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Sturm "Sabine": So war die Nacht zu Montag

Die Feuerwehren aus der Region Döbeln haben Einsatzbereitschaft hergestellt. Mitteldeutsche Regiobahn und DB haben ihren Zugverkehr komplett eingestellt.

Erste Vorboten des Sturmtiefs erreichten die Region. Vereinzelte Bäume hielten den Böen nicht stand und landeten auf den Straßen.
Erste Vorboten des Sturmtiefs erreichten die Region. Vereinzelte Bäume hielten den Böen nicht stand und landeten auf den Straßen. © Erik-Holm Langhof

Region Döbeln. Das zweite Februarwochenende zeigt sich von seiner Frühlingsseite - Sonne und warme Temperaturen. Doch spätestens in der Nacht zu Montag wird sich das laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) ändern. Erwartet werden Orkanböen bis zu 120 Stundenkilometern selbst im Flachland und dazu heftige Gewitter. Auch die Region Döbeln soll vom Sturmtief "Sabine" in frühen Morgenstunden getroffen werden. Unsere Zeitung berichtet hier über die aktuellen Ereignisse aus der Region.

Nach Prognosen des DWD soll das Sturmtief von Nordwest in Richtung Leipzig kommen und weiter in Richtung Landeshauptstadt und Ostsachsen vordringen. Laut DWD-Meteorologin Cathleen Hieckmann erreicht der Sturm die Region zwischen Leipzig und Dresden zwischen drei und fünf Uhr. In Tieflagen seien Sturmböen im Bereich bis zu 100 Stundenkilometern möglich, in Höhenlagen bis zu 120 Kilometer pro Stunde. Sie bringen dann Schauer mit Graupel und einzelne Gewitter mit bis zur Windstärke 12. Bis in den Montagvormittag hinein erwartet der DWD starke Windböen. Der Berufsverkehr könnte dadurch gestört werden.

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Auch am Montagabend seien vor allem in Mittelsachsen nochmals Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Stundenkilometer möglich. Mit deutlich ruhigerem Wetter rechnet Cathleen Hieckmann dann erst ab Mittwoch. Der DWD gab zunächst für den Zeitraum zwischen Sonntagabend, 18 Uhr und Montagvormittag, 8 Uhr eine amtliche Unwetterwarnung vor orkanartigen Böen heraus. "Sabine" ist laut Wetterdienst ein Winterorkan, wie er etwa alle zwei Jahre vorkommt. So stark wie "Kyrill" (2007) oder "Lothar" (1999) werde "Sabine" aber nicht.

Erste umgestürzte Bäume und Einsätze für die Feuerwehr

Gegen 3.15 Uhr stürzten einzelne Bäume auch auf die Fahrbahn der Autobahn 14 in Richtung Dreieck Nossen. Zwischen Klinga und Grimma kam es zur Behinderung und Sperrung der rechten Spur. Nach knapp einer halben Stunde war die Gefahr beseitigt.

In der Nacht kam es in der Region Döbeln zu vereinzelten umgekippten Bäumen. Zum Teil blockierten sie Verbindungsstraßen und die Feuerwehr musste sie von dem Gehölz befreien. Bis um 3 Uhr gab es nur einzelne Vorboten des Sturmtiefs "Sabine" im Tiefland. Neben Bäumen seien nach Augenzeugenberichten auch Werbeplakate und Mülltonnen umher geflogen.

An der Kreisstraße zwischen Zschepplitz und Zschörnewitz am Abzweig Obergoseln entwurzelte der Sturm in der Nach einen Baum. Ein Teil landete auf der Straße.
An der Kreisstraße zwischen Zschepplitz und Zschörnewitz am Abzweig Obergoseln entwurzelte der Sturm in der Nach einen Baum. Ein Teil landete auf der Straße. © Erik-Holm Langhof
Auch die Waldheimerstraße in Döbeln versperrte ein umgestürzter Baum. 
Auch die Waldheimerstraße in Döbeln versperrte ein umgestürzter Baum.  © Erik-Holm Langhof
Umgeknickt ist auch ein Baum auf der Kreisstraße zwischen Zschaitz-Ottewig und Dürrweitzschen. 
Umgeknickt ist auch ein Baum auf der Kreisstraße zwischen Zschaitz-Ottewig und Dürrweitzschen.  © Erik-Holm Langhof

