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Felssturz schon Wochen her?

Von einem Felskopf im Schmilkaer Gebiet in der Sächsischen Schweiz ist nur noch Sand übrig. Jetzt gibt es neue Hinweise auf den Zeitpunkt des Absturzes.

Da war der Klimmerstein noch komplett: Der markante Felskopf links der Mitte ist inzwischen zerborsten.
Da war der Klimmerstein noch komplett: Der markante Felskopf links der Mitte ist inzwischen zerborsten. © Mike Jäger

Wie ein Kopf thronte der Felsbrocken auf einer Säule des Klimmersteins im Elbsandsteingebirge. Doch nun ist er weg. Kletterer entdeckten einen großen Haufen weißen Sandes auf einem Vorsprung etwa 15 Meter unterhalb der früheren Felsspitze. Der Brocken ist abgestürzt und zerborsten.  

Bekannt wurde der Felssturz am 30. Juni. Passiert ist er aber wohl schon mindestens zwei Wochen vorher. Über die Website des Sächsischen Bergsteigerbunds (SBB) können Kletterer unterwegs bemerkte Schäden an den Kletterwegen an den Verband melden. Das können beispielsweise beschädigte Sicherungsringe oder vollgeschriebene Gipfelbücher sein. Die klettertechnische Abteilung des SBB überprüft und priorisiert die Meldungen dann und behebt Schäden, wenn nötig.  

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Am 26. Juni hat ein Kletterer auf der Website des SBB einen Schaden am Klimmerstein eingetragen. Am Weg "Versteckspiel", Schwierigkeit VIIc, hat er oder sie "lockere Felsteile" ausgemacht. In der Beschreibung wird es konkreter: "Ist der Felssturz am Klimmerstein bekannt - Felskopf fehlt?", heißt es da. Entdeckt wurde dies laut Eintragung bereits 17. Juni - also knapp zwei Wochen, bevor der Felssturz jetzt einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. 

Die beiden hellen Flecken auf dem oberen Absatz zeigen, wie klein die Flächen waren, auf denen der Block auflag. Links darunter der Sand, der nach dem Aufprall übrig blieb. 
Die beiden hellen Flecken auf dem oberen Absatz zeigen, wie klein die Flächen waren, auf denen der Block auflag. Links darunter der Sand, der nach dem Aufprall übrig blieb.  © Mike Jäger
Dieser markante Felskopf am Klimmerstein existiert nicht mehr. Der rote Streich markiert die Abbruchstelle.
Dieser markante Felskopf am Klimmerstein existiert nicht mehr. Der rote Streich markiert die Abbruchstelle. © Mike Jäger
Ein altes Schwarz-Weiß-Foto von der Gegenseite zeigt, wie schmal der Felskopf war. Der Wind hatte hier viel Angriffsfläche. 
Ein altes Schwarz-Weiß-Foto von der Gegenseite zeigt, wie schmal der Felskopf war. Der Wind hatte hier viel Angriffsfläche.  © Mike Jäger

Wann genau der Felskopf tatsächlich in die Tiefe gestürzt ist, lässt sich kaum rekonstruieren. Der Klimmerstein zählt aufgrund einiger leichter und gut zu sichernder Wege zu den beliebtesten Gipfeln im Schmilkaer Gebiet. Die leichten und damit häufiger begangenen Wege befinden sich jedoch vorrangig an der Südseite des Felsens. Der abgestürzte Felskopf saß an der Nordseite. 

Zudem kann das plötzliche Fehlen des Felskopfes nur jemand bemerken, der die Silhoutte des Klimmersteins gut kennt. Theoretisch könnte der Brocken also auch schon vor Monaten abgekippt sein, ohne dass es jemand mitbekommen hat. 

Ranger hörten merkwürdiges Geräusch

Es spricht jedoch noch etwas dafür, dass der Felssturz in der Woche um den 17. Juni passiert sein muss. Aus der Nationalparkverwaltung ist zu erfahren, dass Ranger etwa in dieser Zeit ein Geräusch vernommen haben, das zu einem Felssturz passen könnte. Das Geräusch zu lokalisieren, sei nicht möglich gewesen, sich nach der Ursache auf die Suche zum machen in Anbetracht der Größe des Gebiets aussichtslos.

Die Ursache des Felssturzes bleibt mangels direkter Zeugen Spekulation. Einen Blitzschlag halten Experten für unwahrscheinlich, dann wäre der Brocken in alle Richtungen zersplittert. Die Schleifspuren an der Felswand und der große Sandhaufen an einer Stelle zeigen jedoch, dass er im Ganzen auf eine Seite in Richtung Nord/Nordost gekippt ist.

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Denkbar ist weiterhin, dass Kletterer den Felssturz ausgelöst haben. Für diese Theorie gibt es jedoch keine Belege. So bleiben die fortschreitende Erosion und ein Sturm als mögliche Ursache. Frühere Fotos zeigen, dass der Felskopf mit etwa 2,50 Meter Breite, 2,30 Meter Höhe aber kaum mehr als einem Meter Tiefe in seiner Form einer aufrecht stehenden Scheibe ähnelte. Der Wind hatte damit eine große Angriffsfläche. Und wie jetzt auf dem neu entstandenen Absatz zu sehen ist, war der Kopf nur an zwei kleinen Auflagepunkten mit der Felssäule, auf der er lag, verbunden.       

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