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Döbeln

Ferien wie zu DDR-Zeiten

Rund 20 Männer und Frauen aus Sachsen erinnern sich so gern an ihre Ferienlagerzeit, dass sie solche Tage selbst organisieren. Ein paar Plätze gibt es noch.

Links ein Teil der Mitglieder des Vereins „Ferien und Freizeit“ als Betreuer im Ferienlager.
Links ein Teil der Mitglieder des Vereins „Ferien und Freizeit“ als Betreuer im Ferienlager. © privat

Zschaitz/Döbeln. Wer nicht gerade von Heimweh geplagt wurde, der fand Ferienlager zu DDR-Zeiten toll: Mal weg von zuhause, mit anderen Kindern baden, bei Nachtwanderungen gruseln, am Lagerfeuer sitzen, bis in die Nacht hinein quatschen und mindestens eine Disko – das alles gehörte zum Ferienlager dazu.

Fast jeder volkseigene Betrieb (VEB) hatte ein Gelände mit kleinen massiven Bauten oder Platz für Zelte, an denen die Kinder der Mitarbeiter jedes Jahr ein oder zwei Wochen der Sommerferien verbrachten. Solche Ferienlagerzeiten haben mehr als 20 Männer und Frauen in ganz Sachsen so stark geprägt, dass sie im Verein „Ferien und Freizeit“ ein ganzes Jahr darauf hinarbeiten, etwa 20 bis 30 Kindern ein elf Tage dauerndes Ferienlager in der Tschechei zu bieten.

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„Für dieses Jahr sind dafür noch etwa 15 Plätze frei“, sagt Ulrike Sickert. Die 41-jährige Zschaitzerin steht an der Spitze des Vereins. Auch sie ist ferienlagerbegeistert. „Kein Wunder, meine Mutti hat früher auch in einem Ferienlager mitgemacht. Schon meinen ersten Geburtstag habe ich dort verbracht“, erklärt sie. Ihre Begeisterung für das Lagerleben und die Angebote habe seitdem nicht nachgelassen. 

Auch den übrigen Mitgliedern gehe das so, sagt Ulrike Sickert. Die kommen aus dem gesamten Freistaat und gehörten vom Elektriker über Bankmitarbeiter bis hin zum Bandarbeiter in Automobilfabriken unterschiedlichen Berufsgruppen an. Zunächst hätten die meisten ihren eigenen Kindern ein Ferienlager-Erlebnis verschaffen wollen. 

Inzwischen betreuen alle „fremde“ Kinder und nehmen dafür einen Teil ihres Jahresurlaubes. „Manche kommen uns auch nur mal besuchen“, erzählt die Zschaitzerin. Auch ihre Eltern, die schon bei der Vereinsgründung 1996 dabei waren, halten dem Verein noch die Treue. „Inzwischen übernehmen sie meist Organisatorisches.“

Für das diesjährige Ferienlager in Horní Podluží gibt es noch einige freie Plätze. Wieder in die Tschechei geht es vom 16. bis 26. Juli, und zwar ab Döbeln mit einem Reisebus. „Finanziell beteiligen müssen sich die Eltern mit 195 Euro für die elf Tage einschließlich Verpflegung“, sagt die 41-Jährige. Um diesen Preis bieten zu können, setzt der Verein eine Reihe von Spenden und Fördergeld vom Landkreis ein. 

„Schließlich sind wir kein gewerblicher Anbieter“, erklärt Ulrike Sickert. Den Vereinsmitgliedern bereite es einfach Spaß, die Ferienfreizeit vorzubereiten und teilweise als Betreuer mitzuerleben. „Das ist dann auch unsere einzige öffentliche Aktion übers Jahr gesehen.“

Das Programm an den elf Ferienlagertagen gleicht weitgehend dem, an dem schon die Betreuer in ihrer Jugendzeit Spaß hatten: „Wir gehen viel raus in die Natur, wandern. Auch die Gegend erkunden wir, wobei wir mit dem Bus oder Zug von A nach B kommen, zum Beispiel in die Nachbarstadt Liberec“, so die Vereinschefin. Aber auch Baden und Sport sind angesagt. Gesellschaftsspiele können neu entdeckt werden. Abends geht es ans Lagerfeuer.

Wer sich für den Verein „Ferien und Freizeit“ beziehungsweise dessen Angebot im Sommer interessiert, der wendet sich am besten per Mail an den Vorstand.

[email protected]