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Fette Beute im Supermarkt-Tresor

Als Verkäufer wusste Patrick B., was im „Point“ Markt des Hauptbahnhofs zu holen war. Es geht um 68 412 Euro.

Von Alexander Schneider

Genau drei Jahre nach einem recht einträglichen Diebstahl im Dresdner Hauptbahnhof muss sich Patrick B. vor dem Amtsgericht Dresden verantworten. Am Osterwochenende des Jahres 2011 hat er laut Anklage aus dem Tresor des „Point“ Marktes 68 412 Euro gestohlen. Der 33-Jährige, der heute sein Geld als Paketfahrer verdient, hatte bis zu jenem Wochenende in dem Supermarkt als Verkäufer gearbeitet. Darüber hinaus wird dem Angeklagten der Besitz mehrerer Kleinkaliber-Patronen, eines Schlagrings und geringer Mengen Kokain sowie Morphine vorgeworfen. Das Zeug wurde vor Jahren bei einer Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt.

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Der Diebstahl war rätselhaft, weil es keine Einbruchsspuren gab. Der oder die Täter waren offensichtlich mit einem Schlüssel in die Räume eingedrungen. Auch der Tresor war nach Ermittlungen der Kripo mit einem Schlüssel geöffnet worden, auch wenn danach, wohl um einen gewaltsamen Aufbruch vorzutäuschen, das Schloss ausgebaut wurde. Die Beamten hatten bald den ehemaligen Verkäufer B. im Verdacht. Sie hatten schon mehrfach zuvor mit ihm zu tun gehabt.

B. gab am Gründonnerstag den Besitz der Waffen und Drogen sofort zu. Den Diebstahl jedoch hat er zunächst vehement bestritten. Dabei versuchte Richterin Karin Fahlberg, die Vorsitzende des Schöffengerichts, B. entgegenzukommen. Hinter verschlossenen Türen wollte sie dem Angeklagten und seinem Verteidiger Gert Merzky eine Gesamtlösung schmackhaft machen. Geständnis gegen überschaubare Strafe und Beendigung aller offenen Verfahren. Und das sind einige. Denn neben den nun angeklagten Taten sind noch zwei Verfahren in der Berufung am Landgericht anhängig und es gibt weitere Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft.

Zwar kam kein Deal zustande, doch der Angeklagte gab dann doch zu, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Er wusste, dass wegen der Osterfeiertage besonders viel Geld im Tresor sein musste, und habe anderen Tätern – Namen nannte er nicht – den Schlüssel des Marktes gegeben. Dafür habe er 15 000 Euro erhalten.

Der Fall wirft Fragen auf. Einen Bruchteil der Beute fand die Polizei bei B., der sich jedoch kein Alibi für die Tatzeit verschafft hatte – warum? War er dabei? Er könnte den Diebstahl wohl auch alleine begangen haben. Warum teilen, wenn man mit dem gleichen Aufwand die ganze Summe auch für sich alleine bekommen kann? Das Gericht will weitere Zeugen befragen. Der Prozess wird fortgesetzt.