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Ferienlager in Corona-Zeiten

Disco, Lagerfeuer, Doppelstockbett: In Sachsen sind Ferienfreizeiten wieder buchbar. Was ist jetzt anders?

An der frischen Luft toben, neue Freunde finden, baden gehen – das alles geht im Ferienlager auch in Corona-Zeiten.
An der frischen Luft toben, neue Freunde finden, baden gehen – das alles geht im Ferienlager auch in Corona-Zeiten. © SZ

Die Sommerferien sind gerettet! Sachsens Ferienlager dürfen Ferienkinder und Familien wieder empfangen. Das hat die Landesregierung schon Anfang Juni erlaubt. Weil sie lange Zeit nicht abschätzen konnten, wann das wieder möglich sein würde, zögerten viele Eltern aber mit einer Buchung, andere stornierten. Da Kindergärten, Schulen und Horte außerdem alle Klassen- und Gruppenfahrten absagen mussten, sind jetzt noch viele Plätze frei. Die Auswahl an Feriencamps ist – anders als in den Jahren zuvor – auch Mitte Juni noch sehr groß. „Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht, müssen uns aber natürlich auch an die Abstandsregeln und Hygienekonzepte halten“, sagt Gerd Richter vom Landesverband der Schullandheime. Ein Überblick über die neuen Vorschriften.

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Schullandheime und Kieze

Schullandheime gibt es überall in Sachsen, 15 sind im Verband organisiert. Der hat für alle Mitglieder einen Corona-Leitfaden ausgearbeitet. Wichtigster Punkt: Kinder müssen eine Gruppe bilden, die keinen Kontakt zu anderen Gruppen haben darf. „Es gibt keine Vorgabe, wie groß diese Gruppen maximal sein dürfen“, sagt Nicole Yücel von der Geschäftsstelle in Bautzen. Daher orientieren sich die Schullandheime an den Belegungskapazitäten ihrer Häuser: Maximal 60 Kinder passen hinein.

Auch in den fünf sächsischen Kiezen in Seifhennersdorf, Grünheide, Schneeberg, Weißwasser und Sebnitz gilt diese Gruppenbildung. Dort ist die Maximalzahl auf 40 Kinder festgelegt. „Nur innerhalb der einzelnen Gruppen kann es Lagerfeuer und Discos geben. Größere Veranstaltungen wie Neptunfeste, Sportwettkämpfe oder Geländespiele werden in diesem Jahr sehr wahrscheinlich ausfallen“, erklärt Kiez-Landesverbandschef Hardy Spitzner. Ausflüge in Freibäder und Freizeitparks müssen vorher angemeldet, Tischplätze in den Speisesälen zugeteilt und Essenzeiten gestaffelt werden, um Überschneidungen und Warteschlangen zu vermeiden. „Der Tagesablauf wird sich etwas ändern, aber wir versuchen, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten“, sagt Nicole Yücel. Doppelstockbetten, die in vielen Ferienlagern üblich sind, dürfen innerhalb der Gruppe belegt werden. „Aber wir wollen die Zimmer nicht bis auf den letzten Platz füllen“, sagt Spitzner. Die Preise sind sowohl in den Kiezen als auch in den Schullandheimen nicht angehoben worden.

Trotz aller Corona-bedingten Unsicherheiten sind die Kieze bereits zu 80 Prozent gebucht. „In 18 unserer insgesamt 38 Camp-Angebote haben wir noch Plätze frei“, sagt zum Beispiel Katja Hartmann vom Kiez in Sebnitz. Ewig warten sollte man also nicht mehr. Eine Übersicht über Inhalte und Platzkapazitäten der einzelnen Camps findet sich auf den Internetseiten.

Viele der Einrichtungen eignen sich auch für preiswerte Familienurlaube und bieten Familienzimmer mit Bad und Halbpension an. Sie sind räumlich getrennt von den Gruppenbereichen der Ferienlager. Mitunter ist ein Ausflugsprogramm inklusive. Die Kieze in Grünheide und Seifhennersdorf sind als familienfreundliche Beherbergungsbetriebe zertifiziert.

www.schullandheime-sachsen.de

www.kiez.com/ferien.html

Christliche Unterkünfte

Preisstabilität gibt es auch bei den christlichen Unterkünften. „Unsere Anbieter sind froh, dass sie öffnen können. Die Preise wurden nicht hochgesetzt, obwohl keiner mit der Vermietung von Unterkünften derzeit schwarze Zahlen schreibt“, sagt Solveig Wuttke. Sie arbeitet beim Landesjugendpfarramt der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und hat ein Netzwerk von 57 Einrichtungen aufgebaut – von der kleinen Selbstversorgerhütte bis zum großen Tagungshaus. Allerdings gehören die Einrichtungen unterschiedlichen Trägern. Welche Hygienekonzepte sie jenseits von Abstandsgebot und Maskenpflicht in öffentlichen Räumen haben, muss einzeln erfragt werden. Fest steht jedoch, dass es durch viele Absagen von Gruppenreisen auch dort noch freie Plätze gibt.

