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Zittau

Herzinfarkt: Wirbel um Feuerwehr-Einsatz

Weil ein Rettungswagen nicht schnell genug verfügbar ist, greift die Leitstelle zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. Ein traumatischer Fall, der Fragen aufwirft.

Wenn ein Rettungswagen nicht schnell genug greifbar ist, kann die Leitstelle auch die Feuerwehr zu einem medizinischen Notfall schicken.
Wenn ein Rettungswagen nicht schnell genug greifbar ist, kann die Leitstelle auch die Feuerwehr zu einem medizinischen Notfall schicken. © Marko Förster

Diesen nächtliche Einsatz ist den freiwilligen Feuerwehrleuten aus Großschönau und Waltersdorf sehr an die Nieren gegangen. "Das werden wir alle so schnell nicht vergessen", sagt Fabian Hälschke, der Wehrleiter. Es ist der 22. August 2019. Gegen halb eins in der Nacht geht der Alarm los. Zuerst in Waltersdorf, eine Viertelstunde später in  Großschönau. 

"First Responder" lautet in beiden Fällen das Einsatz-Stichwort. Die meisten Kameraden ahnen in diesem Moment nicht, was das heißt. Im Einsatzwagen erfahren die freiwilligen Feuerwehrleute dann: Sie sind zu einem Herzinfarkt gerufen. 

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"First Responder" nämlich bedeutet Erste Hilfe in einem medizinischen Notfall. "Natürlich haben wir alle eine Erste-Hilfe-Ausbildung", sagt Fabian Hälschke im Nachhinein. "Und natürlich kommen wir, wenn es darum geht, Menschenleben zu retten. Gar keine Frage. Aber kann und darf die freiwillige Feuerwehr einen professionellen Rettungsdienst ersetzen?"

"Im Notfall muss sie das können - zumindest solange, bis der professionelle Rettungsdienst eintrifft." Björn Mierisch, der Leiter des Amtes für Katastrophenschutz und Rettungswesen im Landratsamt, sagt diese Worte sehr klar und deutlich. Auch wenn Fälle wie in jener August-Nacht für die freiwilligen Feuerwehrleute eine absolute Ausnahme bleiben sollen.

Alle verfügbaren Rettungswagen im Einsatz

Als in jener Nacht bei der Rettungsleitstelle in Hoyerswerda der Notruf aus Waltersdorf und kurz darauf auch der aus Großschönau eingeht, sind gerade alle Rettungswagen aus der Umgebung in einem anderen Einsatz, auch der in Bautzen stationierte Hubschrauber der Deutschen Luftrettung ist in diesem Moment nicht sofort verfügbar. Bei einem Herzinfarkt aber, das weiß der Diensthabende am Notruftelefon, kommt es auf jede Minute an. Um dem Patienten also schnellstmöglich eine qualifizierte Hilfe zukommen zu lassen, entscheidet der Disponent, zeitgleich mit der nächstmöglichen Rettungswagen-Besatzung auch die Feuerwehr zu alarmieren. 

"Die Alarmierung der Feuerwehr ist im Interesse der Patienten erfolgt, und nicht als Ersatzleistung für den Rettungsdienst", stellt der Amtsleiter klar. Und trotzdem wirft der Fall Fragen auf. Zuallererst die, ob es im Rettungswesen des Landkreises womöglich ein Kapazitäts-Defizit gibt.

Laut Gesetz muss ein Rettungswagen innerhalb von zwölf Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein. Im Kreis Görlitz gelingt das im Durchschnitt nur in vier von fünf Fällen. Vor allem im ländlichem Raum und eben auch im Zittauer Gebirge schaffen es die Einsatzfahrzeuge oft nicht in der vorgegebenen Frist.

Aber in so einem Fall die freiwilligen Feuerwehrleute einzusetzen? Björn Mierisch weiß, dass das eine Gratwanderung ist. Aber im Interesse der Patienten sei das in Fällen, in denen jede Minute zählt, immer noch die beste Lösung. "Jeder Feuerwehrmann hat eine gute Erste-Hilfe-Ausbildung", sagt der Chef des Katastrophenschutzamtes. "Damit ist er in der Lage, Leben zu retten und lebenserhaltende Maßnahmen einzuleiten, bis Rettungssanitäter und Notarzt eintreffen."

Rettungs-Wachen werden aufgestockt

Dafür sind auch die Disponenten in der Rettungsleitstelle geschult. Wenn die Angehörigen sich das zutrauen, geben sie ihnen gleich am Telefon Anleitung für Wiederbelebungsmaßnahmen bis die Rettungssanitäter eintreffen. Mehr als 40 solcher Telefon-Reanimationen sind auf diese Weise schon geglückt. "Um Leben zu retten, nutzt der Disponent jede Möglichkeit, die er hat", sagt der Amtsleiter.

Die freiwilligen Feuerwehren, das betont Björn Mierisch ausdrücklich, werden aber nicht als Puffer in einem zu dünnen Rettungsnetz eingesetzt. Einsätze wie im August in Großschönau und Waltersdorf bleiben die absolute Ausnahme, versichert er. Vielmehr reagiert der Kreis jetzt mit der Aufstockung der Kapazitäten auf die ausgemachten Defizite im Rettungsdienst. 

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