merken
PLUS

Festnahme im Politbüro

Nordkoreas Regime bestätigt die Entmachtung eines Onkels von Machthaber Kim Jong Un. Angeblich führte der 67-Jährige ein dekadentes Lotterleben.

Seoul. In seltener Offenheit hat das stalinistische Regime in Nordkorea die Entmachtung des einflussreichen Onkels von Diktator Kim Jong Un, Jang Song Thaek, bestätigt. „Jang und seine Gefolgsleute begingen Verbrechen, die alle Vorstellung übersteigen“, hieß es gestern in den Staatsmedien. In einer langen Liste von Beschuldigungen wurde dem 67 Jahre alten Jang unter anderem vorgeworfen, die Befehle des „Oberkommandanten der Volksarmee“ ignoriert zu haben. Vor einer Woche hatte bereits der Geheimdienst Südkoreas die politische Säuberung publik gemacht.

Jang wird eine direkte Herausforderung seines rund 30-jährigen Neffen Kim Jong Un zur Last gelegt. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums äußerte angesichts der Vorgänge im Nachbarland die Sorge um die „nationale Stabilität“. Es handle sich jedoch um eine innere Angelegenheit Nordkoreas.

Wandern
Schritt für Schritt
Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Verhaftung vor TV-Kameras

Die Entmachtung Jangs ist die bislang mit Abstand größte Umwälzung im nach außen abgeschotteten Nordkorea, seit Kim Jong Un die Macht von seinem Ende 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Il übernommen hatte. Das Staatsfernsehen zeigte Bilder, wie Jang aus der Sitzung des Politbüros der herrschenden Arbeiterpartei am Sonntag von Uniformierten abgeführt wurde. Dutzende Politbüro-Mitglieder schauen teilnahmslos zu.

Es ist äußerst ungewöhnlich, dass Nordkorea im Zuge der Entmachtung hochrangiger Funktionäre auch deren Festnahme zeigt. Nach Meinung von Beobachtern sollten die Bilder des Vorgehens gegen Jang, der lange Zeit als graue Eminenz des Regimes galt, vor allem als Warnung nach innen dienen.

Was weiter mit Jang passiert, war zunächst unklar. Er war schon früher Opfer politischer Säuberungen geworden und dann plötzlich wieder aufgetaucht. Er ist mit der Tante Kim Jong Uns verheiratet.

Jang soll den Angaben zufolge das Führungssystem der Partei unterlaufen und eine Fraktion gebildet haben, um seine eigene Machtbasis auszubauen. Auch wurde ihm unzüchtiger Umgang mit mehreren Frauen, Drogenmissbrauch und Verschwendung von Devisen in Kasinos im Ausland vorgeworfen, während er sich dort offiziell aus Gesundheitsgründen in Kliniken und Sanatorien aufhielt.

„Doppeltes Spiel“

Jang habe zum Schaden der Partei, des Staates und der Revolution ein „doppeltes Spiel hinter den Kulissen betrieben“. Unter dem Vorsitz von Kim Jong Un habe das Politbüro deshalb beschlossen, Jang alle Ämter und Titel zu entziehen und ihn aus der Partei auszuschließen. Jang war unter anderem Vizevorsitzender der einflussreichen Verteidigungskommission. Diese Militärgruppe gilt als wichtigstes Entscheidungsgremium des Regimes.

Der südkoreanische Geheimdienst NIS hatte schon vor ein paar Tagen einigen Abgeordneten in Seoul über die Entmachtung Jangs berichtet. Danach wurden zwei enge Gefolgsleute Jangs bereits Mitte November wegen Korruption und anderer Vorwürfe hingerichtet. Seitdem sei Jang verschwunden gewesen. Am Wochenende hatten südkoreanische Medien berichtet, Nordkoreas Fernsehen habe in einer Dokumentation sämtliche Sequenzen über Jang herausgeschnitten. (dpa)