merken
PLUS

Fettes Grinsen oder fette Schecks?

Früher hieß es, wer dauernd lacht, ist irre. Heute gilt: Wer länger lacht, wird Wahlsieger.

Von Gunnar Saft

DIESER Tage wurde bekannt, dass Sachsens Parteien die Rekordsumme von rund drei Millionen Euro in den bevorstehenden Wahlkampf investieren wollen. Ist das nun eine gute oder eher eine schlechte Nachricht? Fragen Sie die Bäume, denen bald wieder dutzendweise Plakate an den Stamm genagelt werden, und fragen Sie Druckereibesitzer – sie werden völlig unterschiedliche Antworten erhalten. Geht es allein nach der Höhe der einzelnen Wahlkampfetats, steht zumindest ein wichtiges Ergebnis fest: Auch Sachsen wird bald von einer „GroKo“ regiert – so stemmen CDU und SPD jeweils eine Million und liegen damit gemeinsam unerreichbar vorn. Gute Nachrichten aber auch für die FDP. Mit 500 000 Euro liegt ihr Anteil bei 16,66 Prozent. Das ist viermal besser als in aktuellen Umfragen. Damit wäre zumindest der Sprung auf die Oppositionsbank gesichert. Wetten, dass die Liberalen bereits überlegen, das Wahlsystem zu ändern? Motto: Künftig zählen nur Schecks statt Stimmen.

Anzeige
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!
Der Palais Sommer 2020 kann stattfinden!

Jetzt die Zukunft des Festivals mit Spenden sichern.

ES gibt aber noch eine andere Variante. Und die lautet: Die SPD gewinnt diesmal alles und steigt zur Fast-100-Prozent-Partei in Sachsen auf. Der Grund ist eine neue hinterhältige Wahlkampfstrategie von Martin Dulig. Der SPD-Landeschef kündigte am Dienstag an, dass seine Partei ab sofort einen „Wahlkampf mit Mundwinkeln nach oben“ führen wird. Klingt lächerlich, ist lächerlich, hat aber Folgen. Überall, wo künftig gelächelt wird, heißt es sofort: ein Sozialdemokrat. Die freundlichen Verkäuferinnen? Alles Sozis. Der dauerlächelnde Autoverkäufer? Ein Mann der SPD. Das Liebespaar, das sich selig in die Augen schaut? Eine rote Ortsgruppe. Smileys auf Autobahnschildern? Sozialdemokratische Ultras. Wer auch immer die Mundwinkel in Richtung Ohrläppchen bewegt, outet sich als Dulig-Sympathisant und potenzieller SPD-Wähler. Auf Dauer wird die Konkurrenz damit natürlich gnadenlos in die Knie gezwungen. Politiker aus anderen Parteien halten das nicht lange durch. Stellen wir uns vor, CDU-Chef Stanislaw Tillich kommt nach einem langen Wahlkampftag nach Hause und wird dort von seiner Frau lächelnd begrüßt. Der arme Mann stammelt dann doch nur noch entsetzt: „Was, du auch?“