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Ertrunkener im Lößnitzbad ist identifiziert

Ein behinderter Besucher versuchte Hilfe zu holen. Aber zehn Minuten reagierte keiner. Was die Rettungsversuche außerdem noch erschwerte.

Nach der Bergung des Mannes bemühen sich die Radebeuler Johanniter um Wiederbelebung.
Nach der Bergung des Mannes bemühen sich die Radebeuler Johanniter um Wiederbelebung. © Foto: Peter Redlich

Radebeul. Es muss gegen 17.30 Uhr am frühen Sonnabendabend passiert sein. Ein Besucher des Lößnitzbades, im Rollstuhl sitzend, hatte vom nördlichen Hochufer aus beobachtet, wie ein älterer Mann sich erst nackt auskleidete, dann aber doch die Badehose überstreifte, zügig ins Wasser stieg und drauflos schwamm. Etwa zehn bis 15 Meter vom Ufer entfernt, sei dieser Mann dann plötzlich verschwunden. „Ich habe um Hilfe gerufen und Bürger angesprochen, mit dem Handy Rettung zu rufen. Aber vielleicht zehn Minuten lang hat niemand reagiert. Die Leute sind einfach weitergegangen“, sagt der Bürger. Dann habe aber doch jemand die Feuerwehr und den Rettungsdienst alarmiert.

„Es war genau 17.48 Uhr, als wir den Ruf bekamen“, sagt Frank Gründel, Wehrleiter von Kötzschenbroda. Der Stützpunkt ist nur etwa 1,5 Kilometer vom Lößnitzbad entfernt. Die Männer sind sehr schnell dort. Frank Gründel leitet den Einsatz. Auch Kameraden von der Wache aus Radebeul-Ost treffen gegen 18 Uhr ein.

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Etwa 20 Kameraden sind es, die sofort nach den Informationen des Bürgers am Hochufer die Suche aufnehmen. Die Mehrzahl der Männer bildet in Badehosen mit einem Feuerwehrschlauch als Linie eine Kette und beginnt vom Ufer aus immer weiter südwärts die Suche. Wehrleiter Roland Fährmann und weitere Kameraden haben zwei Schlauchboote für die Wasserrettung startklar gemacht und dirigieren die Aktion von der Wasserseite.

Schwierig ist die Suche, weil die Sichttiefe in dem Naturgewässer extrem eingeschränkt ist. Blaualgen haben sich bei hohen Außentemperaturen enorm entwickelt – die Wassertemperatur beträgt inzwischen auch um die 25 Grad. Das Gesundheitsamt im Landratsamt warnt deshalb bereits seit dem 6. August vor dem Baden. Die Sicht sollte mindestens einen Meter sein. Es sind nur wenige Zentimeter.

Die Kameraden befinden sich inzwischen im Bereich, in welchem der ehemalige Kiesbaggersee von etwa zwei Meter Tiefe in bis zu sechs Meter Tiefe übergeht. Die Strömung im Wasser ist sehr gering. Die Zulaufquellen befinden sich auf der Südseite, etwa 150 Meter entfernt. Wehrleiter Roland Fährmann und seine Besatzung im Schlauchboot versuchen mit einer Schleppleine im tieferen Gewässer die systematische Suche.

Mittlerweile ist mehr als eine halbe Stunde seit der Alarmierung vergangen. Als plötzlich einer der Kameraden aus der Suchkette laut ruft. Mit einem Paddel ist er offenbar auf den Körper gestoßen. Es ist so. 18.39 Uhr tauchen mehrere Kameraden kurz unter und bergen den leblosen Mann ans Ufer.

Die bereitstehenden Sanitäter vom Johanniter-Rettungsdienst aus Radebeul beginnen sofort mit der Wiederbelebung. Herzdruckmassage auf den Brustkorb, Beatmung. Das Messgerät zeigt keine Reaktion. Etwa eine Viertelstunde mühen sich die Sanitäter. Dann stellt die Ärztin kurz vor 19 Uhr schließlich den Tod des Mannes fest. Möglicherweise Herzversagen. Die Kameraden der Feuerwehr legen eine Decke über seinen Körper.

Es herrscht absolute Stille am Lößnitzbadufer. Vor zwei Jahren gab es zuletzt einen Ertrunkenen im Kötitzer Badesee, erinnert sich Peter Lorenz von der Kötzschenbrodaer Wehr. Angehörige des Verstorbenen sind inzwischen im Bad eingetroffen. Einsatzleiter Frank Gründel: „Die Identität steht jetzt auch fest. Der Mann ist etwas über 60 und Spätaussiedler aus Russland mit deutscher Nationalität.“ Der Feuerwehrmann kritisierte, dass offenbar einige Bürger nicht sofort auf den Hilferuf reagiert hatten.

Das Radebeuler Lößnitzbad ist seit zwei Jahren eine offene Badestelle ohne Bewachung. Wer hier Baden geht, tut dies auf eigene Gefahr, zeigen die Schilder deutlich an. Vom städtischen Bäderbetrieb Sbf GmbH wird täglich im Grundstück gereinigt und aufgeräumt.

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Die Kameraden der Radebeuler Feuerwehr suchen das Lößnitzbad ab.
Die Kameraden der Radebeuler Feuerwehr suchen das Lößnitzbad ab. © Foto: Peter Redlich

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