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Not macht Feuerwehren erfinderisch

Im Landkreis Bautzen klagen viele Wehren über veraltete Fahrzeuge. Statt ewig auf Fördermittel für neue Technik zu warten, suchen einige andere Wege.

Bei großen Löscheinsätzen, wie hier bei einem Brand in Kirschau, reiht sich moderne Löschtechnik an ältere Fahrzeuge. Um ihren Fuhrpark zu erneuern, suchen einige Wehren im Kreis Bautzen händeringend nach Lösungen, auch abseits von Fördermitteln.
Bei großen Löscheinsätzen, wie hier bei einem Brand in Kirschau, reiht sich moderne Löschtechnik an ältere Fahrzeuge. Um ihren Fuhrpark zu erneuern, suchen einige Wehren im Kreis Bautzen händeringend nach Lösungen, auch abseits von Fördermitteln. © Symbolbild: LausitzNews.de/Jens Kaczmarek

Bautzen. Die Frage klingt berechtigt: "Warum sollen wir denn ewig auf Fördermittel für ein neues Fahrzeug warten, das sich letztlich doch nur tot steht? Da können wir uns doch auch wirklich selber kümmern", sagt Sven Gabriel (FDP), Bürgermeister der Stadt Schirgiswalde-Kirschau.

Der Hintergrund der Aussage: Für 31 Feuerwehrfahrzeuge unterschiedlicher Art wurden in diesem Jahr im Landkreis Bautzen Fördermittel beantragt. Nur für fünf gab es einen positiven Bescheid. 17 Feuerwehren gingen leer aus. Schirgiswalde-Kirschau – genauer die Ortsfeuerwehr in Crostau-Callenberg – war nicht darunter. Sie stand erst gar nicht auf der Liste. Denn Bürgermeister Gabriel ist sich nur allzu bewusst, dass die meisten dieser Anträge aufgrund der geringen Größe des Fördertopfes auf Ablehnung treffen. 

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So suchte die Ortswehr nach einem anderen Weg. Gabriel erklärt: "Wir brauchen einen neuen Mannschaftstransportwagen für den Standort der Feuerwehr in Carlsberg." Dabei geht es um einen Kleintransporter, der in allererster Linie der Beförderung der Kameraden zum Einsatzort dient. "Sowas gibt es auf dem Gebrauchtmarkt in gutem Zustand für etwa 10.000 Euro. Genauso viel würde es kosten, den alten, noch immer im Einsatz befindlichen LO zu reparieren, damit er wenigstens für ein weiteres Jahr Tüv bekommt."

Die Suche nach einem Gebrauchtwagen ist daher für den Bürgermeister die folgerichtige Entscheidung. Bis der gewünschte Sprinter einsatzbereit ist, bräuchte er allerdings noch eine entsprechende Folierung und eine Signalanlage auf dem Dach.

Ganz so einfach, wie es klingt, ist es doch nicht: Nachdem der Verwaltungsausschuss des Stadtrates dem Vorhaben zugestimmt hat, verkauft die Crostauer Ortswehr nun Feuerwehrtechnik, um sich die Neuanschaffung leisten zu können. Seit Ende Juli nimmt die Stadtverwaltung Gebote für den Erwerb des Phänomen Garant K 30 mit Baujahr  1954 entgegen, ebenso für den LO von 1990.

"Das tut vielen Kameraden natürlich weh", sagt Sven Gabriel, er sieht aber keine andere Möglichkeit, um die Einsatzbereitschaft der Callenberger Feuerwehr kurzfristig abzusichern. Über den Erwerb des Gebrauchtwagens wird der Stadtrat im September auf seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause entscheiden.

Ein Auto für die Feuerwehr zur Miete

Andere sind da schon weiter. In der Ortsfeuerwehr Tautewalde etwa gibt es bereits einen neuen Mannschaftstransportwagen. Wilthen hat das Fahrzeug per Kommunalmiete angeschafft – ein Modell, das dem kommunalen Leasing nicht unähnlich ist. Mit einem monatlichen Festbetrag und über einen festgelegten Zeitraum hinweg zahlt die Stadt den Kaufpreis anteilig ab; kann sich nach Ablauf der fünf- bis sechsjährigen Frist entweder für die Zahlung des Restbetrags und damit für den Kauf oder für den nächsten Mietvertrag entscheiden.

Als Geschäftsführer des Autohauses Opel Hohlfeld kennt sich Holger Teichmann mit derartigen Finanzierungsmodellen aus. Verschiedene fabrikneue Feuerwehrfahrzeuge reihen sich auf dem Hof seiner Filiale in Sohland. Das Autohaus ist einer der wenigen Anbieter von Feuerwehrtechnik in der Region. Holger Teichmann sieht in dem Mietmodell Vorteile: "Gemeinden oder Städte, die nicht viel Geld haben, aber eine schnelle Lösung brauchen, können auf diese Art mit kalkulierbaren Kosten an ein neues Fahrzeug kommen."

Unterm Strich sei das natürlich etwas teurer als der Neukauf. Weil die Sonderausstattung bereits während der Mietdauer abgezahlt werden müsse, erzählt er weiter, entschieden sich 99 Prozent aller Kommunen anschließend für die Zahlung des Restbetrags und damit für den Kauf des Fahrzeugs. In den meisten Fällen seien die Einsatzwagen nach fünf oder sechs Dienstjahren gerade einmal um die 30.000 Kilometer gelaufen.

Nur wenig gebrauchte Fahrzeuge verfügbar

Wie viele andere Kommunen will auch Wilthen den neuen Mannschaftstransportwagen nach Ablauf des Mietvertrages übernehmen. Entsprechend ist das Angebot an gebrauchten Feuerwehrfahrzeugen dürftig. "Der Bedarf ist absolut da, viele Städte und Gemeinden würden sich gern so ein gebrauchtes Leasing-Fahrzeug anschaffen. Aber es gibt einfach keine", sagt Holger Teichmann.

Überhaupt, sagt Wilthens Bürgermeister Michael Herfort (CDU), sei jede Art von Fahrzeugbeschaffung für die Feuerwehr ohne Fördermittel nur bis zu einem bestimmten Kaufpreis darstellbar. Für Wilthen hat sich Herfort in diesem Jahr um Fördermittel für ein Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug beworben - und ging leer aus. Ans Mieten denkt er in diesem Fall dennoch nicht. "Größere Fahrzeuge mit einem Wert ab 400.000 Euro kann man nur mit Fördermitteln beschaffen. Alles andere ruiniert die Finanzen", ist er überzeugt.

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