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Pirna

Festung im Ausnahmezustand

Die Schweden konnten den Königstein nie erobern, aber sie versuchen es immer mal wieder. Mittlerweile mit Einladung.

Die Festung im Zeichen des Dreißigjährigen Krieges: Der Truppenaufzug von der Pforte über die Appareille bis zum Paradeplatz brachte am Sonnabend alle Darsteller zusammen.
Die Festung im Zeichen des Dreißigjährigen Krieges: Der Truppenaufzug von der Pforte über die Appareille bis zum Paradeplatz brachte am Sonnabend alle Darsteller zusammen. © Marko Förster

Uniformröcke, rhythmisches Trommeln und marschierende Truppen – Besucher der Festung Königstein fanden sich am Wochenende knapp 400 Jahre in der Zeit zurückversetzt. Zum zehnten Mal stellten knapp 20 verschiedene Historienvereine Szenen aus dem Dreißigjährigen Krieg nach. Sie zeigten, wie die Schweden im Jahr 1639 die Wehranlage erstürmt haben könnten.

Rund 350 Darsteller kamen aus mehreren Bundesländern und sogar aus den Niederlanden, Tschechien und Großbritannien, um Musketen knallen und Degen klirren zu lassen. Weil das Spektakel international besetzt war, erfolgten die Ansprachen des Hauptmanns auf Englisch, zum Beispiel als dieser die anwesenden Truppen in Angreifer und Verteidiger teilte.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

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Angelika Taube kann bei dem Waffengeklirr entspannt bleiben. „In der Realität wurde die Festung Königstein nie erobert“, erklärt die Geschäftsführerin der Festung. „Doch es gibt ein historisches Ereignis, an das wir erinnern: Im Jahr 1639 gingen zwei Kanonenkugeln auf das schwedische Heerlager am Fuß der Festung nieder. Aus Vergeltung griffen die Truppen, die auf dem Durchmarsch nach Böhmen waren, die Stadt Königstein an.“

 Mit dabei war auch die Historische Bürgerwehr Schöppenstedt mit ihrer Wallbüchse.
 Mit dabei war auch die Historische Bürgerwehr Schöppenstedt mit ihrer Wallbüchse. © Marko Förster

Musketier- und Pikeniervorführungen, große Gefechtsdarbietungen, Anwerber- und Gerichtsszenen sowie Paraden mit Trommeln und Fanfaren ließen die Zuschauer zwei Tage lang in den Soldatenalltag des 17. Jahrhunderts eintauchen. Dazu gehörte auch das Kampieren im großen Heerlager, samt Frauen und Kindern. Mit rund zweihundert weißen Zelten wurde ein solches von den Vereinsmitgliedern auf dem Felsplateau der Festung errichtet und lud ebenfalls zu einer Zeitreise in den Dreißigjährigen Krieg ein. „Hier kommen nicht nur verschiedene Berufsgruppen zusammen, sondern auch unterschiedliche Nationen“, erzählt die 39-jährige Andrea Seibt.

Sie gehört zum Gastgeberverein „Oberlausitzer Landsknechte“, der heute circa 30 Mitglieder hat. Andrea Seibt tauschte am Wochenende gemeinsam mit ihrer Familie die heimischen Betten gegen Stroh und Felle in den selbstgebauten Zelten. Die Darsteller leben Jahr für Jahr ein ganzes Wochenende lang wie vor 400 Jahren, so authentisch wie möglich. Das heißt: keine Elektronik, kein Plastik, Kochen über offenem Feuer, sogar die Brillen werden abgesetzt. „Es ist schön, sich in eine vergangene Zeit zurückzuversetzen, dem Alltag zu entkommen und das Handy wegzulegen“, meint Maria Gahrig, eine weitere Darstellerin. Besonders schön finden es die Frauen, Freunde und Bekannte auf der Festung zu treffen, die das gleiche Hobby teilen, und sich auszutauschen.

Das Wichtigste allerdings war ein funktionierendes Lagerleben. Dafür sorgten Lagermarketenderin Andrea Seibt (l.), Hauptmann Stefan Seibt sowie Maria Gahrig (M.) von den Oberlausitzer Landsknechten.
Das Wichtigste allerdings war ein funktionierendes Lagerleben. Dafür sorgten Lagermarketenderin Andrea Seibt (l.), Hauptmann Stefan Seibt sowie Maria Gahrig (M.) von den Oberlausitzer Landsknechten. © Marko Förster

Die Anfänge der „Oberlausitzer Landsknechte“ reichen zurück bis ins Jahr 2008. Der Verein wurde gegründet, um die Geschichte der Oberlausitz, besonders des Dreißigjährigen Krieges, zu beleuchten. Seitdem vor zehn Jahren das Angebot der Festung Königstein kam, sie als „Bühne“ zu nutzen, laden die Landsknechte andere Vereine ein, beim Historienspektakel mitzuwirken. Ziel sei es, die Geschichte realistisch widerzuspiegeln und sie nicht nur zu romantisieren, wie es bei Mittelalterfesten oft der Fall sei, erklärt der Vorstandsvorsitzende Stefan Seibt. „Mit der Aktion wollen wir auch vor Gewalt warnen“, so der 40-Jährige. „Wir können uns glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, in der Frieden herrscht.“ Dabei betont er besonders, wie wichtig das Miteinander im Verein ist. Auch, wenn es hin und wieder zu Verletzungen während der Darstellung der Schlacht kommen kann und blaue Flecken keine Seltenheit unter den uniformierten Hobby-Soldaten sind. (Maria Schiekel)

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und www.sächsische.de/sebnitz vorbei.

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