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Feuerwehrleute bauen sich ihren Parkplatz

Die Kameraden holen jetzt nach, wofür vor zwei Jahren beim Bau des Gerätehauses das Geld nicht gereicht hat.

Von Nicole Czerwinka und Sven Görner

Während andere am Wochenende früh um neun noch schlafen, sind die Feuerwehrmänner aus Steinbach schon im Einsatz. Allerdings nicht, weil es brennt, oder irgendwo eine Ölspur zu beseitigen ist. Ein Parkplatz für das Gerätehaus muss her.

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Zwar wurde der Neubau schon 2012 übergeben, aber nur mit einer unbefestigten Stellfläche für die Pkw der Kameraden. Denn das Haus war teurer geworden als ursprünglich von der Gemeinde Moritzburg geplant. Nicht zuletzt, weil es nicht dort gebaut wurde, wo es die Gemeinde haben wollte, sondern dort, wo es sich der Ortschaftsrat und die Steinbacher Feuerwehr wünschten. Die Kameraden schlugen darum der Gemeinde im vergangenen Jahr vor: Wenn Ihr das Material bereitstellt, machen wir den Rest selbst. Denn an Fachleuten und zupackenden Händen fehlt es der Wehr nicht. Gesagt, getan. Im Herbst vergangenen Jahres wurde in einer Wochenendaktion bereits der Aushub für den Parkplatz erledigt. Allerdings lief diese Aktion nicht ganz so wie von der Gemeinde gedacht. Die hatte extra darauf hingewiesen, behutsam zu arbeiten. Denn der Neubau befindet sich auf einer alten Mülldeponie. Am Ende kam dennoch ein großer Haufen Sondermüll zutage, der teuer entsorgt werden musste. Das Geld dafür war nicht im Haushalt geplant. „Wir müssen hier noch einmal ein großes Lob an die Gemeinde aussprechen“, sagt Kersten Winkler von der Freiwilligen Feuerwehr Steinbach.

Allerdings verzögerte der Abtransport die Arbeiten. Doch nun, nachdem der Winter vorbei ist, kann es endlich weitergehen. Sechs Kameraden haben sich am Sonnabend zur ersten Bauaktion in diesem Jahr getroffen. „Bis Ende April wollen wir den Parkplatz fertig haben“, sagt Winkler. Jeder der 18 Kameraden soll dabei mit anpacken. Beim Einsatz am Wochenende wurde der Bord gesetzt, also die Umrandung für den künftigen Parkplatz. Als Nächstes soll der Schotter kommen. „In 14 Tagen wollen wir dann pflastern. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit“, sagt Winkler.

Die Einweihung des neuen Gerätehauses vor zwei Jahren war für viele Jugendliche im Ort auch ein Anlass, um bei der Feuerwehr mitzumachen. „Jugendprobleme haben wir hier derzeit nicht, es ist allerdings, wie überall, schwierig, die jungen Leute im Ort zu halten. Viele gehen für die Lehre woanders hin“, sagt Winkler. Derzeit zählt die Ortswehr 18 aktive Kameraden und eine Kameradin sowie 12 Jugendliche. „Das Problem ist, dass es trotz großer Jugendgruppe nicht mehr Aktive werden“, sagt Winkler. Lehre und Beruf gehen eben vor. Dennoch hatte die Ortswehr Steinbach kürzlich Glück. Zwei aktive Feuerwehrleute – darunter eine Frau – haben in der Nähe einen Job gefunden und konnten der Feuerwehr so auch für den aktiven Dienst erhalten bleiben.

Wenn der Parkplatz fertig ist, können sich die Kameraden wieder um andere Dinge kümmern, wie eben die Mitgliederwerbung. In diesem Jahr wollen sie zudem einen Tag der offenen Tür veranstalten. „Der ist im vergangenen Jahr wegen des Hochwassers ausgefallen“, sagt Kersten Winkler. Einen konkreten Termin gebe es aber derzeit noch nicht. Schließlich steht den Steinbacher Feuerwehrleuten mit dem neuen Parkplatz noch eine ganze Menge Arbeit bevor. Und wie das bei Bauplanungen so ist: Man muss immer mit Verzögerungen rechnen. Am Wochenende haben die sechs Kameraden ihr Pensum allerdings geschafft. Der Bord ist fertig. Den abschließenden Grillnachmittag haben sich die Männer damit ehrlich verdient.