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Ferienhäuser schweben ein

Das Projekt am Bärwalder See geht in die entscheidende Phase – und mit Urlaubern ab Ende Juli der Tourismus voran.

Millimeterarbeit: Mit viel Gefühl werden die 15 Tonnen schweren Kabinen am Auslieger eines 200 Tonnen schweren Krans auf die Pontons gehievt.
Millimeterarbeit: Mit viel Gefühl werden die 15 Tonnen schweren Kabinen am Auslieger eines 200 Tonnen schweren Krans auf die Pontons gehievt. © Joachim Rehle

Fast zwei Jahre haben sie auf diesen Moment hingearbeitet: Am Haken eines Schwerlastkrans werden vier jeweils 15 Tonnen schwere Kabinen vom Klittener Ufer des Bärwalder Sees auf Pontons gehievt, um dort montiert und dann an einem 90 Meter langen Steg festgezurrt zu werden. Projektmanager David Heinrich von der FHG floating house GmbH Berlin erinnert sich, wie sie sich im Oktober 2018 erstmals mit dem Hafenmeister und einem Vertreter der Gemeinde Boxberg am Ufer des Sees getroffen hatten. Eine Woche später gab es den ersten Lageplan. Im Mai 2019 wurde das Musterhaus in der Marina Klitten eröffnet, in welchem FHG ein Büro für Verkauf und Vermietung betreibt. Seit Juni dieses Jahres genießen die ersten Urlauber erholsame Tage in einem schwimmenden Ferienhaus auf dem Bärwalder See.

Jetzt geht das Projekt quasi in die entscheidende Phase. Am Dienstag wurden die Kabinen der ersten Charge eingekrant, wie es fachmännisch heißt. Beim Aufsetzen auf die Pontons ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Es dauert anderthalb Stunden, bis das erste schwimmende Haus am Steg andockt. Bei den anderen drei ist das in 20 Minuten geschafft. Man merkt David Heinrich die Routine an. Und dennoch: „Einen kritischen Punkt gibt es immer“, weiß er. Bei der zweiten Kabine ist es ein Brett, welches um zehn Zentimeter gekürzt werden muss. Mitunter liege es an einer falschen Schraube. Dennoch ist David Heinrich am Nachmittag um einiges gelassener.

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Wenn die vier schwimmenden Häuser am Steg befestigt sind, beginnen die Arbeiten zum Anschluss der Ver- und Entsorgungsleitungen. „Das ist noch mal richtig viel Arbeit und wird vom Aufwand her häufig unterschätzt“, erklärt der Bauleiter. Im Vorfeld waren die Leitungen und Schächte landseitig fertiggestellt worden, wie auch die Rohre für die Zuleitungen auf dem Grund des Sees verlegt. Für Ausbau und Anschluss der Ferienhäuser arbeitet FHG mit regional ansässigen Firmen zusammen. Gern und erfolgreich, wie es heißt.

Den Fortgang der Dinge bemisst David Heinrich an Meilensteinen, wie er sagt. Wie den Bau der Steganlagen beispielsweise. Bevor die Dalben in den See gerammt wurden, gab es ein Bodengutachten. Die Gefahr, dass etwas nicht klappt, bestünde aber trotzdem. Man könne ja nun mal nicht in den Boden gucken.

Am Mittwoch in den frühen Morgenstunden rollten die Schwerlasttranporter mit weiteren vier Kabinen an. Diese werden in der nächsten Woche eingekrant wie auch der zweite Steg. Dann liegen nach FHG-Angaben zehn schwimmende Häuser in der Marina Klitten „vor Anker“.

Es sei gewissermaßen „ein logistisches Meisterwerk“. Die Schwerlasttransporter, die am Dienstag kamen, brachten schon die Bauteile für die nächste Charge mit. Zum Abladen stand ein Radlader bereit, während parallel dazu die vier Kabinen zum Einkranen vorbereitet wurden. Dass am Klittener Hafen viel Platz drum herum ist, mache es ein bisschen leichter.

Den spektakulären Anblick vom Einkranen der schwimmenden Häuser am Klittener Ufer des Bärwalder Sees ließen sich etliche Zuschauer nicht entgehen. Aber auch bei den Arbeiten unter Wasser gab es einige mindestens genauso aufregende Momente. Die FHG floatin
Den spektakulären Anblick vom Einkranen der schwimmenden Häuser am Klittener Ufer des Bärwalder Sees ließen sich etliche Zuschauer nicht entgehen. Aber auch bei den Arbeiten unter Wasser gab es einige mindestens genauso aufregende Momente. Die FHG floatin © Constanze Knappe

Weichen für Urlaub am See sind gestellt

Weil der Aufwand für ein einzelnes Haus zu teuer wäre, werden die Kabinen zu mehreren Stücken aus den Niederlanden geliefert. Wenn die zweite Charge steht, wird David Heinrich aufatmen, wie er sagt. Dann müsse der Schornsteinfeger bestellt werden, um die Gaskamine abzunehmen. Offenes Feuer ist in den Holzhäusern nicht erlaubt. Ein Bausachverständiger muss sein Ok geben, das Gesundheitsamt nimmt Trinkwasserproben. Die Checkliste ist lang für den finalen Abschluss.
Der Projektmanager spricht von „Rekordzeit“ für das Vorhaben. Dabei wäre es ohne Corona noch schneller gegangen. Wegen unterbrochener Lieferketten hängt man dem Zeitplan um sechs bis acht Wochen hinterher. Auch deshalb standen die ersten vier Kabinen mehrere Wochen unverrichteter Dinge am Hafen.
In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats Boxberg hatte FHG-Koordinator Dr. Egbert Fläming die weiteren Schritte zur Fertigstellung des Projekts benannt. Nach Lage der Dinge werden Ende Juli die schwimmenden Häuser an die Kunden übergeben, beginnt am Tag darauf mit den ersten Urlaubern die Feriensaison.
Ende September folgt die nächste Charge. Zusammen mit dem ersten, bereits vermieteten Ferienhaus sowie dem Musterhaus, welches an den anderen Steg umgesetzt wird, hat die Anlage nach ihrer Fertigstellung eine Kapazität von 26 mal vier Betten. Die Vermietung ist auch im Winter möglich. Mit einem Beschluss stellte der Gemeinderat Boxberg für eine Ganzjahresnutzung die Weichen, um den Tourismus zu fördern. Denn normalerweise wäre die Nutzung des Sees auf und am Wasser nur vom 1. April bis 31. Oktober erlaubt. Dass 2020 viele Menschen in Deutschland Urlaub machen wollen, spielt den Besitzern der schwimmenden Häuser am Bärwalder See in die Hände. Das zeigt sich schon jetzt.

Für Urlauber ist die Vermietungsseite Bärwalder See freigeschaltet unter www.schwimmendeshaus.de
Das Musterhaus ist Freitag bis Sonntag und an Feiertagen 12 bis 17 Uhr geöffnet. Besichtigungstermine auch zu anderer Zeit unter [email protected]

Verschnaufpause: Hajo Renker vom Spezialwasserbau aus Ribnitz-Dammgarten, Thomas Vater von der Schmiede Klitten, und Bauleiter David Heinrich von FHG floating house (v.li.).
Verschnaufpause: Hajo Renker vom Spezialwasserbau aus Ribnitz-Dammgarten, Thomas Vater von der Schmiede Klitten, und Bauleiter David Heinrich von FHG floating house (v.li.). © Joachim Rehle

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