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Dresden

Drewag baut Dresdens ersten Elbtunnel

Ein großer Bohrer wird tief unter dem Flussgrund die Röhre vorantreiben. Sie soll Ende 2020 fertig werden.

Hier wird nicht der Elbtunnel gebaut, sondern der Fernwärmeanschluss dafür. Die Röhre entsteht ein Stück weiter hinter der Marienbrücke.
Hier wird nicht der Elbtunnel gebaut, sondern der Fernwärmeanschluss dafür. Die Röhre entsteht ein Stück weiter hinter der Marienbrücke. © René Meinig

Dresdens Luft soll noch sauberer werden. Dazu will die Drewag beitragen, indem sie das rechtselbische Gebiet zwischen der Hafencity und Pieschen ans zentrale Fernwärmenetz anschließt und deshalb sogar Dresdens ersten Elbtunnel baut. So werden jährlich rund 3 200 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft geblasen, weil kleine Heizungen abgeschaltet werden können. Dafür investiert die Drewag rund 41 Millionen Euro. Möglich ist das, da die EU knapp neun Millionen Euro aus dem Fonds für Regionalentwicklung beisteuert.

Notwendig ist eine neue Fernwärmetrasse zwischen der linken und der rechten Elbseite, da der Hauptversorger das Heizkraftwerk Nossener Brücke ist. Dort wird die Energie des eingesetzten Erdgases bis zu 90 Prozent ausgenutzt, da nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung Strom und Fernwärme erzeugt werden. Bisher gibt es nur eine Fernwärmetrasse zur anderen Elbseite, die durch die Carolabrücke führt. Die Verbindung kommt aber langsam an ihre Grenzen. Deshalb sei die neue Verbindung erforderlich, erläuterte am Dienstag Drewag-Projektleiter Norbert Gassel, der mit seinem Kollegen Ulrich Fürst die Pläne vorstellte.

© SZ-Grafik

Die ingenieurtechnisch größte Herausforderung ist der Bau des Tunnels ein Stück elbabwärts der Marienbrücke zwischen dem Volksfestgelände und der Uferstraße. Gebaut wird eine 3,2 Meter hohe begehbare Röhre unter der Elbe, die innen 2,6 Meter misst. Solche Leitungstunnel heißen in der Fachsprache Düker. Das kommt aus dem Holländischen und heißt Taucher. Fünf Spezialfirmen hatten ihre Angebote eingereicht. Noch im Mai soll der Auftrag vergeben werden. Geplant sei, dass die Arbeiten zum Tunnelbau in der ersten Junihälfte auf dem Volksfestgelände beginnen, erklärte Projektleiter Fürst. Dort wird mit der sogenannten Startgrube ein gewaltiges Stahlbetonbauwerk errichtet, das bis in eine Tiefe von 21,5 Metern reicht.

„Das stellen wir im Senkkastenverfahren her“, sagte Fürst. Das funktioniert wie folgt: Auf der Oberfläche wird abschnittsweise ein zwölf Meter langes und neun Meter breites Stahlbetonrechteck hergestellt, dessen erstes Teil stahlverkleidete Spitzen hat. Hebt der Bagger die Baugrube aus, senkt sich der Kasten in den Untergrund, weshalb das Verfahren so genannt wird.

Auf das erste kommen noch zwei weitere hohe Stahlbetonteile, die hinabrutschen und die Grube sichern. Letztlich wird in den Fluten des Grundwassers eine dicke Betonsohle betoniert. Über der Oberfläche schützen hohe Wände die Grube. Damit ist sie selbst vor einem so großen Hochwasser wie im August 2002 flutsicher. 

Vis-à-vis errichten die Tunnelbauer am anderen Ufer den Neustädter Gruben-Zwilling für den 240 Meter langen Tunnel. Sind die Arbeiten abgeschlossen, kommt die Stunde der Tunnelbohrmaschine. Deren Werkzeug ist eine 3,2 Meter große propellerartig rotierende Scheibe. Mit diesem sogenannten Hydroschild werden Erde und auch Gestein abgetragen, mit einem Ton-Wasser-Gemisch unter Druck ausgespült, das auch den Bohrer schmiert, und letztlich durch das Loch abtransportiert, erklärt Fürst die Technologie. Das geschieht knapp sieben Meter unter dem Elbgrund. Hydraulikpressen drücken den Bohrer voran und auch die Betonfertigteile in die Röhre.

Die Bohrung soll im Frühjahr 2020 beginnen. Der Projektleiter rechnet damit, dass die Tunnelbauer gut zehn Meter täglich vorankommen, sodass sie in 21 bis 22 Tagen fertig sind. Im Tunnel, der Ende 2020 fertig sein soll, werden noch die beiden Fernwärmerohre und die technische Ausrüstung installiert.

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Seit März wird am Ende des Terrassenufers bereits der linkselbische Fernwärmeanschluss auf dem Altstädter Elberadweg hergestellt. In Pieschen werden bis Anfang 2022 über die Neubauten hinaus vorhandene Häuser mit mehr als 3 000 Wohnungen ans Netz angeschlossen. Dafür müssen auf insgesamt 10,5 Kilometern Fernwärmeleitungen verlegt werden, so Projektleiter Gassel. Die knappe Hälfte davon ist geschafft. Parallel dazu werden Trinkwasser-, Strom- und Gasleitungen verlegt.