Kurz nach 22 Uhr wurden die Kameraden der Feuerwehr Mockritz zum ersten Einsatz des Abends gerufen. Ein Baum knickte um und war eine Gefahr für die Autofahrer. Die Feuerwehrleute beseitigten die Gefahr und die Straße konnte kurze Zeit später freigegeben werden.

Auch die Ortsfeuerwehr Arras (bei Geringswalde) meldete gegen 21 Uhr bereits einen ersten Hilfeleistungseinsatz durch "Sabine".

Feuerwehr hat Einsatzbereitschaft im Gerätehaus

Entsprechende Vorbereitungen haben am Sonnabendabend auch die Feuerwehren der Region Döbeln getroffen. Wie Döbelns Brandinspektor Thomas Harnisch auf Anfrage mitteilte, haben sich die Kameraden am Abend zu einer Lagebesprechung getroffen und das weitere Vorgehen besprochen. "Wir haben eine erhöhte Einsatzbereitschaft", sagte Harnisch. Gegen 22.30 Uhr teilte die Feuerwehr Döbeln auf ihrer Facebookseite mit, dass eine Einsatzbereitschaft auf der Wache mit etwa 30 Kameraden gergestellt wurde. "Die ebenfalls besetzte Zentrale steht mit der Leitstelle in Chemnitz in Kontakt und wird über diese Verbindung die notwendigen Alarmierungen auslösen", berichten die Feuerwehrleute auf dem Sozialen Netzwerk. Auch Technik und Fahrzeuge seien noch einmal auf Funktionalität überprüft worden.

Harthas Wehrleiter René Greif teilt mit, dass die Kameraden auf Einsätze in den Nachtstunden vorbereitet seien. "Entsprechende Verpflegung für mögliche Einsätze ist da", berichtet er. Geräte, wie Kettensägen, seien zudem wie gewohnt überprüft und getestet wurden. Die Harther Feuerwehr wolle jedoch nicht die ganze Nacht das Gerätehaus besetzen, sei jedoch wie gewohnt unter ständiger Einsatzbereitschaft, teilt der Wehrleiter mit.

MRB und DB stellen Zugverkehr ein

Auch Bahnkunden müssen sich in der Region auf massive Einschränkungen einstellen. Aufgrund der aktuellen Wetterwarnung hat die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) am Sontagabend um 21 Uhr den Bahnverkehr auf allen Linien eingestellt. Betroffen sind auch die Strecken von und nach Döbeln. Ein Ersatz mit Bussen sei nach Aussagen eines MRB-Sprechers nicht möglich, da "die Busunternehmen ihre Fahrzeuge bei Sturm aus Sicherheitsgründen auch nicht fahren lassen." 

Für die Infrastruktur sei die Deutsche Bahn zuständig, wie der Pressesprecher erklärt. "Wenn Bäume auf den Gleisen liegen, müssen sich die Zuständigen darum kümmern." Das könne auch am Montag andauern, weshalb es zu Zugausfällen kommen kann. Den Zugverkehr eingestellt hat am Abend auch der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Wie er mitteilte, seien ab 19.30 Uhr keine Züge im VVO-Dieselnetz mehr gefahren. 

Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn sind am Abend alle Züge im sächsischen Regional- und Fernverkehrs in Bahnhöfen gestoppt wurden. "Reisende sollten sich informieren", sagt Sprecher Achim Stauß. Er teilte zudem mit, die Bahn habe in größeren Bahnhöfen Übernachtungsmöglichkeiten in Zügen vorbereitet. So wurden in Leipzig und Dresden je ein Zug bereitgestellt. "Vereinzelt sind auch Transfers über die Straße möglich", erklärte Strauß. An den großen sächsischen Bahnhöfen Leipzig und Dresden wurde demnach ebenfalls vorsorglich das Personal verstärkt.

