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Feuer macht vor Grenzen nicht halt

Die Feuerwehr in Hrádek nad Nisou begeht ihren 150. Geburtstag. Zur Wehr im benachbarten Zittau gibt es enge Verbindungen.

Ein Teil der Kameraden der Feuerwehr Hrádek nad Nisou in den 1950er Jahren.
Im Vordergrund der damalige Kommandant Josef Roubicek, der die Wehr von 1946 bis 1974 leitete.
Ein Teil der Kameraden der Feuerwehr Hrádek nad Nisou in den 1950er Jahren. Im Vordergrund der damalige Kommandant Josef Roubicek, der die Wehr von 1946 bis 1974 leitete. © Sammlung Rolf Hill

Die Feuerwehr im benachbarten Hrádek nad Nisou (Grottau) kann wegen der Corona-Krise ihr 150-jähriges Bestehen leider nicht so begehen, wie es eigentlich vorgesehen war. Die Feier muss verschoben werden, schließlich sollen auch die deutschen Partner aus Zittau und die polnischen Kameraden aus Bogatynia (Reichenau) dabei sein.

Als Gründungsdatum der Grottauer Feuerwehr gilt der 15. Mai 1870. Einer der Hauptgründe war ein Brand des Rathauses. Die Stadtväter waren durch diese Katastrophe in arge Bedrängnis geraten. Die Stadtkasse war leer, sodass der damalige Bürgermeister eine öffentliche Sammlung ausschrieb, deren Erlös die Anschaffung einer ersten Feuerwehrspritze ermöglichen sollte. Von den eingespielten 251 Gulden wurde ein solches Gerät beschafft. Damit war die Basis für die Feuerwehr geschaffen.

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Rathaus brannte 1982 ab

Zur Grottauer Feuerwehrgründung hatte auch das Wirken der Zittauer Wehr beigetragen. Die Kontakte der Floriansjünger der beiden benachbarten Städte sind seitdem nie abgerissen. Das bestätigt ein kurz vor seiner Vollendung stehendes Buch der Autoren Marek Řeháček und Petr Ferdyš Polda. Schon vor 20 Jahren hatte das Autorenduo ein deutsch-tschechisches Feuerwehrbuch herausgegeben. Feuer brenne schließlich überall gleich, sagt Marek Řeháček. Deshalb sei die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg ganz logisch.

Einer, der das bestätigen konnte, war Helmut Řeháček, von 1977 bis 2004 Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hrádek nad Nisou. (Mit Marek Řehaček war er nicht verwandt, aber gut befreundet). Bereits mit 16 Jahren trat Helmut Řeháček in die Freiwillige Feuerwehr ein und blieb ihr mit Leib und Seele treu. Er wurde Gruppenführer, dann stellvertretender Wehrleiter und übernahm schließlich 1977 die Leitung. Mit Erfahrung und Umsicht leitete er zum Beispiel den Einsatz, als im Mai 1982 das Grottauer Rathaus erneut Opfer einer Brandkatastrophe wurde. Durch das Dach des Barockgebäudes peitschten Flammen. Der ganze Marktplatz, auf dem noch die roten Fahnen vom 1. Mai hingen, wurde in ein weiteres, aber gefährlicheres Rot getaucht. Zum Glück griff dieses Feuer auf keine weiteren Häuser über.

Seit 1991 Löschhilfevetrag

Helmut Řeháček, der 2014 nach langer schwerer Krankheit verstarb, war neben den Zittauern Lothar Reichbodt und Jörg Finger ein maßgeblicher Initiator der engen Zusammenarbeit zwischen den deutschen und tschechischen Wehren. Was sich aus einem 1991 abgeschlossenen Löschhilfevertrag entwickelte, reicht inzwischen weit über dessen Grenzen hinaus, nicht selten bis in private Bereiche hinein. Später kamen noch die polnischen Kameraden aus Bogatynia (Reichenau), aus dem Ortsteil Kopaczów (Oberullersdorf) hinzu.

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