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Feuerwehr-Chef freut sich auf Ruhestand

44 Jahre war Lothar Reichbodt bei der Zittauer Löschtruppe tätig. Nun verabschiedet er sich und bleibt ihr dennoch treu.

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© Matthias Weber

Von Jan Lange

Zittau. Rot ist die bestimmende Farbe im Büro von Lothar Reichbodt. Im Schrank stehen eine Reihe roter Aktenordner, die Bezüge der Stühle rund um den Beratungstisch sind rot, ebenso wie die Nummern an den Türen und selbst das kleine Spielzeugauto samt Kugelschreiber und Feuerzeug hat die „Farbe der Feuerwehr“. Diese farbliche Dominanz kommt nicht von ungefähr, ist doch der 63-Jährige der Chef der Zittauer Löschtruppe. Zumindest bis zum Dienstagnachmittag. Dann wird Reichbodt nach 44 Dienstjahren bei der städtischen Feuerwehr, davon 25 Jahre an deren Spitze, in den Ruhestand verabschiedet.

Bilder aus einem Berufsleben

1993: Der Feuerwehrchef erklärt dem damaligen Zittauer Oberbürgermeister Jürgen Kloß (links) das neue Löschfahrzeug.
1993: Der Feuerwehrchef erklärt dem damaligen Zittauer Oberbürgermeister Jürgen Kloß (links) das neue Löschfahrzeug.
1994: Reichbodt (Mitte) erklärt den Einweihungsgästen die Trennungsmöglichkeiten in der Atemschutzübungsstrecke im Kellergeschoss des Feuerwehrgebäudes.
1994: Reichbodt (Mitte) erklärt den Einweihungsgästen die Trennungsmöglichkeiten in der Atemschutzübungsstrecke im Kellergeschoss des Feuerwehrgebäudes.
1994: Reichbodt (Mitte) erklärt den Einweihungsgästen die Trennungsmöglichkeiten in der Atemschutzübungsstrecke im Kellergeschoss des Feuerwehrgebäudes.
1994: Reichbodt (Mitte) erklärt den Einweihungsgästen die Trennungsmöglichkeiten in der Atemschutzübungsstrecke im Kellergeschoss des Feuerwehrgebäudes.
August 2010: Lothar Reichbodt war bis dato einiges gewöhnt – vom Großbrand bis zu Sturmschäden. Dass das Wochenende vom 7./8. August 2010 das toppen würde, hätte er nicht gedacht. Eigentlich wollte er damals einige Tage frei machen, doch der Urlaub war beendet, als das Wasser bedrohlich anstieg. Für Reichbodt und seine Kameraden bedeutete es fünf Tage hintereinander Dienst machen. „Vom Umfang her, war es der größte Einsatz“, sagt er.
August 2010: Lothar Reichbodt war bis dato einiges gewöhnt – vom Großbrand bis zu Sturmschäden. Dass das Wochenende vom 7./8. August 2010 das toppen würde, hätte er nicht gedacht. Eigentlich wollte er damals einige Tage frei machen, doch der Urlaub war beendet, als das Wasser bedrohlich anstieg. Für Reichbodt und seine Kameraden bedeutete es fünf Tage hintereinander Dienst machen. „Vom Umfang her, war es der größte Einsatz“, sagt er.
Oktober 2012: Die Zittauer Feuerwehr erhält zwei neue Einsatzfahrzeuge im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projektes mit der Stadt Hradek.
Oktober 2012: Die Zittauer Feuerwehr erhält zwei neue Einsatzfahrzeuge im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projektes mit der Stadt Hradek.
Juni 2012: Rathauschef Arnd Voigt (links) überreicht der Feuerwehr zu ihrem 150-jährigen Bestehen eine prunkvolle Fahne. Zuvor hatte sie keine Traditionsfahne.
Juni 2012: Rathauschef Arnd Voigt (links) überreicht der Feuerwehr zu ihrem 150-jährigen Bestehen eine prunkvolle Fahne. Zuvor hatte sie keine Traditionsfahne.
November 2015: Für rund drei Millionen Euro ist in Hirschfelde ein neues Feuerwehrdepot entstanden. Im vorigen Herbst konnte das moderne Gebäude feierlich eingeweiht werden.
November 2015: Für rund drei Millionen Euro ist in Hirschfelde ein neues Feuerwehrdepot entstanden. Im vorigen Herbst konnte das moderne Gebäude feierlich eingeweiht werden.

In dieser Zeit hat er so manche Diskussion um Einsparungen oder gar Abschaffung der hauptamtlichen Kräfte erlebt. Hartnäckig kämpfte er für deren Erhalt. Dass auch in der aktuellen Sparrunde die Feuerwehr nicht ausgenommen werden kann, ist ihm klar. Er sieht aber eine Grenze: Die Mindestbesatzung an hauptamtlichen Kräften zum Ausrücken müsse weiterhin vorhanden sein. Andernfalls sollte über eine neue Form der Feuerwehr nachgedacht werden - – zum Beispiel einer reinen freiwilligen Truppe. Nach dem Mauerfall entschieden sich die Zittauer für eine freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften.

Seitdem war Reichbodt Chef der Brandbekämpfer. Die Leitung wurde damals nicht mehr eingesetzt, sondern von den Kameraden gewählt. Und die Feuerwehrleute vertrauten dem gebürtigen Neugersdorfer, der seit 1972 bei der Zittauer Löscheinheit angestellt war.

Über 360 ehren- und hauptamtliche Mitglieder ist die Zittauer Feuerwehr heute stark, jedoch könne, so Lothar Reichbodt, nur etwa jeder Dritte im Ernstfall auch ausrücken. Der Rest gehört den Jugendwehren oder der Alters- und Ehrenabteilung an. In Letzterer will sich der 63-jährige künftig engagieren. „So fern sie mich aufnehmen, will ich in der Altersabteilung in Eichgraben mitarbeiten und wo es erforderlich und erwünscht ist, meine Erfahrungen mit einbringen“, sagt der scheidende Zittauer Feuerwehrchef.