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Fels stürzt auf Wanderweg zur Basteibrücke

Eine Besucherin wurde verletzt. Und es hatten sich weitere Steine gelockert. Erst einmal gibt es aber Entwarnung.

© Marko Förster

Von Heike Wendt

Eine Gesteinsplatte hat sich gestern Mittag aus einem Felsen nahe der Basteibrücke gelöst und ist auf einen Wanderweg gestürzt. Beim Aufprall zerbrach sie in einzelne Brocken. Zu dieser Zeit waren bei schönem Sommerwetter zahlreiche Touristen an der Bastei unterwegs. Das geborstene Gestein traf eine Besucherin und verletzte sie. Die Frau musste mit dem Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht werden. „Wie schwer ihre Verletzungen waren, wissen wir nicht“, sagt Hanspeter Mayr von der Nationalparkverwaltung.

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Unmittelbar nach dem Abbruch der Felsplatte hat die Nationalparkverwaltung die Basteibrücke sperren lassen, weil weitere Felspartien abzustürzen drohten. Waldarbeiter zogen rot-weiße Absperrbänder über den Wanderweg, Besucher mussten umkehren.

Das sorgte vorübergehend für Verwirrung und Unmut bei den Wanderern. Es traf insbesondere Ausflügler, die durch die Schwedenlöcher nach oben geklettert waren und zur Basteiaussicht wollten. Sie konnten die Basteibrücke wegen der Sperrung nicht passieren. Die kurzfristige Ausschilderung einer Umleitung war nicht möglich. „Die meisten Touristen hatten Verständnis für die Sperrung“, sagt eine Mitarbeiterin der Felsenburg, die mittendrin zwischen Basteibrücke und Schwedenlöchern liegt. Für sie gab es eine Zeit lang weniger zu tun, weil die Besucher nicht über die Brücke kamen.

Umso mehr waren die Mitarbeiter im Berghotel gefragt. Sie erklärten besorgten Gästen, wo genau gesperrt ist, welche Wege frei waren und welche alternativen Wanderwege nutzbar sind. Nicht betroffen war die Basteiaussicht unmittelbar über der Elbe. Sie konnte ohne Einschränkungen erreicht und begangen werden.

Der Felssturz kam völlig überraschend. „Wie später festgestellt wurde, hatte eine Baumwurzel gegen das Gestein gedrückt und es zum Ausbrechen gebracht“, sagt Hanspeter Mayr. Ein ähnliches Unglück hatte sich zu Pfingsten vor zwei Jahren in den Schwedenlöchern ereignet. Auch damals waren Baumwurzeln der Auslöser dafür, dass sich Felsbrocken gelöst hatten. Sieben Wanderer waren von den ins Tal stürzenden Brocken verletzt worden. Später waren um die 1 500 Kubikmeter Gestein zum Teil abgesprengt worden, um weitere Felsstürze zu verhindern.

Dass der Felssturz nun wieder um die Pfingstzeit passierte, wertet die Nationalparkverwaltung als Zufall. „Wir haben überlegt, ob es einen jahreszeitlichen Zusammenhang gibt“, erklärt Mayr. Doch der konnte nicht hergestellt werden. Wenn es nach typischen Wachstumsschüben ginge, läge nahe, dass Wurzeln zu Jahresbeginn besonders stark drücken. Das passe nicht mit den beiden Unglücksfällen zusammen.

Zunächst war gestern unklar, wie lange die Sperrung dauern würde. Im Fall der Schwedenlöcher hatte es Monate gedauert, bis die Felssturzgefahr gebannt war. Ein Ingenieurbüro aus Freiberg hatte damals untersucht, wie groß die Gefahr für weitere Abgänge war. In einem Felsen über dem Wanderweg waren 90 Zentimeter tiefe Risse sowie Wandeinkerbungen von bis zu zwölf Metern Länge festgestellt worden. Die Fachleute schlussfolgerten, dass der Felsturm keine Verbindung mehr zum Massiv hatte und nur noch auf einem Sockel stand. Sie empfahlen die Sprengung oder die Sicherung des Massivs. Aus Kostengründen hatte sich die Nationalparkverwaltung für die Sprengung entschieden.

Auch an der Basteibrücke musste gestern sichergestellt werden, dass keine weiteren Brocken abstürzen können. Unmittelbar über der ausgebrochenen Platte waren Steine locker geworden. Eine Spezialfirma aus Stadt Wehlen kam kurzfristig an die Bastei und entfernte das lockere Gestein. Weitere Maßnahmen waren laut Experten nicht notwendig. Schon 15.30 Uhr konnte die Basteibrücke wieder freigegeben werden.

„Wir bedauern sehr, dass eine Besucherin durch den Steinschlag verletzt wurde“, sagt Dietrich Butter, der Leiter der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz. „Steinschläge wie diese zählen jedoch zu den typischen Gefahren im gesamten Elbsandsteingebirge, mit denen Besucher rechnen müssen. Wir können Felsstürze weder vorhersagen noch flächendeckend verhindern.“ Wie gewohnt werde auch weiterhin regelmäßig kontrolliert.