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Feuerwehr fehlt‘s an jungen Leuten

Jubiläum. Die Lommatzscher Feuerwehrgehört zu den ältesten in Sachsen. Sie besteht seit fast 140 Jahren.

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Von Jürgen Müller

Der 13. Juli 1664 war ein Schicksalstag für Lommatzsch: Das kleine Städtchen brannte fast vollständig ab, gerade mal 40 Häuser blieben verschont. Gegen Mitternacht war auf der Meißner Straße ein Feuer entstanden, das sich schnell über die ganze Stadt ausbreitete. 98 Häuser, 23 Scheunen und fünf Brau- und Malzhäuser wurden in dieser Nacht eingeäschert. Verursacht hatte die Feuersbrunst eine 80-jährige Witwe. Sie war mit offenem Licht zu Bett gegangen. Noch verheerender war ein Brand im März des Jahres 1734: Das Rathaus, 75 Wohnhäuser, zehn Getreidescheunen und drei Brauhäuser brannten nieder. In den Jahren danach wurde die Stadt immer wieder von Bränden heimgesucht. Zum Löschen musste das Wasser aus den Hausbrunnen geschöpft werden. Nach der Feuerordnung der Stadt aus dem Jahre 1695 wurde jeder Hausbesitzer verpflichtet, vier Wasserkannen zum Löschen bereitzuhalten. An eine Feuerwehr war damals noch nicht zu denken. Die wurde erst im August 1865 gegründet und ist damit eine der ältesten in Sachsen, ja sogar in ganz Deutschland, sagt der heutige Wehrleiter Jürgen Götze.

Der alte Benz kommt wieder

Das Jubiläum wollen die Lommatzscher Feuerwehrleute gemeinsam mit den Einwohnern der Stadt Ende August feiern. Ein historischer Löschangriff, der an die Anfangszeit der Lommatzscher Wehr erinnern soll, gehört zum Programm ebenso wie eine Fahrzeugparade. Zu sehen sein wird dabei auch ein Mercedes-Löschfahrzeug, wie es 1942 bis 1964 bei der Lommatzscher Wehr eingesetzt wurde.

Götze ist Chef von rund 200 Feuerwehrleuten, von denen 80 aktiv sind. 22 von ihnen dürfen Atemschutzgeräte tragen. „Normalerweise brauchten wir doppelt so viele, aber uns fehlen vor allem die Jugendlichen, die für diese schwere Aufgabe geeignet sind“, sagt der Gemeindewehrleiter. „Wir haben viele junge Leute ausgebildet, die wir dann wegen fehlender Arbeitsstellen westwärts verloren haben.“

Fehlende Leute sind der Grund dafür, dass die Einsatzbereitschaft der Ortsfeuerwehren tagsüber von 8 bis 18 Uhr nicht gewährleistet ist. Dann übernimmt die Lommatzscher Feuerwehr deren Aufgaben mit. Normalerweise muss ein Löschzug mit einem Gruppenführer und acht Feuerwehrleuten ausrücken. „Die Ortswehren fahren mit drei, vier Mann zum Einsatz“, so Götze. Ein modernes Löschfahrzeug, ein Tankzug und ein Mannschaftstransportwagen sind in Lommatzsch stationiert, die Ortswehren müssen mit B 1000, W 50 und LO auskommen. „Diese Fahrzeuge sind aber noch in einem guten Zustand“, sagt der Wehrleiter.

Seit Jahren kein Großfeuer

Zu 40 Einsätzen mussten die Lommatzscher Feuerwehrleute im vergangenen Jahr ausrücken. Meist leisteten sie Hilfe bei Unfällen, beseitigten Ölspuren oder löschten kleinere Brände. Großfeuer wie einst gab es in Lommatzsch dank der Feuerwehr schon seit Jahren nicht mehr. Dafür hat sie heute andere Aufgaben, die an die Substanz gehen. Tote oder verletzte Menschen aus Fahrzeugen zu schneiden, gehört zu den schwierigsten. An seinen ersten Einsatz bei einem tödlichen Unfall erinnert sich der 54-jährige Götze noch heute. „Es dauerte Wochen, bis ich das Gesehene verarbeitet hatte“, sagt er.