Wegen des Sturmtiefs "Sabine" wird der Fernverkehr der Deutschen Bahn bis mindestens 10 Uhr am Montagvormittag eingestellt bleiben. "Erst nach Schadaufnahme im Rahmen von Erkundungsfahrten und erforderlichen Reparaturarbeiten werden ab voraussichtlich 10 Uhr die Strecken für den Fernverkehr sukzessive wieder freigegeben", schrieb die Bahn in ihrem Internetauftritt. "Es ist leider schon jetzt absehbar, dass die Störungen am Montag den ganzen Tag über andauern werden." Das Unternehmen empfehle den Reisenden, bis Dienstag geplante Fahrten im Fernverkehr auf einen anderen Tag zu verschieben.

Wenn ein Unwetter für Zugausfälle und Verspätungen im Bahnverkehr sorgt, haben die Kunden umfassende Rechte. 
Wenn ein Unwetter für Zugausfälle und Verspätungen im Bahnverkehr sorgt, haben die Kunden umfassende Rechte.  © dpa/Bodo Marks

Die MRB informiert ihre Kunden über die aktuelle Lage auf der Internetseite beziehungsweise durchgehend an der Servicehotline 0341/231898288. Auch die Deutsche Bahn (DB) informiert ihre Kunden auf der Homepage sowie unter der Telefonnummer 0800/996633.

Sowohl für die MRB als auch die DB gilt eine Kulanzregelungen für Reisende. Fahrgäste, die ihre Fahrt wegen des zu erwartenden Sturms auf einen anderen Tag verschieben möchten, können das tun. Alle Tickets für die Reisetage 9. Februar bis einschließlich 11. Februar sind weiterhin gültig und können bis mindestens Dienstag, 18. Februar, genutzt werden. Das gilt für Fahrkarten im Flexpreistarif und für Sparpreistickets. "Wer nicht reisen will, kann sein Ticket auch kostenfrei stornieren", sagt ein Bahn-Sprecher. Gestrandete Bahnreisende sollen im Rahmen ihrer Fahrgastrechte Hotelgutscheine und Taxigutscheine erhalten. Zudem gelten die regulären Fahrgastrechte.

Flugverkehr in Dresden und Leipzig eingestellt

Auf den Flughäfen in Dresden und Leipzig wurden Inlandsflüge gestrichen. Die Ausfälle werden demnach bis Montagmittag erwartet. Von und nach Dresden sind die Verbindungen Stuttgart, Düsseldorf, Köln-Bonn, Frankfurt/Main und München sowie nach Zürich gestrichen. Auch in Leipzig werden diese Ziele ab heute Abend bis morgen Mittag nicht mehr angeflogen.

Ihren aktuellen Flugstatus erfahren Sie bei Ihrer Fluggesellschaft oder auf der Internetseite des Flughafens Dresden.

Wegen des aufziehenden Sturmtiefs "Sabine" wurden deutschlandweit zahlreiche Flüge gestrichen. So auch in Dresden und Leipzig.
Wegen des aufziehenden Sturmtiefs "Sabine" wurden deutschlandweit zahlreiche Flüge gestrichen. So auch in Dresden und Leipzig. © dpa/Silas Stein

Fernbusse ohne Einschränkungen

Das Unternehmen Flixbus fährt zurzeit ab Dresden, Leipzig und Chemnitz ohne Störungen. Das geht aus dem Online-Fahrplan des Unternehmens hervor. Auch der tschechische Anbieter Student Agency/Regiojet meldet aktuell keine Ausfälle oder Verspätungen.

ADAC rät: "Fuß vom Gas" und Polizei warnt

Unterdessen warnte auch der Automobilclub ADAC vor Fahrten bei starken Sturmböen. Er rät: "Fuß vom Gas, damit man notfalls gegenlenken kann." Vor allem auf Brücken und an Waldschneisen sollten Autofahrer besonders vorsichtig sein.

