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Fensterwerk Rammenau hat neuen Eigentümer

Nach der Insolvenz bekommt der Betrieb wieder eine gesicherte Zukunft. Alle Arbeitsplätze bleiben erhalten.

Prokurist Helmut Paß (l.) und Guido Telaar (M.), Leiter Finanzen bei German Windows, stehen für einen wirtschaftlichen Neubeginn im Rammenauer Fensterwerk. Der bisherige Inhaber Andreas Langhammer (r.) ist froh, dass der Produktionsstandort mit allen Arbe
Prokurist Helmut Paß (l.) und Guido Telaar (M.), Leiter Finanzen bei German Windows, stehen für einen wirtschaftlichen Neubeginn im Rammenauer Fensterwerk. Der bisherige Inhaber Andreas Langhammer (r.) ist froh, dass der Produktionsstandort mit allen Arbe © Steffen Unger

Rammenau. Das Münsterländer Familienunternehmen German Windows ist neuer Eigentümer des Fensterwerkes in Rammenau. Der Notarvertrag über den Kauf wurde vor etwa zwei Wochen unterzeichnet, zum 1. Juni erfolgte der Betriebsübergang, sagte Helmut Paß, Prokurist von German Windows, in einem Gespräch mit der SZ. Das bisherige Unternehmen Sachsenfenster firmiert fortan unter dem Namen German Windows Dresden Holz GmbH. 

Alle 45 Mitarbeiter, die noch im Unternehmen sind, wurden übernommen. Ebenso die drei Lehrlinge und eine vom Fensterwerk betreute BA-Studentin. Damit werden in Rammenau weiterhin Fenster und Türen produziert. Der Betrieb ist auf die Fertigung von Holzfenstern und Holz-Aluminium-Fenstern spezialisiert. Daran soll sich nichts ändern.

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Neben dem Betrieb und dessen Anlagevermögen erwarb German Windows auch das Gebäude und das Grundstück im Gewerbegebiet. Beides befand sich bisher im Eigentum der Familie Wolf, die das Rammenauer Fensterwerk im Jahr 1991 gründete. Nach dem Tod von Mit-Inhaber Helmut Wolf kaufte der damalige Geschäftsführer Andreas Langhammer 2015 den Betrieb. Er sicherte damit die Unternehmensnachfolge und wendete die drohende Schließung ab. Im Juni vergangenen Jahres musste das Werk Insolvenz anmelden.

Kaum Stammkunden verloren

Fast ein Jahr lang habe er gemeinsam mit Andreas Langhammer nach einer zukunftsträchtigen Lösung gesucht, die man nun gefunden habe, sagte Insolvenzverwalter Olaf Seidel. „Wir haben es geschafft, das Werk in gute Hände abzugeben.“ Mit German Windows übernimmt ein deutscher Markenhersteller das Fensterwerk. Die vergangenen zwölf Monate waren durch zahlreiche Herausforderungen geprägt. Die wohl größte: die Mitarbeiter und Kunden zu halten. „Von unseren Stammkunden haben wir kaum einen verloren“, sagt Andreas Langhammer. Schwerer sei es gewesen, neue Kunden zu überzeugen, dass das Werk auch während der Insolvenzphase pünktlich und in hoher Qualität liefern und den Service gewährleisten kann.

Ziel von German Windows sei es, den Standort Rammenau langfristig weiterzuentwickeln, sagte Helmut Paß. Die räumlichen Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Produziert wird auf 4.800 Quadratmetern. Hinzu kommen 700 Quadratmeter Lagerfläche. Nach der Unsicherheit in der Zeit der Insolvenz wolle man nun erst einmal Ruhe einkehren lassen und so wenig wie möglich verändern. 

Zurzeit werden Lieferanten und Kunden über den Eigentümerwechsel informiert. In der Perspektive möchte man einen Zuwachs beim Umsatz erzielen. German Windows ist auf die Fertigung von Fenstern und Türen aus Kunststoff und Aluminium fokussiert. Mit den in Rammenau hergestellten Erzeugnissen aus Holz werde man nun zum Vollsortimenter, sagt der Prokurist.

Ein Zeitungsartikel gab den Anstoß

Im Unterschied zu Sachsenfenster, das deutschlandweit am Markt war, beliefert German Windows auch Kunden in Frankreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten. Auch von diesen Kontakten sollen die Rammenauer in Zukunft profitieren. Das Werk ist der zweite sächsische Standort der Firmengruppe. Seit August 2011 ist German Windows in Ottendorf-Okrilla präsent und beschäftigt dort 55 Mitarbeiter. Auf das Werk in Rammenau wurde man durch einen Zeitungsartikel aufmerksam, in dem über die Insolvenz berichtet wurde. Im August vergangenen Jahres, als Vertreter der Geschäftsführung in Ottendorf-Okrilla waren, hatte man sich zu einem Besuch entschlossen. „Ein Anruf bei Herrn Langhammer, und eine halbe Stunde später waren wir da“, sagt Helmut Paß.

Ihm sei es wichtig, dass der Produktionsstandort erhalten und die Arbeitsplätze in Rammenau gesichert werden, sagt Andreas Langhammer. Er wird sich gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter zunächst weiter um Sachsenfenster und die Abwicklung des Betriebes kümmern. Dazu gehört beispielsweise auch das Bearbeiten von Gewährleistungsansprüchen. Die Fünf-Jahres-Frist gilt weiterhin. 

Darüber hinaus ist er nicht abgeneigt, in der Branche zu bleiben. Wenn er für German Windows einen Mehrwert bringen kann, würde er für das Unternehmen arbeiten, sagt Andreas Langhammer. Er betreue gern Projekte, sagt er unter Bezug auf die jüngsten Erfahrungen. Weil mehrere Verkäufer seit dem Frühjahr 2018 in andere Firmen gewechselt waren, ging der Chef in den vergangenen zwölf Monaten selbst auf Kundenakquise.

www.germanwindows.de

Der neue Eigentümer

German Windows ist ein Familienunternehmen mit Hauptsitz in Südlohn-Oeding (Nordrhein-Westfalen).

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1984 durch Manfred Frechen, der noch heute Geschäftsführer ist. Tochter Denise Schiffer und Sohn David Frechen arbeiten inzwischen in der Unternehmensleitung mit.

Produziert wird außer am Stammsitz Südlohn in Berlin, Hohenkammer bei München und Ottendorf-Okrilla. Durch das Werk in Rammenau wächst die Gesamtzahl der Mitarbeiter von 350 auf rund 400.

Die Firmengruppe setzt im Jahr 52 Millionen Euro um.

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