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Der Mann aus dem Feuerwehrhaus

Werner Fechner gehört seit 70 Jahren der Feuerwehr an. Das ist für Niesky ein Novum. Jahrzehnte ist er ihr Hausmeister und Gerätewart gewesen.

Werner Fechner ist 70 Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr in Niesky. Dafür wurde der 89-Jährige jetzt geehrt.
Werner Fechner ist 70 Jahre im Dienst der Freiwilligen Feuerwehr in Niesky. Dafür wurde der 89-Jährige jetzt geehrt. © André Schulze

Keine Angst vor großen Autos hat Werner Fechner. Als der Nieskyer fürs Foto an einem der Einsatzfahrzeuge lehnt, sagt er: "Das zu fahren, traue ich mir noch zu." Derweil ist Werner Fechner der dienstälteste Feuerwehrmann in der Nieskyer Stadtwehr. Am 1. August vor 70 Jahren begann sein Dienst in Niesky. Und das eher zufällig, wie er erzählt.  Gustav Halke, der Nieskyer Gartenbaufachmann, hatte ihn für die Feuerwehr geworben. "Für mich ist es eine Berufung, für die Stadt etwas Nützliches zu tun", sagt Fechner auch heute noch. 

"Wir waren die erste Jugendbrigade mit zehn Mann bei der Nieskyer Feuerwehr." Dabei kann sich Werner Fechner, damals 19 Jahre, noch genau an seine beiden Ausbilder erinnern: Max Habenicht und Heinz Wolf. Auch daran, wie sie zu ihren ersten Uniformen kamen: "Das waren Uniformen der Wehrmacht. Die Schulterstücke wurden entfernt und die Hosen und Jacken blau eingefärbt." Damit ging es zum Dienst oder in den Einsatz. 25 Kameraden zählte die Nieskyer Wehr im Jahr 1950.    

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Begeistert von der Technik

Für Werner Fechner ist es die Berufung nicht allein, die ihn zur Feuerwehr führt. Auch die Technik begeistert ihn bis ins hohe Alter. Als er in die Feuerwehr eintrat, stand ein Vorkriegs-Opel als Löschfahrzeug zur Verfügung. "Die Fahrerkabine reichte nicht für alle Besatzungsmitglieder, sodass zwei Kameraden immer draußen am Fahrzeug Platz nehmen mussten - und das bei jedem Wetter", erinnert sich der Nieskyer.  

Von Berufswegen ist Werner Fechner genauso begeisterter Technikfan. Als Elektroschweißer arbeitete der gelernte Zimmermann im Nieskyer Waggonbau. Das machte ihn auch für den Nieskyer Stahlbau interessant - und die Abwerbung fruchtete in einer Tätigkeit im Stahlbau ab 1966. Zuvor qualifizierte er sich Anfang der 1960er-Jahre zum Gabelstaplerfahrer und später zum Brücken-, Raupen- und Portalkranfahrer. Das Jahr 1957 brachte die erste Veränderung für Werner Fechner und seine Frau. Sie bezogen die Wohnung über dem Feuerwehrhaus in der Muskauer Straße. Ein Gebäude, das 2013 abgerissen wurde. Der Einzug war an die Pflicht gekoppelt, gleichzeitig der Hausmeister zu sein. "Dafür wohnten wir sehr billig mit einer Miete von 25 Mark im Monat", ergänzt Fechner. 

Frau fährt das Löschfarzeug

Werner Fechner hat bis zur Wende in dem Feuerwehrhaus an der Muskauer Straße gewohnt und war nebenbei Hausmeister. 2013 wurde das Gebäude abgerissen, nachdem die Stadtwehr in das Feuerwehrtechnische Zentrum gezogen war.
Werner Fechner hat bis zur Wende in dem Feuerwehrhaus an der Muskauer Straße gewohnt und war nebenbei Hausmeister. 2013 wurde das Gebäude abgerissen, nachdem die Stadtwehr in das Feuerwehrtechnische Zentrum gezogen war. © SZ-Archiv/André Schulze

Seinen Nebenjob als Hausmeister nahm Werner Fechner bis 1991 gewissenhaft wahr. Neben seinem Drei-Schicht-Betrieb im Stahlbau. Seine Aufgabe war es, die Technik einsatzbereit zu halten und, dass bei einer Alarmierung  die Fahrzeuge startklar sind. "Da ich im Stahlbau beschäftigt war und nicht immer vor Ort sein konnte, wenn alarmiert wurde, übernahm das meine Frau. Sie fuhr das Löschfahrzeug auf den Hof, damit es gleich losgehen konnte", erzählt Werner Fechner. Inzwischen hatten die Kameraden vom Rat des Kreises ein Einsatzfahrzeug aus DDR-Produktion bekommen, einen S 4000. "S" steht für Sachsenring und die "4000" für die Nutzlast in Kilogramm. Damit ging es fortan zu den Einsätzen.

Bis 1991 ist Werner Fechner nicht nur der Hausmeister für die Feuerwehr gewesen, sondern auch ihr aktiver Kamerad. In dem Jahr ist er in die Alters- und Ehrenabteilung gewechselt, in der er sich heute noch engagiert. Neun Jahre zuvor ist er zum Brandmeister befördert worden. Der Nieskyer verschloss sich nie neuen Herausforderungen. 1961 machte er die Ausbildung zum Funker im Kamenz, ließ sich als Rettungsschwimmer ausbilden. In den 1970er-Jahren erwarb er den Schein zum Kettensägenführer. Damals musste er dafür zwei Wochen in die Dübener Heide, heute passiert die Schulung an einem Wochenende. Seine Qualifikation als Atemschutzgerätewart führte dazu, dass er 1976 der Gerätewart der Nieskyer Feuerwehr wurde. 1982 kam noch der Nachrichtengerätewart für ihn dazu. In dieser Funktion war Werner Fechner hauptsächlich beim Volkspolizeikreisamt (VPKA) in Niesky gefragt. Und sonntags stand der Motocross im Mittelpunkt. Als Mitglied der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) nahm Fechner auch an Wettbewerben teil.

Als in Weißwasser der Wald brannte

Nicht alle seine Einsätze sind ihm im Gedächtnis geblieben, aber einer ganz fest: Der Waldbrand um Weißwasser 1992. "Es war für uns alle eine tagelange Katastrophe", so Fechner, der zwei Wochen im Einsatz war. Starke Trockenheit in den Wäldern führte zu einem Großbrand südlich von Weißwasser. Beginnend im Mai brannten über drei Wochen 1.600 Hektar Wald. "So etwas bleibt in einem ein Leben lang", betont der Jubilar. Vergangenen Sonnabend wurde er für seine 70 Jahre ausgezeichnet. Als erster Feuerwehrmann in Niesky. Darauf ist Werner Fechner besonders stolz. Schließlich ist er jetzt Träger von sechs Treue-Dienstmedaillen, alle bei der  Niesyker Feuerwehr erworben.

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