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Cölln: Neue Räume für die Feuerwehr

Weil die Kosten für das Gerätehaus explodierten, musste die Gemeinde erfinderisch werden – und konnte den Kameraden sogar einen Wunsch erfüllen.

Mit vereinten Kräften haben Radibors stellvertretender Gemeindewehrleiter Sandro Jentsch und Bürgermeisterin Madeleine Rentsch den Anbau an das Feuerwehrgerätehaus in Cölln zu Ende gebracht.
Mit vereinten Kräften haben Radibors stellvertretender Gemeindewehrleiter Sandro Jentsch und Bürgermeisterin Madeleine Rentsch den Anbau an das Feuerwehrgerätehaus in Cölln zu Ende gebracht. © SZ/Uwe Soeder

Radibor. Eigentlich war der Anbau an die alte Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr in Cölln ganz anders gedacht. Direkt neben dem bestehenden Gerätehaus sollte die neue Halle entstehen; platzsparend und kompakt angeordnet, mit einem kleinen Verbindungsraum zwischen beiden Bauten. Kosten sollte das Vorhaben nach ersten Schätzungen 134.000 Euro. Auf dieser Grundlage bewarb sich die Gemeinde Radibor um Fördermittel und bekam den Zuschlag. Etwas mehr als 100.000 Euro stellte der Freistaat für die Umsetzung der Maßnahme in Aussicht. Das war 2018.

Inzwischen sind die Arbeiten an dem Anbau fast fertiggestellt. Dort ist jeder Weg durchdacht: Direkt vor dem Gebäude können die Kameraden parken. Im Alarmfall öffnet sich automatisch für sieben Minuten ein Schlüsseltresor an der Eingangstür. So kommen auch jene Kameraden ins Gebäude-Innere, die in der Hektik des Aufbruchs den Schlüssel vergessen haben.

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Durchdachte Wege im Neubau

Nach wenigen Schritten steht man im großen Umkleideraum. Noch ist der leer, aber schon bald werden hier die Spinde für die Ausrüstung und die persönlichen Gegenstände der Feuerwehrleute aufgestellt. Über einen direkten Zugang gelangt man von dort in die neue Fahrzeughalle. Mit einem Knopfdruck öffnet sich das Rolltor und die Fahrt zum Einsatzort kann binnen kürzester Zeit starten.

Praktisch ist die Ausrichtung der Räumlichkeiten auch, weil sie eine konsequente Schwarz-Weiß-Trennung ermöglicht, wie es im Feuerwehr-Jargon heißt. Durch die Anordnung von Umkleidebereich und Duschen wird das Feuerwehrgerätehaus praktisch zur Schmutz-Schleuse. Sie schützt die Kameraden davor, gefährliche Schadstoffe von der Einsatzstelle mit nach Hause zu schleppen und dient letztlich ihrer Gesundheit.

Was zur Herstellung der vollen Funktionsfähigkeit des Gerätehauses noch zu tun bleibt, ist überschaubar: Eine Maschine zur Stiefelwäsche im Wert von etwa 3.500 Euro wird demnächst geliefert. In der alten Fahrzeughalle soll ein zweiter Umkleideraum mit Sanitärbereich entstehen – für die Frauen im Team. 

Diese Ausgaben sind finanziell abgesichert. Was sich Radibors Bauamtsleiter Volkmar Koch für die ehrenamtlichen Feuerwehrleute außerdem noch wünscht, ist eine Umgestaltung der alten Gerätehalle zum Mehrzweckraum: "Damit man hier auch mal eine Wurst braten oder ein Bier trinken kann", wie er sagt. "Aber wann, womit und von welchem Geld diese letzten Arbeiten umgesetzt werden, das ist momentan noch die Frage."

Denn so simpel und logisch sich die ersten Planungen auch gestalteten, so schwierig und kostspielig stellte sich letztlich die bauliche Umsetzung des Anbaus heraus. Was bei der ersten Projektskizze unbemerkt blieb: Hätte man die neue Halle wie geplant direkt neben die alte gebaut, hätte der Stellplatz davor für die Fahrzeuge nicht mehr ausgereicht. 

Die Gemeinde plante um und errichtete den Neubau auf der anderen Seite des Grundstücks. Der Verbindungstrakt wurde größer als ursprünglich angenommen. Die Kosten explodierten: 270.000 Euro standen schließlich zu Buche – das Doppelte der ursprünglich anvisierten Summe. Eine Möglichkeit auf Nachförderung gab es nicht. Die Mehrkosten musste die Gemeinde selbst berappen.

Passiert ist das vor allem, weil der Zeitdruck auf die Verwaltungsmitarbeiter während der Fördermittel-Akquise enorm gewesen sei, sagt Volkmar Koch: "Wenn jemand eine Idee hat, muss es ganz schnell gehen. Sonst sind die Fördermittel weg", sagt er.

Radibors Bürgermeisterin Madeleine Rentsch (Wählervereinigung "Heimatfreunde Milkel") sieht das pragmatisch: "Es gab ja keine andere Wahl, als die Sache zu Ende zu bringen. Man kann ja nicht ein solches Projekt anfangen und dann unfertig stehenlassen, weil zwischendurch das Geld ausgeht", sagt sie.

Zusammengekratzt, was geht

Ans Ziel kam die Gemeinde schließlich mit einer ebenso aufwendigen wie wirkungsvollen Strategie: "Es wurde aus dem gesamten Haushalt zusammengekratzt, was ging", sagt Rentsch. Verschiedene andere Maßnahmen seien dafür gekürzt, verschoben oder fallengelassen worden. 

Zu dem finanziellen Kraftakt sieht sich die Gemeinde auch aus Respekt gegenüber den ehrenamtlich engagierten Kameraden verpflichtet. "Man kann die Bedeutung des Ehrenamtes gar nicht oft genug betonen. Aber ein funktionierendes Ehrenamt braucht entsprechende Voraussetzungen", sagt Madeleine Rentsch und erfüllt aus diesem Antrieb heraus den Kameraden sogar noch einen dringenden Wunsch: die Anschaffung der neuen Spinde. "Die kosten 4.000 Euro. Das Geld hatten wir nicht, aber die Spinde werden gebraucht. Die Summe kommt jetzt aus dem Verkauf eines Baggers unseres Bauhofes", sagt Madeleine Rentsch.

Die Cöllner Kameraden danken es der Gemeinde und packen selbst auf der Baustelle mit an. "Sie haben beim Abriss geholfen und kümmern sich selbstständig um die Reinigung", erzählt Volkmar Koch. Ob und wann sie ihren Aufenthaltsraum in Betrieb nehmen können, will die Gemeinde am Jahresende entscheiden. Dann steht die Haushaltsklausur an.

Bis dato ist Madeleine Rentsch mit dem Geschaffenen sichtlich zufrieden: "Von den vier Feuerwehr-Standorten in der Gemeinde sind jetzt drei saniert. Luppa wäre der nächste."

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