließung nicht umhinkommen. Sie bedauern diese Entscheidung, die wirts
Uwe und Rica Märkisch führten mit Sohn Dennis sechs Jahre den Gebelziger Einkaufsmarkt unter ihrem Namen. In den letzten Monaten ging der Umsatz derart zurück, dass Märkischs um eine Schließung nicht umhinkommen. Sie bedauern diese Entscheidung, die wirts © André Schulze

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, denn es ist viel Herzblut in das Geschäft geflossen.“ Das sagt Rica Märkisch, während sie die Waren einer Kundin abkassiert. In den letzten Wochen und Monaten ist es immer weniger geworden, was Kunden auf das Kassenband legen.

Das veranlasst Familie Märkisch, ihren Einkaufsmarkt neben dem Gebelziger Schloss zu schließen. „Am 31. Mai haben wir den letzten Tag offen“, sagt die Inhaberin des Gebelziger Einkaufsmarktes.

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Bereits jetzt ist die Schließung unübersehbar: die Lücken in den Warenregalen werden von Tag zu Tag größer. Märkischs haben bereits mit dem Abverkauf begonnen, an neuen Artikeln werden nur noch Frischewaren eingekauft. Ehemann Uwe Märkisch sagt, dass sie es selbst nicht verstehen, wie abrupt das Kaufverhalten der Kunden zurückgegangen ist. „Im Vergleich zu unseren vorangegangenen durchschnittlichen Monatsumsätzen sind diese in den letzten Wochen auf die Hälfte zurückgegangen. Im Gegensatz zu den Betriebskosten, die kontinuierlich steigen.“ Jedenfalls rechnet sich auf Dauer das Ganze nicht mehr, sodass Märkischs die Reißleine gezogen haben. An ihrem Vermieter lag es aber nicht, der hielt die Miete konstant, betont Uwe Märkisch.

Am 22. Februar 2013 haben Märkischs den früheren Edeka-Markt vom bisherigen Betreiber Groschinski übernommen, der aus Altersgründen aufhörte. Für Rica Märkisch war das mit keinem Arbeitsplatzwechsel verbunden, nur mit mehr Verantwortung, die sie übernahm. Heute sind es 26 Jahre, dass Rica Märkisch in dem Markt arbeitet. Die letzten sechs Jahre als Geschäftsinhaberin. Zu Hause ist sie mit ihrer Familie in Zschorna, Gemeinde Hochkirch.

Für die Kunden gehört die Chefin zum festen Inventar. Rita Pfeiffer kennt sie über Jahre. „Man wird von ihr und ihrer Familie immer nett und freundlich bedient und es bleibt auch Zeit für einen kleinen Schwatz“, sagt die 64-Jährige. Sie wohnt in Groß Radisch, aber zum Einkaufen fährt sie lieber nach Gebelzig. Dass zum Monatsende Schluss sein soll, das will die noch Berufstätige so recht nicht verstehen. „Nicht nur mir wird das hier fehlen, sondern vor allem den Gebelzigern“, betont sie. Zum Glück ist Rita Pfeiffer mobil und kann woanders hinfahren. „Die Großeinkäufe erledige ich mir im Penny in Weißenberg“, sagt sie. Letztendlich waren das nur Kleinigkeiten, die sie soeben bei Märkischs Geschäft gekauft hat. Auch Gottfried Biele kommt nur mit zwei kleinen Beuteln, einem mit Grünzeug, aus dem Markt. Der 74-Jährige fährt mit dem Auto einkaufen, und da kommt es ihm auf ein paar Kilometer nicht an. Die Großeinkäufe werden beim Discounter erledigt, sagt er.

Damit zeigen die beiden Kunden den Trend beim Einkaufen. In den Dorfläden wird nur noch das Nötigste beziehungsweise die vergessenen Artikel gekauft. Und nur von diesen Verkäufen kann Familie Märkisch weder leben noch überleben.

Dem Gebelziger Gottfried Biele ist klar, lange wird das Autofahren für ihn nicht mehr möglich sein. „Dann ist es gut, noch einen Laden im Dorf zu haben“, sagt er. Aber dafür ist es bereits jetzt zu spät. Märkischs schließen zum Monatsende – und ob wieder ein Lebensmittelhändler einziehen wird, das ist ungewiss.

Rica Märkisch hat sich mit dem eigenen Geschäft einen Traum erfüllt. „Klar ist dieser Job mit viel Bürokratie verbunden. Aber ich bin gern auf Arbeit gegangen und habe mich auf meine Kunden gefreut“, erzählt sie. Ihr ist dabei wichtig, einen großen Dank all jene Kunden zu sagen, die ihr bis zum letzten Tag die Treue gehalten und für Umsatz gesorgt haben.

Für die 50-Jährige ist die Schließung mit einer neuen Jobsuche verbunden. „Ich möchte noch etwas anderes machen außer Handel“, sagt die gelernte Finanzkauffrau. Ihr Mann braucht sich darüber keine Gedanken machen. Der 65-jährige Handelsvertreter ist seit einigen Jahren „EU-Rentner“, wie er sagt. Dagegen muss sich der Jüngste der Familie, Sohn Dennis, um eine neue Beschäftigung kümmern. Gelernt hat der heute 27-Jährige Koch. Im Einkaufsmarkt seiner Eltern war er für die Fleisch- und Wursttheke zuständig, aber auch für den Partyservice. Den werden Märkischs auch nicht weiterbetreiben, auch wenn sich das viel Kunden wünschen. Denn die heißen und kalten Platten der Familie Märkisch sind begehrt. „Allein wird sich der Partyservice nicht rechnen, wir haben ihn immer zusammen mit dem Geschäft gesehen und betrieben“, so Frau Märkisch.

Mit der Schließung fällt der Markt auch als Agentur für Post Modern weg und als Annahmestelle für den Hermes-Versand. Zwei zusätzliche Serviceleistungen, die die Familie mit im Angebot hatte. Auch ihrer Teilzeitkraft musste gekündigt werden, die die Familie die Woche über im Verkauf unterstützt hat.

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