www.himmlische-herbergen.de

Jugendherbergen

Obwohl die Jugendherbergen in Sachsen ab dem 20. Mai wieder öffnen durften, haben das von den insgesamt 23 Häusern bisher nur 17 getan. Geschlossen sind aus wirtschaftlichen Gründen derzeit noch die Herbergen in Leipzig, Pirna, Neudorf, Grumbach, Taltitz und Strehla. Ob sie im Laufe des Sommers aufmachen, müsse „individuell betrachtet werden“, erklärt Susan Graf vom Landesverband Sachsen des Deutschen Jugendherbergswerkes. Ein Anruf lohne sich trotzdem: „Wir prüfen jede Anfrage und verweisen bei Bedarf auf alternative Häuser in der Nähe“, sagt sie.

Einschränkungen gibt es bei der Bettenbelegung und der Nutzung der Gemeinschaftsbäder. Sind Menschen aus unterschiedlichen Hausständen in einem Zimmer untergebracht, werden Doppelstockbetten nur mit einer Person belegt und mindestens 1,5 Meter auseinandergerückt. Ist nicht für jedes Zimmer ein separates Bad vorhanden, werden Duschzeiten zugewiesen. Bis Ende Juni gibt es keine Speisebuffets. Gäste können auf einem Zettel ankreuzen, was sie zum Frühstück und Abendbrot essen möchten und bekommen ihre Mahlzeiten an einem fest zugeordneten Tisch. Außerdem gilt auch hier die Maskenpflicht in allen öffentlichen Räumen.

Anders als die anderen Anbieter haben die Jugendherbergen ihre Preise angehoben. Jeder Erwachsene muss dort jetzt pro Tag 2,50 Euro drauflegen, um die Mehrkosten für Desinfektionsmittel und häufigere Reinigungen auszugleichen. „Für Kinder gilt dieser Hygieneaufschlag nicht“, sagt Paul Wehner. Er führt Sachsens neueste Jugendherberge in Schöneck im Vogtland. Erst Ende Dezember 2019 hat er sie eröffnet. „Uns hat die Corona-Krise hart getroffen. 5.000 Übernachtungen sind storniert worden“, sagt er, etwa ein Drittel der gesamten Buchungen. Schlimm ist der Wegfall der Klassenfahrten. „Mit denen füllen wir normalerweise die Zeit zwischen Montag und Freitag“, sagt er. Besonders dann gibt es für Individualreisende oder Familien mit jüngeren Kindern also eine große Auswahl an freien Zimmern.

Die Jugendherbergen bieten aber auch Ferienlager an, zum Beispiel eine Entdeckertour durch das Muldental oder ein Berg-Erlebnis-Camp in Johanngeorgenstadt. Ähnlich wie bei Schullandheimen und Kiezen gilt bei diesen sogenannten Jugendbegegnungen auch hier die Gruppenregel: Kinder einer Gruppe bleiben zusammen. Ihre Zimmer können normal belegt werden, das Bad ist nur ihnen zugänglich. „Wir möchten, dass die Kinder ein annähernd normales Ferienlagererlebnis haben“, sagt Susan Graf. Die Ferienlager sind unterschiedlich stark nachgefragt, trotzdem gibt es noch etliche freie Plätze. Bei Interesse suchen die Mitarbeiter des Landesverbandes Vorschläge für einen genannten Zeitraum heraus.

Servicetelefon: 0371 5615317

www.jugendherberge-sachsen.de

Familienkompass 2020:

  • Hintergrund: Der Familienkompass ist eine große sachsenweite Umfrage zur Kinder- und Familienfreundlichkeit im Freistaat. Er ist ein gemeinsames Projekt der Sächsischen Zeitung, der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung in Kooperation mit der Evangelischen Hochschule Dresden.

  • Wann? Die Befragung endet zum Start der Sommerferien.

  • Wo? Leser der Sächsischen Zeitung finden den Fragebogen unter www.sächsische.de/familienkompass

  • Warum mitmachen? Mit jedem beantworteten Fragebogen helfen Sie mit, die Familien- und Kinderfreundlichkeit in Ihrer Stadt/Gemeinde zu verbessern. Nach der Auswertung konfrontieren wir Politik und Verwaltung mit den Ergebnissen und berichten in allen Ausgaben detailliert zur Situation in den Kommunen.

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