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Fetzige Rhythmen im Pfarrhaus

Es ist wieder mal Freitagnachmittag. Und zuerst lehnt ein Fahrrad an der Mauer des Reichstädter Pfarramtes, dann aber noch eins, und noch eins und so weiter. Dieses Schauspiel bedeutet, dass wieder Zeit ist für Kinder-Gospel.

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Von Heinz Hirschfeld

Es ist wieder mal Freitagnachmittag. Und zuerst lehnt ein Fahrrad an der Mauer des Reichstädter Pfarramtes, dann aber noch eins, und noch eins und so weiter. Dieses Schauspiel bedeutet, dass wieder Zeit ist für Kinder-Gospel.

Sechs Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren sind es zurzeit, die alle zwei Wochen im Pfarrhaus zusammen kommen, um bei fetzigen Rhythmen, ausgelassenem Tanz und fröhlichem Singen ihren Spaß zu haben.

Angeleitet werden die Kinder dabei von Bezirkskatechetin und Gemeindepädagogin Bettina Lemke. Die Chorleiterin Margit Thönnessen, die auch im Kirchenchor Reichstädt und im Dippser Kammerchor mitsingt, ist ausgebildete Musiklehrerin. Sie leistet Hilfestellung und berät in Sachen Bewegung und Musik.

Damals gab es kein Angebot für junge Schüler

Bettina Lemke weiß genau, wie sie Kinder zu nehmen hat. Sie erinnert sich noch, wie alles begann: „Das ist schon bald zwei Jahre her, dass wir uns das erste Mal zum Kinder-Gospel trafen. In unserer Kirchgemeinde gab es damals keine Veranstaltungen für Kinder diesen Alters. Wir wollten ein offenes Angebot schaffen, welches zwar von der Kirchgemeinde organisiert wird, aber auch Kinder aus nichtchristlichen Familien anspricht.“

So werden nicht nur Lieder und Tänze mit christlichen Aussagen geübt. Oft widmet sich die Gruppe auch internationaler Folklore wie Indianertänzen. Somit haben die Kinder nicht nur ihren Spaß bei den für sie ungewöhnlichen Tänzen und der Musik, sondern sie lernen automatisch auch etwas über die Sitten und Bräuche anderer Kulturen. Beim Reichstädter Kinder-Gospel handelt es sich um keinen Gospelchor, der die lebendige geistliche Musik der schwarzen Bevölkerung interpretiert. Es ist eine Gemeinschaft, die einfach nur Spaß an Rhythmus, Bewegungen und Gesang hat.

Und das haben die Kinder, wie Linda und Vanessa versichern. „Bei uns ist es so, wenn die eine Probestunde zu Ende ist, warten wir schon wieder auf die nächste“, sagt Lisa. Margit Thönnessen erklärt: „Wir erheben auch gar nicht den Anspruch von Perfektion. Bei uns soll der Spaß an erster Stelle stehen. Mit diesem Angebot soll unter anderem demonstriert werden, dass jede Kirchgemeinde vor allem von der Lebendigkeit ihrer Angebote lebt.“ Trotz allem sind Auftritte das Salz in der Suppe.

So waren die Kinder bereits beim Erntedank in der Kirche zu erleben. Auch beim Gemeindefest und beim Adventsingen ernteten sie viel Beifall. An diesem Wochenende sind sie während des Kirchgemeindefestes in Berreuth zu sehen.

Die Kinder kommen sogar aus Dippoldiswalde

Solche Auftritte ziehen auch die nichtchristlich gebundenen Eltern und Angehörigen der Kinder in die Kirche, deren Sprössling beim Reichstädter Kinder-Gospel dabei sind. Sogar aus Dippoldiswalde kommen die Kinder. Bettina Lemke und Margit Thönnessen könnten sich durchaus vorstellen, auch mal außerhalb der Kirche aufzutreten – auf einem Kinderfest oder im Kindergarten.

Der kleinen Lisa macht es großen Spaß, vor den Eltern, Großeltern und Bekannten bei Auftritten zu zeigen, was sie schon alles gelernt hat. So hat sie auch schon beim Kindermusical „Josef, der coole Träumer“ – das vom gesamten Kirchenbezirk organisiert wurde – in Freital, Dippoldiswalde und Frauenstein mitgewirkt. „Da ist mir das, was ich hier gelernt habe, echt zugute gekommen“, sagt sie.