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Fernbus-Kampf hinterm Hauptbahnhof

Sechs Unternehmen konkurrieren in Dresden um Kunden. Jetzt tut sich endlich etwas in Sachen Haltestelle.

Von Dominique Bielmeier und Tobias Winzer

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Auch Katana Gajor geht es ums Geld. „Der Fernbus ist sehr günstig“, sagt die 27-Jährige. Für ein paar Tage war sie in Dresden zu Gast. Nun geht es zurück nach Berlin – mit dem Unternehmen Flixbus. Während die Deutsche Bahn für die schnellste Direktverbindung in die Hauptstadt rund 40 Euro verlangt, ist die Fahrt mit dem Fernbus ab sieben Euro zu haben. Und selbst, wer keines der billigen Frühbucher-Tickets erwischt, zahlt immer noch weniger als die Hälfte des Bahnpreises.

Seit der Liberalisierung des Marktes zum Anfang des Jahres hat sich die Branche rasant entwickelt. Da der Fernbus als Alternative zum Zug und Auto offenbar immer beliebter wird, versuchen sich immer neue Unternehmen am Einstieg in den boomenden Markt. Erst Anfang Oktober hat die Deutsche Post zusammen mit dem ADAC ein eigenes Fernbusliniennetz gestartet. Sie gehören zu den sechs Transportunternehmen, die Dresden nun auf direktem Weg mit anderen großen deutschen Städten verbinden. Die meiste Auswahl gibt es auf der Strecke nach Berlin.

„Als Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen ist Dresden kulturelles und touristisches Zentrum im Osten Deutschlands – und damit nicht nur für zahlreiche Touristen, sondern auch für Meinfernbus höchst interessant“, sagt Florian Rabe, Sprecher des Anbieters. Für Bettina Engert vom Konkurrenten Flixbus sind neben den Touristen auch die vielen Studenten „die ideale Zielgruppe“. Gleichzeitig sei die Bahnanbindung in Dresden nicht optimal. „Damit bietet Dresden die perfekten Voraussetzungen für unser Fernbusangebot.“

Erst in der Vorwoche hat das Unternehmen eine neue Linie über Leipzig, Göttingen, Kassel, Essen nach Düsseldorf gestartet. In den kommenden Monaten sollen weitere Verbindungen „nach Nord- und Süddeutschland“ folgen. Details will Engert nicht nennen. Auch die Deutsche Post und der ADAC hatten angekündigt, ihr Liniennetz nach dem Start Stück für Stück ausbauen zu wollen. Auf Nachfrage wollten sich die Unternehmen jedoch nicht zu konkreten Plänen in Dresden äußern.

Dass es bei dem Kampf um Marktanteile jedoch nicht immer fair zugeht, wird auch in Dresden an der Fernbushaltestelle am Hauptbahnhof deutlich. Der Anbieter Berlinlinienbus, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn, beschwert sich auf SZ-Anfrage über „unerlaubte Plakate“ an öffentlichen Straßenschildern. „Die Haltestelle wird so zur Litfaßsäule“, sagt eine Sprecherin. Tatsächlich ist das Haltestellenschild mittlerweile mit den Logos einiger Fernbusunternehmen markiert. „Die betroffenen Unternehmen wurden aufgefordert, diesen Zustand zu verändern“, teilt die Stadt nun mit. „Nach Verstreichen einer angemessenen Frist wird über weitere Maßnahmen entschieden.“

Ansonsten scheint es in Sachen Haltestelle nun aber endlich Bewegung zu geben. Während die Fernbus-Kunden in der Vergangenheit bei schlechtem Wetter sprichwörtlich im Regen stehen gelassen wurden, gibt es seit der vergangenen Woche immerhin einen Unterstand – auch wenn darunter nicht mehr als zehn Personen Platz finden dürften.

Im kommenden Jahr will der Regionalverkehr Dresden (RVD) außerdem ein Servicebüro im Gebäude des Hauptbahnhofs an der Bayrischen Straße einrichten. Dort können Kunden dann Fahrkarten des Anbieters Berlinlinienbus kaufen. Ob auch die Fahrkarten anderer Fernbusunternehmen ins Sortiment aufgenommen werden, ist aber offen. „Wir sind deswegen noch in Verhandlungen mit den anderen Anbietern“, sagt Volker Weidemann vom RVD.

Weiterhin unklar ist, wann mit dem Bau eines eigenen Busbahnhofs am Westende des Wiener Platzes begonnen wird. Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) hatte zuletzt angekündigt, dass man Privatunternehmen suche, die sich an den Baukosten von rund 4,5 Millionen Euro beteiligen und den Bahnhof später betreiben. Nun heißt es, man stehe in Verhandlungen. Die Fernbusanbieter signalisieren aber schon einmal ihre Bereitschaft dafür. „Wir würden uns für Dresden einen passenden Busbahnhof mit ausreichend Platz, mehreren Haltebuchten und im Idealfall elektronischen Anzeigetafeln wünschen“, sagt Flixbus-Sprecherin Bettina Engert. „Dafür sind wir als Anbieter bereit, entsprechende Nutzungsgebühren zu zahlen, ähnlich wie dies bereits in Hamburg, Berlin oder München der Fall ist.“