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Ferngasleitung durch die Elbe gezogen

Das Herzstück der Ferngasleitung zwischen Freital und Bautzen liegt unter der Elbe. Eine 50-Tonnen-Seilwinde hat gestern Vormittag vom Söbrigener Ufer aus das 160Meter lange Rohr in eine Rinne gezogen....

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Von Peter Hilbert

Das Herzstück der Ferngasleitung zwischen Freital und Bautzen liegt unter der Elbe. Eine 50-Tonnen-Seilwinde hat gestern Vormittag vom Söbrigener Ufer aus das 160Meter lange Rohr in eine Rinne gezogen. Die war zuvor von einem Hydraulikbagger ausgehoben worden, der auf einem Ponton schwamm. Zweieinhalb Meter tief musste der den Flussgrund ausheben, damit die Leitung sicher liegt. Das unter der Elbe liegende Rohr wird Düker genannt, was aus dem Norddeutschen stammt und Taucher bedeutet. Bis zu 100000Kubikmeter Erdgas können nun stündlich unter der Elbe hindurchströmen. Das erläuterte Uwe Ringel. Er ist technischer Geschäftsführer der Ontras – VNG Gastransport GmbH. Sie ist für den Betrieb und die Instandhaltung des 7000 Kilometer langen Ferngasleitungsnetzes in den neuen Bundesländern zuständig.

Über Gleise geht’s ins Wasser

Mit einer Schiffsglocke läutet Wolfhard Poleski, der die Leipziger Niederlassung der Tief- und Wasserbaufirma Reinhold Meister leitet, um 9 Uhr die Aktion offiziell ein. Vom Wasser aus will der Chef verfolgen, wie alles über die Bühne geht. „Herr Bielmeier, wir können den Düker einziehen“, weist er per Sprechfunk seinen Bauleiter an. Der 31-Jährige steht mit seinen Männern direkt am Rohr, als ein Ruck durch den 54-Tonnen-Koloss geht. Zentimeter für Zentimeter gleitet die Leitung per Wagen auf einem Gleis und weiter über Rollen ins Wasser. „Wir ziehen mit 1,5 Metern pro Minute“, sagt Bauleiter Karl-Heinz Bielmeier. Zwei Monate hat der junge Bauingenieur aus dem bayerischen Deggendorf mit seinen Männern für diesen Moment montiert, geschweißt und letztlich noch eine schützende Betonhaut um das 60-Meter-Rohr gelegt. Und das bei Dauerregen und Kälte im Mai und unter glühender Hitze der Sommersonne. Doch das ist in diesem Moment vergessen.

Plötzlich stoppt das Rohr. Die Winde muss die Zugseile erst wieder straffen. Doch Sekunden später geht es schon weiter. Bereits nach einer Dreiviertelstunde schwimmt der Leitungskopf in der Elbmitte. Zufrieden klopft Projektleiter Karl-Heinz Scharfeld seinem Kollegen Bielmeier auf die Schulter. Obwohl der 65-Jährige schon 40 Jahre solche Leitungen durch Gewässer zieht, sind diese Momente für den Niedersachsen immer wieder spannend. „Jeder Düker ist anders“, spricht Scharfeld aus Erfahrung. Ein 3000-Tonnen-Rohr für die Opal-Erdgasleitungen nach Russland hat er schon durch die Oder gezogen und eine 1000-Meter-Leitung durch ein syrisches Gewässer. Hunderte Düker sind unter seiner Leitung schon im Wasser verschwunden. Zählen könne er sie nicht mehr. „Von ihm kann ich viel lernen“, so sein junger Kollege Bielmeier.

Nach anderthalb Stunden taucht der Leitungskopf am Söbrigener Ufer auf. Es ist geschafft. Doch Arbeit gibt es für die Leitungsbauer noch genug. Vier Wochen hat der Bagger damit zu tun, die Trasse auf dem Flussgrund zu verfüllen. Am 6.August soll das erste Gas unter der Elbe strömen. Dann hat die alte Leitung ausgedient, kann wenige Meter daneben aus der Elbe gezogen werden.