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Feuerwehr-Orden für Oßlinger

Bodo Kretschmer ist seit drei Jahrzehnten aktiv. Die Ehrung freut ihn. Es gibt aber auch vieles, worüber er sich ärgert.

© René Plaul

Von Manuela Reuß

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Ein Leben ohne Feuerwehr kann sich Bodo Kretschmer nicht so richtig vorstellen. Schon als kleiner Junge gehörten Uniform, Helm, Sirenengeheul, Löschautos und Co. zu seinem Leben. Bodo Kretschmers Vater ist Feuerwehrmann. Kein Wunder also, dass der heutige Chef der Oßlinger Gemeindewehr bereits in der Schule ein junger Brandschutzhelfer war und mit 16 Jahren in die Feuerwehr eintrat. Seitdem engagiert sich der 48-Jährige unermüdlich – als Feuerwehrmann, Ortswehrleiter, Gemeindewehrleiter.

Dafür gab’s jetzt Edelmetall: Bodo Kretschmer bekam das Feuerwehrehrenzeichen als Steckkreuz in Silber. Als einer von 53 in Sachsen. Die kleine Anstecknadel ist keine Medaille, die mal so eben mit verteilt wird. Es ist die zweithöchste Auszeichnung für Feuerwehrleute im Freistaat Sachsen. Geehrt werden damit besondere, jahrzehntelange Verdienste in der Entwicklung des Brandschutzes.

Mit dem Fahrschulauto zum Einsatz

Der gebürtige Oßlinger freut sich über die Anerkennung. Trotzdem ist sie für ihn kein Grund die Hände in den Schoß zu legen. Im Gegenteil. Es gibt noch zu viele Probleme, die ihn umtreiben. Eines davon ist der neue Brandschutzbedarfsplan. Der bisherige läuft jetzt im Januar aus. „Er wurde aber um ein Jahr verlängert“, so der Feuerwehrchef. In der Zeit muss ein neues Konzept erarbeitet werden. Damit habe die Gemeinde eine externe Firma beauftragt. Wichtig ist angesichts der ohnehin schon gefährdeten Tageseinsatzbereitschaft, die jetzigen Wehrstandorte zu erhalten.

Das größte Problem seien die Finanzen, sagt der Gemeindewehrleiter. Er weiß, wovon er spricht. Seit 1998 gehört er zur Wehrleitung. Zunächst als Stellvertreter, seit vier Jahren als Chef der Gemeindewehr. In der Ortswehr Oßling hat er seit 2000 den Hut auf. In all den Jahren habe es immer „am Geld gehangen“. Die einzige größere Investition war 2002 der Bau des Gerätehauses in Oßling. Zwar ist die persönliche Ausrüstung der Kameraden in den sieben Ortswehren auf dem notwendigen Standard und man habe einen guten Ausbildungsstand erreicht, „doch an der Technik hapert es gewaltig“. Die fünf Fahrzeuge seien fast schon Oldtimer. Das jüngste im Fuhrpark wurde 1992 gebaut, das älteste ist der über 40 Jahre alte B 1000, mit dem die Döbraer unterwegs sind. „Und als Einsatzleiter fahre ich mit meinem Fahrschulauto raus“, ärgert sich der Feuerwehrchef, der hauptberuflich eine Fahrschule betreibt.

Milstricher ohne eigenes Fahrzeug

Seit vorigem Jahr bastelt der 48-Jährige in der Freizeit an einem Anhänger. Er baut ihn so um, dass die Oßlinger Jugendwehr ihre Gerätschaften unterbringen kann, die sie zum Beispiel für Feuerwehrsportwettkämpfe braucht. Als gelernter Kfz-Schlosser und studierter Maschineningenieur hat er dafür zum Glück ein Händchen. Es fehle aber auch an Gerätehäusern. Fast alle Ortswehren hätten ihre Fahrzeuge und Gerätschaften in mehr oder weniger großen Garagen untergebracht. Die entsprächen „nicht den Forderungen der Unfallkasse“.

All dies sei natürlich kein besonders großer Anreiz, sich der Feuerwehr anzuschließen. Dennoch gebe es zum Glück noch Engagierte. „In Milstrich haben wir zum Beispiel viele willige, junge Leute, die mitarbeiten wollen“, erlärt Bodo Kretschmer. „Eine sehr starke Truppe“, lobt er. Doch die besitze nicht einmal ein Fahrzeug, mit dem sie ihren Tragkraftspritzenanhänger bewegen kann. Zur jüngsten Übung mit Atemschutzgeräten in der Skaskaer Agrargenossenschaft chauffierte der Feuerwehrchef die Milstricher mit dem Fahrschulauto, damit sie dabei sein konnten. „Unverständlich, angesichts der Tatsache, dass Feuerwehr eine Pflichtaufgabe der Gemeinde ist.“ Letzterer will er dabei aber nicht den Schwarzen Peter zuspielen. Er kritisiert, dass der Freistaat noch zu wenig Verantwortung übernimmt und die Kommunen oft mit Kosten alleine lasse.

Kritik am Freistaat

Warum orientiere sich Sachsen nicht an guten Lösungen anderer Bundesländer? Berufswehren bekämen beispielsweise alle paar Jahre neuen Fahrzeuge. Die könne man von autorisierten Werkstätten instand setzen lassen und nach entsprechendem Verteilerschlüssel an freiwillige Wehren weitergeben. Geld ließe sich auch mit Sammelbestellungen von Löschautos sparen. Wenn nicht jede Gemeinde ihr eigenes Fahrzeug bestellen würde, sondern der Freistaat mehrere im Paket, „da könnte man ganz andere Preise machen“. Andere Länder würden dies bereits praktizieren. Und auch in Sachen Führerscheinerwerb liege einiges im Argen. Statt des sogenannten Feuerwehrführerscheines – der in einer Art Schnelllehrgang vermittelt werde und deshalb auch nur für den Dienstgebrauch nutzbar ist – sei es besser man lasse die Fahrer einen richtigen Lkw-Schein machen und der Staat beteiligt sich an den Kosten. „Immerhin sitzen neun Leute mit im Auto, wenn es mit ziemlich hohem Tempo zum Einsatz geht.“

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