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Was Kinder vor Mobbing schützt

Im Schullandheim Bautzen-Burk gibt's für Mädchen und Jungen nicht nur Ferienspaß. Sie lernen auch etwas für schwierige Situationen im Alltag.

Selbstbewusstes Auftreten übt Julia Lauber (l.) mit den Teilnehmern eines Ferienlagers im Schullandheim Bautzen-Burk. Die Kamenzerin ist Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin.
Selbstbewusstes Auftreten übt Julia Lauber (l.) mit den Teilnehmern eines Ferienlagers im Schullandheim Bautzen-Burk. Die Kamenzerin ist Selbstbehauptungs- und Resilienztrainerin. © Carmen Schumann

Bautzen. Ein bisschen komisch kam er ihnen schon vor, der Lucas. Die Kinder aus der Ferienlager-Gruppe im Schullandheim Bautzen-Burk stellten erstaunt fest: Er schminkt sich und benimmt sich wie ein Mädchen. Schließlich bekommt er Streit mit Benjamin und reist vorzeitig ab. Schade, findet Justin, denn er hätte gerne herausgefunden: Warum macht er sowas? Doch nun haben die Ferienkinder keine Möglichkeit mehr, sich mit dem Anders-Sein von Lucas direkt auseinander zu setzen. Aber sie können mit Julia Lauber über ihre Gedanken und Gefühle sprechen.

Die Kamenzerin ist Selbstbehauptungs- und Resilienz-Trainerin und hält für die Ferienkinder ein Heldenpower-Seminar ab. Der Fall von Lucas ist für die Gruppe von 18 Kindern im Alter zwischen zehn und 15 Jahren Anlass, sich über ihre Erfahrungen zu unterhalten im Umgang mit Kindern, die anders sind. So hatte ein Mädchen eine Gleichaltrige kennengelernt, die sich immer nur schwarz kleidete und sich nach dem Tod ihrer Mutter völlig in sich zurückzog. Trotz aller Bemühungen konnten auch Freunde sie nicht dazu bewegen, über ihren Kummer zu sprechen.

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Prügeleien vermeiden

Julia Lauber sagt dazu, wenn es Gleichaltrigen nicht gelingt, ihre Mitschülerin zu öffnen, sei es angeraten, professionelle Hilfe zu suchen. Die Seminarleiterin erarbeitet mit den Ferienkindern Handlungsempfehlungen vor allem mithilfe von Spielszenen. Zum Beispiel für den angenommenen Fall, dass jemandem das Handy weggenommen wurde. Maurice denkt, dass es das Beste sei, zum Schulleiter oder zum Lehrer zu gehen.

Doch Kursleiterin Julia Lauber hat da einen anderen Vorschlag: Man solle laut und mit fester Stimme immer wieder fordern: „Gib mir mein Handy zurück!“ Denn so würden andere auf den Vorfall aufmerksam, und der Dieb überlege es sich vielleicht anders. Auf keinen Fall, so schärft es Julia Lauber den Kindern ein, solle man wegen des Handys seine Gesundheit aufs Spiel setzen. Es auf eine Prügelei ankommen zu lassen, sei nicht der geeignete Weg. Wichtig sei ein entschiedenes und selbstbewusstes Auftreten.

Andere Spielszene, anderes Thema: Was tun, wenn man beispielsweise bei einem Schülerpraktikum nur ausgenutzt oder mit sinnlosen Arbeiten beschäftigt wird, beispielsweise einen Rollstuhl mit der Zahnbürste putzen soll? Annika hatte bereits ein Schülerpraktikum in einem Altenheim. Zum Glück sei ihr dort so etwas nicht widerfahren. Aber sie meint, auf diese Weise lerne man nichts und könne auch den alten Menschen nicht helfen, was ja eigentlich der Zweck der Sache sei.

Konflikte untereinander lösen

Gemeinsam mit Julia Lauber überlegen die Kinder, warum manche Menschen andere mobben. Da kommen einige Gründe zusammen, zum Beispiel Eifersucht oder Neid oder um sich selbst besser zu fühlen. Auch Spaß am Ärgern oder die Tatsache, selbst einmal gemobbt worden zu sein, können dazu führen, zum Täter zu werden. Auch hier gilt, dass die Kinder sich Hilfe suchen sollten. Doch Julia Lauber möchte sie vor allem darin bestärken, ihre Konflikte möglichst untereinander zu lösen. Sie bietet solche Veranstaltungen übrigens auch schon für Vorschulkinder an.

Die Teilnehmer des Ferienlagers, die den Selbstbehauptungskurs besuchten, hatten natürlich in der Ferienwoche im Schullandheim Bautzen-Burk auch noch jede Menge Gelegenheit zum Baden, Wandern oder Basteln. So hatten alle ein selbst gestaltetes T-Shirt in bunten Farben an, und der nahe gelegene Stausee wurde für allerlei Aktivitäten genutzt.

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