"Auch beim Überholen von Lkw und Bussen gilt: Wer aus dem Windschatten kommt, wird nach dem Überholen vom Seitenwind voll erfasst", sagt ein ADAC-Sprecher. Dachaufbauten und Dachboxen sollten in den kommenden Tagen lieber entfernt werden. Fahrten mit dem Wohnmobil sollten bei stürmischen Tagen wie angekündigt, vermieden werden.

Wer gegen einen umgestürzten Baum auf der Straße fährt, muss den Schaden seiner Vollkasko-Versicherung melden. "Als Faustregel gilt: Kommt der Baum zum Auto, zahlt die Teilkaso. Kommt das Auto zum Baum, muss die Vollkasko zahlen", erklärt er.

Auch Landesforstverwaltungen warnen vor dem Betreten von Wäldern. Nicht nur einzelne Äste könnten abbrechen, sondern ganze Bäume umstürzen. Auch Autofahrer sollten Straßen in Waldnähe meiden, wenn das möglich ist.

Die Polizei Sachsen warnt am Sonntagabend vor zahlreichen gefährlichen Stellen: "Auf Grund umgestürzter Bäume kommt es im gesamten Gebiet zu Sperrungen von Straßen aller Klassen. Aus Sicherheitsgründen erfolgen Aufräumarbeiten oft erst nach Wetterbesserung am Tage!"

Bundesamt gibt Hinweise zu Verhalten bei Sturm

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) informiert die Bürger den Sturm und gibt entsprechende Hinweise. Danach sollten die Bürger sich über die aktuelle Lage des Wetters informieren.

Generell sollten Sie bei Unwettern griffbereit haben:
- ein netzunabhängiges UKW-Radio mit ausreichenden Batterien
- netzunabhängige Lichtquellen wie Taschenlampen und Kerzen
- Notgepäck und wichtige Dokumente für den Fall, dass Sie ihre Wohnung verlassen müssen.

Außerdem sollten laut Bundesamt Aufenthalte im Freien vermieden werden. Im Inneren des Gebäudes sind Fenster und Türen sowie Rollläden oder Fensterläden zu schließen.

Informationen des BKK zum Verhalten bei Sturm gibt es auf der Internetseite des Bundesamtes.

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Im August 2019 überkam die Region Döbeln ebenfalls ein heftiges Unwetter. Damals waren knapp 2000 Envia-Kunden ohne Strom. Einige Leitungen waren unterbrochen wurden. Die freiwilligen Feuerwehren waren im Dauereinsatz und sicherten unter anderem ein entstandenes Loch mitten auf der Sonnenstraße in der Stadt Hartha. Das hatte einen Durchmesser von rund zwei Metern und war etwa einen Meter tief.

Der Sturm im August 2019 brachte zahlreiche Einsätze für die Feuerwehr. An der Ecke Franz-Mehring-Straße/Pestalozzistraße in Hartha stürzte ein großer Ast auf die Straße.
Der Sturm im August 2019 brachte zahlreiche Einsätze für die Feuerwehr. An der Ecke Franz-Mehring-Straße/Pestalozzistraße in Hartha stürzte ein großer Ast auf die Straße. © Dietmar Thomas
Auf der Sonnenstraße in Hartha brachte das Unwetter ein etwa ein Meter tiefes Loch in der Straße. Es wurde durch den Starkregen ausgespühlt.
Auf der Sonnenstraße in Hartha brachte das Unwetter ein etwa ein Meter tiefes Loch in der Straße. Es wurde durch den Starkregen ausgespühlt. © Dietmar Thomas
In Döbeln wurde unter anderem auf der Schlachthofstraße ein Haus am Dach beschädigt. Dachdecker mussten sich am nachfolgenden Tag mit dem Schaden befassen.
In Döbeln wurde unter anderem auf der Schlachthofstraße ein Haus am Dach beschädigt. Dachdecker mussten sich am nachfolgenden Tag mit dem Schaden befassen. © Dietmar Thomas

(mit dpa); Stand: 10.02./03.47 Uhr

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