merken
PLUS

Feuerwehr wird zum Schlüsseldienst

Eigentlich sollen die Kameraden Menschen retten – werden aber immer häufiger als billige Dienstleister missbraucht.

Die Kameraden der Meißner Feuerwehr scheinen technisch ziemlich versiert zu sein. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass sie im vergangenen Jahr 40-mal alarmiert wurden, um für den Rettungsdienst Türen zu öffnen. Zum Vergleich: Im ganzen Landkreis rückten sämtliche Feuerwehren insgesamt zu 67 Türöffnungen aus. „Das heißt, dass auf die restlichen 149 Feuerwehren im Kreis ganze 27 Türöffnungen entfielen“, sagt Frank Fischer, Meißens Gemeindewehrleiter.

Er schlussfolgert aus diesen Zahlen, dass Meißens Feuerwehr als „schneller Schlüsseldienst“ missbraucht wird. Tatsächlich sei eine Notöffnung aber nur dann nötig, wenn eine Person hinter der verschlossenen Tür um Hilfe ruft und selbst nicht öffnen kann – beispielsweise, weil sie zuvor gestürzt ist. „Wir sind allerdings nicht zu alarmieren, wenn eine Person seit drei Monaten nicht mehr gesehen wurde und der Vermieter sich Gedanken um seine Mieteinnahmen macht.“ Für solche Fälle gebe es schließlich Schlüsseldienste.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Das Problem ist auch OB Olaf Raschke (parteilos) bekannt. „Das stinkt mir schon seit Jahren!“ Er habe schon bei Meißens Polizeichef das Problem angesprochen, damit die Beamten die Feuerwehr nur noch in wirklichen Notfällen riefen – und sonst gewerbliche Schlüsseldienste. „Für die könnten das schließlich zusätzliche Umsätze sein.“ Polizeidirektor Hanjo Protze hat das bereits im Revier angesprochen und die Kollegen für das Thema sensibilisiert. „Allerdings müssen die Beamten an der Wohnungstür in kürzester Zeit Entscheidungen treffen. Unter Umständen zählt da jede Minute.“ Ohnehin kämen die häufigsten Feuerwehr-Alarmierungen nicht von der Polizei, sondern von der Leitstelle des Rettungsdienstes. Nun arbeitet die Stadt daran, mit verschiedenen Schlüsseldiensten Verträge über eine 24-Stunden-Bereitschaft zu schließen. Nötig ist das: Im laufenden Jahr ist die Feuerwehr bereits neunmal zu Türöffnungen gerufen worden. (SZ/csf)