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Fest-Besucher schlagen schnell Alarm

Das Feuer in einem Wohnhaus in der Görlitzer Altstadt fordert ein Todesopfer. Aber dass der Brand sich nicht ausbreitete, ist ein kleines Glück im großen Unglück.

Große Aufregung am Freitagabend: Während das Altstadtfest beginnt, rückt die Feuerwehr zum Wohnungsbrand in die Hugo-Keller-Straße aus.
Große Aufregung am Freitagabend: Während das Altstadtfest beginnt, rückt die Feuerwehr zum Wohnungsbrand in die Hugo-Keller-Straße aus. © Danilo Dittrich

Noch riecht es in dem Treppenhaus ein wenig nach Qualm und Rauch. An der Fassade finden sich einige Rußspuren, ein Fenster ist eingeschlagen. Es sind wenige Hinweise am Eckhaus Hugo-Keller-Straße, die auf die Tragödie am Freitagabend hinweisen. Und doch, kann Erika Müller* am Montag schon wieder sagen: „So schlimm wie es ist, aber wir hatten Glück im Unglück“. Ein Unglück war es, weil in den Flammen in der Brandwohnung im zweiten Stock ein Mann ums Leben kam. Glück aber auch, dass das Feuer so früh entdeckt wurde.

Zu danken ist das zwei jungen Frauen, die auf dem Weg zum Altstadtfest waren und dabei sahen, wie Qualm aus einer Wohnung im Eckhaus drang. Geistesgegenwärtig riefen sie die Rettungskräfte. Dieses schnelle Handeln lobt die Feuerwehr. Michael Stelzig war am Freitag als Einsatzleiter der Görlitzer Berufsfeuerwehr vor Ort. „Die zwei Frauen waren die Ersten, die Alarm schlugen“, berichtet er. Während der Anfahrt der Feuerwehr zum Brandort gingen weitere Anrufe von Bürgern ein, die über den Rauch aus dem Haus informierten.

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Die Feuerwehr rückte sofort mit 28 Kameraden und der Drehleiter zur Hugo-Keller-Straße. Aber dieses technische Hilfsmittel wurde für die Brandbekämpfung nicht benötigt. Die Kameraden gelangten über das Treppenhaus zum Brandort und konnten das Feuer direkt in der Wohnung löschen. Die Stubentür sei geschlossen gewesen, deshalb hatte sich das Feuer noch nicht in der ganzen Wohnung ausgebreitet, berichtet der Einsatzleiter. Relativ wenig Wasser habe ausgereicht, um den Brand zu löschen. „Deswegen hält sich der Schaden in den anderen Wohnungen in Grenzen“, sagt der Einsatzleiter. Hätte sich das Feuer noch weiter ausgebreitet, wäre auch mehr Löschwasser zum Einsatz gekommen, so Michael Stelzig. Und das hätte größeren Schaden angerichtet. Wie es in der Wohnung direkt unter dem Brandherd aussieht, weiß der Feuerwehrmann nicht. Aber Grit Zobel, Pressesprecherin des Vermieters „TAG Wohnen“, weiß es. „Diese Wohnung hat keine Schäden erlitten“, sagt sie. Die Brandwohnung ist unbewohnbar. Wo sich die Mieterin dieser Wohnung derzeit aufhält, kann Polizeisprecher Philipp Marko nicht sagen. Allerdings hat sich am Freitagabend ein Kriseninterventionsteam der Frau angenommen, berichtet Marko. Vom Vermieter steht das Angebot, dass die Frau vorübergehend in eine Gästewohnung ziehen kann. „Die halten wir für Fälle wie diesen frei“, sagt Grit Zobel. Allerdings konnte das Unternehmen die Mieterin weder telefonisch noch persönlich seit Freitagabend erreichen, sagte die Sprecherin auf SZ-Nachfrage am Montagnachmittag.

Dem Dank für das schnelle und besonnene Handeln der zwei jungen Frauen stimmt Erika Müller zu. „Wir haben ja gar nichts bemerkt“, sagt sie. „Die Frauen haben dafür gesorgt, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist“, so Frau Müller. Sie geht davon aus, dass der Tote in der Wohnung der Mann ist, den sie kannte. Er war Rentner. Offenbar hatte er gesundheitliche Probleme und die Wohnung nur selten verlassen. Wohl deswegen hatte Frau Müller ihn schon länger nicht mehr gesehen, sagt sie.

Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Wie Polizeisprecher Philipp Marko am Montagnachmittag auf SZ-Anfrage sagt, könne derzeit noch nicht mit Gewissheit gesagt werden, wer der Tote ist. Die Identifizierung dauert an. Ebenso wenig kann die Polizei sagen, warum das Feuer in der Wohnung überhaupt ausgebrochen ist.

Der Schreck vom Freitagabend sitzt noch immer tief. „Wir waren gerade mit dem Abendbrot fertig, als es klingelte, jemand laut ‚Feuer‘ rief und wir aus der Wohnung raus mussten wie alle anderen Mieter auch“, sagt Erika Müller. Etwa zweieinhalb Stunden später erst durften die Bewohner zurück. An Schlaf war in dieser Nacht bei ihr nicht zu denken, zu aufgeregt war sie.

Die Sorge der Bewohner gilt auch einem anderen Mieter, der am Freitagabend von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht worden ist. Über dessen Gesundheitszustand weiß Polizei-Sprecher Philipp Marko nichts. „Der Mann kam schon vor unserem Eintreffen ins Krankenhaus“, sagt der Polizist und vermutet, dass eine Rauchgasvergiftung die Ursache dafür sein könnte. Aber auch ein medizinisches Problem bei dem Mieter wäre denkbar. Wie eine Mieterin bestätigt, verließ der Mann das Haus wie alle anderen.

Langsam kehrt der Alltag wieder ein in das Haus an der Hugo-Keller-Straße. Aber er ist ein anderer, ein viel nachdenklicherer, bestätigt Frau Müller.

*Name von der Redaktion geändert

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