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Hätte Heidehäuser evakuiert werden müssen?

Ein Feuer in der Gohrischheide hätte eigentlich nicht gelöscht werden dürfen. Aber einen Evakuierungsplan für den kleinen Ort gibt es auch nicht.

Bei einem Waldbrand in der Nähe von Heidehäuser sind Feuerwehrleute in die Gohrischheide gefahren, um zu löschen. Brachten sie sich in Gefahr?
Bei einem Waldbrand in der Nähe von Heidehäuser sind Feuerwehrleute in die Gohrischheide gefahren, um zu löschen. Brachten sie sich in Gefahr? © Feuerwehren im Landkreis Meißen

Heidehäuser. Nur wenige Wochen ist ein Waldbrand her, der jetzt den Gemeinderat Wülknitz beschäftigt. Am 16. August wurden die Feuerwehren aus Lichtensee, Tiefenau und Streumen kurz nach Mittag alarmiert. Ihr Einsatzziel: Die Gohrischheide bei Heidehäuser. 

"Wir mussten erstmal das Feuer suchen", erinnert sich der Wülknitzer Gemeindewehrleiter Maik Apitz. Die Drohne der Feuerwehr Bärnsdorf wurde hinzugerufen. Sie ortete die Stellen, wo die größten Rauchschwaden aus dem Waldgebiet aufstiegen. Sie waren rund 500 Meter von dem kleinen 80-Seelen-Dorf entfernt.

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Und gerade diese geringe Entfernung bringt alle Führungskräfte der Feuerwehr in einen Entscheidungskonflikt. Denn die Gohrischheide ist ein ehemaliges militärisches Übungsgelände. Besonders der nördliche Teil gilt als munitionsverseucht.

Vor neun Jahren war bei einem Waldbrand in der Gohrischheide eine Granate explodiert. Und das in unmittelbarer Nähe von Feuerwehrleuten. Daraufhin hatte der Zeithainer Gemeindewehrleiter Matthias Heydel festgelegt: Kein Kamerad betritt mehr dieses Gebiet. Wenn die Gohrischheide brennt, dann brennt sie eben.

Die Drohne der Feuerwehr Bärnsdorf machte diese Aufnahme vom Waldbrand in der Gohrischheide, etwa 500 Meter entfernt von der Ortschaft Heidehäuser.
Die Drohne der Feuerwehr Bärnsdorf machte diese Aufnahme vom Waldbrand in der Gohrischheide, etwa 500 Meter entfernt von der Ortschaft Heidehäuser. © Feuerwehren im Landkreis Meißen

Beim jetzigen Waldbrand bei Heidehäuser waren auch Feuerwehren aus Zeithain nachalarmiert worden. Denn die Gohrischheide ist ihr Gebiet. Heydel entschied, doch zu löschen. Er hielt das Risiko für vertretbar, da es sich um einen weniger gefährdeten Bereich der Gohrischheide handelt. "Aber genau wissen, tue ich es nicht", gibt er zu. 

Weil er seine eigene Dienstanweisung missachtet habe, werde er jetzt von mehreren Seiten kritisiert, bestätigt er. Heydel sieht ein, dass das ein Fehler war. Er habe daraus gelernt und sagt: "So lange ich in Zeithain Wehrleiter bin, wird in der Gohrischheide definitiv nicht mehr gelöscht." - Doch was passiert, wenn ein Feuer den Dörfern am Waldrand zu nahe kommt?  

"Wir hätten Heidehäuser eigentlich komplett evakuieren müssen", sagt Apitz. Denn laut Heydels Anweisung sollen alle Menschen, deren Häuser weniger als 1.000 Meter von einem Feuer in der Gohrischheide entfernt sind, ihre Wohnung verlassen und sich in Sicherheit begeben. Das könnten neben Heidehäuser z. B. auch die Orte Jacobsthal Bahnhof, Neudorf, Lichtensee und die Familien im Alten Lager betreffen. Selbst die Bundeswehr-Kaserne komme für eine Evakuierung in Frage, so Heydel. "Aber wer setzt das polizeilich durch?" fragt er.    

Man ist schnell durch Heidehäuser gefahren. In dem kleinen Ort gibt es nicht viele Häuser, dafür aber eine besondere Wohnanlage.
Man ist schnell durch Heidehäuser gefahren. In dem kleinen Ort gibt es nicht viele Häuser, dafür aber eine besondere Wohnanlage. © Sebastian Schultz

Eine Besonderheit in Heidehäuser ist das Behindertenwohnheim. Hier leben zurzeit 45 Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Zehn von ihnen können noch selbstständig gehen. Die große Mehrheit sitzt oder liegt in Rollstühlen. "Es ist schon schwer genug, gesunde Menschen zu evakuieren, geschweige denn Menschen mit Rollstühlen", sagt der Wülknitzer Bürgermeister Hannes Clauß. 

Er und seine Feuerwehrleute fragen sich, wer dann zuständig ist und ob auch das Technische Hilfswerk und Rettungssanitäter zu Hilfe eilen müssen. Und wo sollen die Einwohner vorübergehend unterkommen? Alles das müsste in einem Evakuierungsplan für Heidehäuser geklärt sein. Aber den gibt es noch nicht.

Wie das Landratsamt Meißen auf Anfrage der SZ mitteilt, habe es dazu im Frühjahr dieses Jahres eine gemeinsame Beratung der Heimverwaltung, des Kreisamtes für Brand- und Katastrophenschutz sowie der Feuerwehr Wülknitz gegeben. "Aufgrund der Corona-Pandemie konnte ein weiterer geplanter Termin zunächst nicht stattfinden", sagt Landratsamt-Sprecherin Anja Schmiedgen-Pietsch. "In dieser, insbesondere für die dort lebenden und arbeitenden Menschen außerordentlich belastenden Zeit, rückten andere Themen in den Fokus." Nun sei ein neuer Beratungstermin geplant. 

Clauß hatte am Dienstag bei einem Besuch bei Kreisbrandmeister Ingo Nestler nochmals darauf hingewiesen, wie wichtig ein Evakuierungsplan für Heidehäuser ist. Der Wülknitzer Bürgermeister kann dem Waldbrand in der Gohrischheide nahe einer Ortschaft sogar was Positives abringen und sagt: "Vielleicht war es mal gut, dass dieses Ereignis eingetreten ist." 

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