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Feueralarm im Katharinenhof

Was tun, wenn es in einer so großen Einrichtung brennt? Das übten Feuerwehr, DRK und Landkreis am Mittwochabend.

Von Anja Beutler

Die Vorstellung jagt nicht nur einem Feuerwehrmann einen kalten Schauer über den Rücken: Ein Brand in einer Einrichtung wie dem Katharinenhof mit seinen vielen Bewohnern wäre eine riesige Herausforderung. Und um dafür besser gewappnet zu sein, hat die Feuerwehr Herrnhut – samt aller Ortswehren aus Ruppersdorf, Berthelsdorf/Rennersdorf, Großhennersdorf und Strahwalde – am Mittwoch den Ernstfall geübt. Herrnhuts Stadtwehrleiter René Jänsch, der auch den Anstoß zu diesem Training gegeben hat, ist nach den rund drei Stunden ganz zufrieden: „Die Wehren und auch das Heim selbst sind gut auf einen solchen Fall vorbereitet“, sagt er.

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Um 17.11 Uhr war der Alarm ausgelöst worden. Zunächst nur bei der Feuerwehr in Großhennersdorf, so wie es der Einsatzplan vorsieht. Relativ schnell jedoch meldete sich der Katharinenhof-Pförtner bei der Leitstelle und löste die Nachalarmierung der anderen Wehren aus. Dazu reichte es schon, die Gefahrenlage zu schildern: In einem der Häuser, dem Ruth-Kittner-Haus, war im dritten Obergeschoss ein Feuer ausgebrochen. Rund 50 Bewohner sind in diesem Gebäude untergebracht, die im Ernstfall gerettet werden müssten. Für die Übung hat man allerdings nicht nur auf die Bewohner gesetzt, denen man zum Teil den Stress und die Aufregung nicht unnötig zumuten wollte. „Wir hatten 20 Statisten mitgebracht, und vier der Bewohner haben sich ebenfalls bereit erklärt, bei der Übung mitzumachen“, sagt René Jänsch.

Sehr gut reagiert hatten die verantwortlichen Betreuer des Oberlausitzer Diakoniewerkes bereits als die Feuerwehr eintraf: Von den Bewohnern waren schon etliche ins Freie gebracht, nur noch 24 waren zu retten. Zehn von ihnen waren aus der zweiten Etage in Sicherheit zu bringen, zehn mussten aus dem bereits verrauchten Teil des Hauses evakuiert werden. „Die Schwierigkeit war beispielsweise, dass sich ein Bewohner gerade in der Badewanne befand. Und auch die normalen und schwereren Elektrorollstühle aus dem Haus zu bekommen, ist harte Arbeit“, sagt der Stadtwehrleiter. Funktioniert hat am Ende alles – auch ohne Fahrstuhl, der ja im Brandfall nicht nutzbar ist.

Während die Feuerwehr mit dem Löschen beschäftigt war, hat sich der Sanitätszug des Deutschen Roten Kreuzes aus Löbau um die Verletzten gekümmert. Mit dabei vor Ort war auch der leitende Notarzt Jens Schiffner und eine spezielle Einheit des Landkreises, die bei derartig umfangreichen Einsätzen Koordinationsaufgaben für den Nachschub an Material, Verpflegung oder auch Diesel übernimmt und einen neuen Aufenthaltsort für die Evakuierten organisiert. „Die Zusammenarbeit mit dem DRK und mit der Führungs- und Unterstützungsgruppe 3 aus Beiersdorf hat gut funktioniert“, sagt Jänsch. Insgesamt waren rund 70 Feuerwehrleute und etwa 20 Einsatzkräfte des DRK vor Ort.

Ohnehin war ein Hauptziel der Übung, das Zusammenspiel der einzelnen Helfer zu trainieren. Selbst, dass alle Herrnhuter Wehren miteinander üben, ist eher selten: „Das ist die erste große Übung mit der Herrnhuter und allen Ortswehren“, sagt René Jänsch. Und auch im Katharinenhof ist der letzte Feuerwehr-Trainingseinsatz schon mehr als zehn Jahre her. Dass gerade hier die Brand-Problematik mit Blick auf die DDR-Zeiten sensibel ist, wissen die Feuerwehrleute auch.