merken
PLUS Niesky

Hilft es, Borkenkäfer-Holz zu verbrennen?

Sachsen erlaubt dieses Vorgehen. Aber Waldbesitzer im Landkreis Görlitz haben ein Problem.

Am Schloss Niederspree mussten am Donnerstag fünf Fichten gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen sind.
Am Schloss Niederspree mussten am Donnerstag fünf Fichten gefällt werden, weil sie vom Borkenkäfer befallen sind. © André Schulze

Dem Borkenkäfer und seinen Artgenossen darf jetzt Feuer unter dem Hintern gemacht werden. Das hat die Landesdirektion Sachsen in einer Allgemeinverfügung bekanntgegeben. Demnach ist es den Waldbesitzern und Bewirtschaftern von Waldflächen gestattet, "Wurzeln, Zweige, Äste, Rinde, Laub und Nadeln zu verbrennen", erklärt Renke Coordes, Pressesprecher beim Staatsbetrieb Sachsenforst.  Bedingung: die Überreste müssen vom Borkenkäfer oder anderen Schädlingen befallen sein.

Durch die hohen Temperaturen beim Verfeuern werden die Käfer in allen Entwicklungsstadien effektiv abgetötet. Sie können so nicht mehr andere Bäume befallen, sagt Sachsenforst-Sprecher Coordes. "In diesem Sinne können die Schäden begrenzt werden."

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Feuer muss beaufsichtigt werden

Jedoch sind mit dem Verbrennen von Rinde und Ästen auch Risiken verbunden, wie ein unkontrollierter Funkenflug. Nicht zu unterschätzen ist der Arbeitsaufwand für das Zusammentragen des Holzes und die Aufsicht über das Abbrennen. Deshalb wird von dieser Möglichkeit der Schädlingsbekämpfung  im Landkreis Görlitz bisher kaum Gebrauch gemacht.

In der Forstbetriebsgemeinschaft Niederschlesische Heide, die die Wälder um Rothenburg bewirtschaftet, wird das Verbrennen abgelehnt. Das bestätigt Geschäftsführerin Dietgart Eichhorst: "Wir arbeiten weiter nach unserem bewährten Prinzip: Die geschlagene Fläche sauber räumen und das Zusammengetragene gleich aus dem Wald bringen." Damit wird dem Borkenkäfer die Möglichkeit genommen, sich in anderen Bäumen anzusiedeln. Ebenso verzichtet der Sachsenforst auf den Landesflächen auf das Verbrennen. Renke Coordes sagt, dass weiter auf die herkömmliche Art und unter Berücksichtigung des Pflanzenschutzes das Schadholz rechtzeitig aus dem Wald geholt wird. 

Waldboden ist zu trocken

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, von dem besonders die Oberlausitz betroffen ist: die anhaltende Trockenheit. Für Dietgart Eichhorst ist die Gefahr zu groß, dass sich aus dem Abbrennen von Rinde schnell ein Waldbrand entwickeln könnte, der dann nicht mehr beherrschbar ist. Um das auszuschließen, ist in der Verfügung festgelegt, dass nicht nur das Feuer zu beaufsichtigen ist, sondern auch ein fünf Meter breiter Schutzstreifen um die Feuerstelle gezogen und die Witterung beachtet wird. Erlaubt ist das Verbrennen nur an Werktagen von 6 bis 18 Uhr.    

Abbrennen erst im Herbst

Das ruft die Feuerwehren mit auf den Plan. Denn vor dem Feuer machen ist nicht nur die zuständige Ortsfeuerwehr zu informieren, sondern auch die Gemeinde und das Kreisforstamt. Aber bisher wurde davon noch kein Gebrauch gemacht. Das bestätigen die Stadtwehrleiter von Niesky und Rothenburg. Torsten Juckel (Rothenburg) sagt, dass es von Waldbesitzern noch keine Anfragen gab. "Die Trockenheit in den Wäldern hält davon ab, Feuer zu entzünden", betont Juckel. Auch bei den Nieskyer Wehren ist das gegenwärtig kein Thema, bestätigt Steffen Block. Er befürchtet aber, dass damit eine Mehrbelastung auf die Kameraden draufzukommen könnte. Um den Gefahren durch Trockenheit aus dem Weg zu gehen, bieten sich der Herbst und Winter zum Verbrennen an. Zudem setzt die feuchte und kalte Witterung dem Borkenkäfer zusätzlich zu.

 Die aktuelle Situation in den Wäldern zeigt, dass der Borkenkäfer sich weiter ausbreitet, und das auf großen Flächen. Sachsenforst spricht von einer "immensen Borkenkäferdichte" in diesem Jahr. Die Ursache liegt mit daran, dass Kupferstecher, Borkenkäfer und Buchdrucker durch die milden Temperaturen zeitiger aktiv geworden sind - im Gegensatz zu 2019. Die bisherige Schadensbilanz ist erschreckend: Vernichtete der Borkenkäfer 2017 rund 76.000 Kubikmeter Holz in Sachsen, stieg die Schadholzmenge 2018 auf 825.000 Kubikmeter und 2019 überschritt sie die Zwei-Millionen-Marke mit 2.124.000 Kubikmeter. Die Forstleute vom Staatsbetrieb sprechen von einem seit gut zwei Jahren andauernden Ausnahmezustand.      

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky