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Felderdecke nach zehneinhalb Jahren restauriert

Peter Findeis hat einen Schlüsselbund in der Hand. Daran zwei ältere Exemplare. Sie passen ins Schloss der Arnsdorfer Dorfkirche. Ein Geräusch ist zu hören. Die Tür geht auf. „Ich bitte einzutreten“, sagt Peter Findeis freundlich.

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Von Sylvia Gebauerund Bernd Goldammer

Peter Findeis hat einen Schlüsselbund in der Hand. Daran zwei ältere Exemplare. Sie passen ins Schloss der Arnsdorfer Dorfkirche. Ein Geräusch ist zu hören. Die Tür geht auf. „Ich bitte einzutreten“, sagt Peter Findeis freundlich. Am Ende des Ganges ist der prachtvolle Altar zu sehen. Links und rechts die weiß gestrichenen Bänke. Doch wegen des Innenraumes bat der Arnsdorfer nicht in die Kirche. Zugegeben, um was es hier geht, ist auch im Inneren zu finden. Aber an der Decke. Es geht um die Felderdecke, die nun fertig ist.

Das Werk ist vollbracht. Endlich. So sieht es auch Peter Findeis. Von Anfang an ist er Mitglied im Förderkreis Bilderdecke. Jenem Kreis, der sich der Restaurierung des Fundes vor zehneinhalb Jahren annahm. Genau so lange reichen die Bemühungen der Arnsdorfer zurück. Dass es die Felderdecke hier gibt, wusste zu dem Zeitpunkt niemand. „Einzelne Bretter hatten wir auf dem Dachboden der Arnsdorfer Dorfkirche gefunden“, sagt Peter Findeis. Doch so richtig wusste keiner, was er damit anfangen soll. Durch Zufall fanden sie des Rätsels Lösung im Juni 2001. Grund für die Arbeiten war die Reparatur des Dachwerkes der Kirche: „Unerwartet trat, nach einigen Schlägen auf das Holz, das rote Gewand einer gemalten Figur hervor, wenig später folgte der Kopf“, sagt Thomas Noky vom Förderkreis Bilderdecke, als er die Geschichte des Fundes erzählte. „Gesetzestafel identifizierten den unerwarteten Gast als Moses“, ist im Faltblatt über die Decke zu finden. Was sich beim Fund zugetragen hat, welche Gefühle die Gemeindemitglieder damals hatten, darüber kann auch Peter Findeis spannend und lebendig erzählen.

Eines ist seit der Rückkehr der Felderdecke in die Arnsdorfer Kirche immer wieder passiert. Zuerst schauen alle nach oben. Diskutieren anschließend. Sind begeistert. Fragend schauen sich die Besucher mitunter an. Die Decke ist nicht durchgängig, zwei kleine Löcher sind neben dem Mittelbalken zu sehen. Eines wirkt ausgefranst, größer als das andere. Peter Findeis schmunzelt. „Hier wurde nichts vergessen, sondern das gehört zur Geschichte der Kirche einfach dazu“, stellt er klar. Früher befanden sich quasi die Strippen des Glockengeläuts im Kirchenraum. Durch die Decke die Löcher, damit von unten die Glocken geläutet werden konnten. Da einige mehr oder weniger gerade zogen, „fraß“ sich das Seil quasi ins Holz hinein. Deshalb sind sie so unterschiedlich. Können aber auch ihre eigne Geschichte erzählen. Zwei sind es, weil die Glocken weit auseinander waren.

Peter Findeis bittet nach oben, ihm die Treppe hinauf zu folgen. Man ist hier der Decke näher, kann besser deren Feinheiten und Besonderheiten erkennen. Links ist ein Zahlenstrahl erkennbar. Vier Daten zieren den Balken. Dies hat der Förderkreis Bilderdecke in Auftrag gegeben, um so die Historie für die Nachwelt festzuhalten. Zwei Jahreszahlen 1719/1720 – für diese Jahre ist im Kirchenbuch die Bemalung der Kirchendecke festgehalten. Viele waren an der Realisierung des Projektes beteiligt. Einer von ihnen ist der Radeberger Kantor Rainer Fritzsch. „Durch die Einnahmen aus Benefizkonzerten kam der Förderkreis zu wichtigen Finanzierungsmitteln, um die Restauration immer weiter voranzutreiben“, so Jürgen Schwarzmeier vom Kirchenvorstand bei der jüngsten Veranstaltung. 60 000 Euro nahm der Förderkreis allein aus Spenden ein. Insgesamt 120 000 Euro kostete die Restaurierung. Einige Felder sind leer. Wir wollten keine Fantasiefiguren malen lassen, sondern so die Originaldecke erhalten“, sagt Peter Findeis.

Beim Verlassen der Kirche fällt einem das Faltblatt zur Felderdecke ins Auge. Auf dem neuesten Stand ist dieses. „Manchmal sind wir auch so schnell wie die Zeitung“, sagt Peter Findeis augenzwinkernd. Der Arnsdorfer hofft, dass er noch viele Interessierte durch die Kirche führen kann, um ihnen jene Anekdoten um Arnsdorfs neues Schmuckstück zu erzählen.

Interessierte an einer Führung können sich bei Peter Findeis unter 035200 23373 melden.